Schwarzarbeit und Steuerbetrug verursachen Milliardenschäden in der Bauwirtschaft und bedrohen zunehmend auch tariftreue Betriebe. Laut der aktuellen Jahresbilanz vom Zoll agieren auf Baustellen immer häufiger kriminelle Netzwerke mit Scheinfirmen. Die Gewerkschaft fordert deshalb mehr Kontrollen, härtere Strafen und politische Konsequenzen. Ohne entschlossenes Vorgehen drohen legale Anbieter ins Hintertreffen zu geraten – mit gravierenden Folgen für Wettbewerb, Sozialkassen und die Zukunft der Branche.
Der Bauwirtschaft entgeht jährlich ein Milliardenbetrag. Doch damit sind nicht nur Materialengpässe oder mangelnde Fachkräfte gemeint, sondern auch ein ganz anderes, oft unterschätztes Problem: Schwarzarbeit. Laut der aktuellen Zoll-Jahresbilanz 2024 ist die aufgedeckte illegale Beschäftigung lediglich die sichtbare Spitze eines massiven Problems. Der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Robert Feiger, warnt vor kriminellen Strukturen, die sich zunehmend im Baugewerbe festsetzen. Der Schaden geht weit über den finanziellen Verlust hinaus und betrifft die gesamte Branche. Dabei begrüßt Feiger die angekündigten Maßnahmen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, künftig schärfer gegen Schwarzarbeit und Steuerbetrug vorzugehen. Insbesondere auf dem Bau seien diese Praktiken laut IG Bau keine Einzelfälle mehr, sondern oftmals Teil organisierter Netzwerke. Dabei werden gezielt Scheinfirmen gegründet, um illegale Beschäftigung zu verschleiern und den Anschein regulärer Arbeit zu erwecken. Dies gefährde die Existenz tariftreuer Unternehmen und untergrabe den fairen Wettbewerb.
Zoll soll Präsenz auf Baustellen erhöhen
Um dem entgegenzuwirken, fordert die IG Bau eine deutliche Verstärkung der Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Eine höhere Kontrolldichte auf Baustellen und mehr Personal seien notwendig, um illegalen Machenschaften wirksam zu begegnen. Derzeit fehle es an flächendeckender Überwachung, weshalb sich viele Unternehmen ihrer Verantwortung entziehen und mit Dumpinglöhnen kalkulieren können.
Strafverfolgung bei Schwarzarbeit statt Kulanz
Ein weiterer Punkt ist die konsequente Ahndung. Schwarzarbeit darf nicht länger als Kavaliersdelikt behandelt werden. Die Gewerkschaft spricht sich für schnellere Verfahren und härtere Strafen aus, um abschreckende Wirkung zu erzielen. Nur so ließe sich zum Schutz der Beschäftigten und der ehrlichen Betriebe ein nachhaltiger Rückgang illegaler Beschäftigung erreichen.
Milliardenverluste durch Steuerbetrug
Neben Schwarzarbeit rückt auch der Steuerbetrug stärker in den Fokus. Laut Bundesrechnungshof entgehen dem Staat jährlich bis zu 50 Milliarden Euro – ein Betrag, der dem doppelten bis dreifachen Finanzvolumen für den dringend benötigten sozialen Wohnungsbau entspricht. Die IG Bau fordert deshalb ein entschlossenes Handeln auf politischer Ebene, um nicht nur Missstände aufzudecken, sondern die strukturellen Schlupflöcher dauerhaft zu schließen.

















