Neue Holzbau-Technologie stärkt Tragfähigkeit von Holzträgern

Foto: Niklas Kainz, TUM

Der Holzbau könnte vor einem entscheidenden Technologiesprung stehen: Forscher haben mit “holzbewehrtem Holz“ eine innovative Weiterentwicklung des klassischen Brettschichtholzes entwickelt. Durch integrierte Furnierverstärkungen aus Laubholz sollen Holzträger deutlich tragfähiger, robuster und widerstandsfähiger werden. Das soll insbesondere bei anspruchsvollen Konstruktionen mit großen Spannweiten, Durchbrüchen oder komplexen Anschlüssen gelten. Für Zimmereien, Holzbaubetriebe und den Ingenieurholzbau eröffnen die neuen wirtschaftlichen Produktionsverfahren sowie digitale Fertigungsprozesse vom mehrgeschossigen Holzbau bis zu modernen Hallen- und Dachkonstruktionen zusätzliche Marktchancen. 

Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben ein neues Verfahren für sogenanntes holzbewehrtes Holz entwickelt, das die Tragfähigkeit klassischer Brettschichtholz-Bauteile deutlich erhöhen soll. Das Besondere daran: Durch integrierte Furnierverstärkungen aus Laubholz entstehen robustere Holzträger für kritische Konstruktionsbereiche wie Anschlüsse, Durchbrüche oder große Spannweiten. Gleichzeitig wurden wirtschaftliche Produktionsprozesse entwickelt, die vor allem für Zimmereien und mittelständische Holzbaubetriebe neue Marktchancen eröffnen könnten. So gilt Brettschichtholz seit Jahrzehnten als zentrale Grundlage moderner Holzbauweisen. Doch trotz hoher Stabilität zeigt das Material konstruktionsbedingt Schwächen, insbesondere bei Belastungen quer zur Faser. Genau an diesem Punkt setzt das Forschungsprojekt „HBH_Teil_2“ an. Entwickelt wurde ein Konzept, bei dem hochfeste Furnierlagen gezielt in den Holzquerschnitt integriert werden. Die sogenannte „Superlamelle“ verstärkt die kritischen Bereiche der Konstruktion und sorgt für höhere Belastbarkeit sowie mehr Robustheit. Die Forscher sehen darin großes Potenzial für den Ingenieurholzbau. Vor allem bei komplexen Tragwerken, Dachkonstruktionen oder Holzbauteilen mit Aussparungen könnte holzbewehrtes Holz künftig neue Möglichkeiten eröffnen. Laut Projektbeschreibung eignet sich die Technologie speziell als Alternative für verstärkte Holzkonstruktionen mit anspruchsvollen Geometrien oder hohen Lastanforderungen.

Holzbewehrtes Holz als neue Chance für Holzbau und Zimmereien

Besonders interessant für die Bauwirtschaft dürfte das entwickelte Produktionskonzept sein. Die Herstellung der Superlamellen und die spätere Verarbeitung zum fertigen Holzbauteil erfolgen getrennt voneinander. Dadurch entstehen flexiblere Produktionsketten, die auch kleineren und mittelständischen Betrieben den Einstieg erleichtern könnten. Während Furnier- oder Sperrholzhersteller die verstärkenden Laubholzlamellen produzieren, können Zimmereien die Weiterverarbeitung mit bestehenden Verfahren übernehmen. Genau darin sehen die Forscher einen entscheidenden Vorteil für die praktische Umsetzung. Das Projekt beschreibt ausdrücklich „neue Marktchancen für kleine und mittelständische Unternehmen“, wobei auch die Digitalisierung bei der Entwicklung eine zentrale Rolle spielt. Im Rahmen des Projekts wurden robotergestützte Fertigungsprozesse sowie digitale Planungsansätze getestet. Dadurch sollen die Superlamellen künftig individuell an Belastungen angepasst werden können. Untersucht wurden unter anderem CNC-Zuschnitte und automatisierte Produktionsmethoden für Furnierstreifen.

Brettschichtholz aus Buche als Schlüsselmaterial

Als besonders geeignetes Material identifizierten die Forscher Buchenfurniere. Ausschlaggebend seien die hohe Festigkeit sowie die gute Verfügbarkeit in Deutschland. Zudem hätten sich bestimmte Klebstoffsysteme als besonders geeignet erwiesen, um die neuen Holzbauteile dauerhaft stabil zu verbinden. Die Ergebnisse des Projekts gelten als wichtiger Schritt hin zur Markteinführung. Nach Angaben der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe sei eine Anwendung bereits heute im Rahmen von Pilotprojekten möglich. Damit könnte holzbewehrtes Holz künftig eine neue Rolle im mehrgeschossigen Holzbau, bei Hallenkonstruktionen oder im modernen Ingenieurholzbau spielen. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass HBH „eine leistungsfähige und wirtschaftlich herstellbare Weiterentwicklung des Brettschichtholzes darstellt“.

Ist holzbewehrtes Holz der nächste große Durchbruch im Holzbau?

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