Serielles Bauen: Industrielle Vorfertigung im Mauerwerksbau

Foto: Emsländer Baustoffwerke / Tobias Bruns

Im Mauerwerksbau gewinnen serielles Bauen und industrielle Vorfertigung zunehmend an Bedeutung. Eine neue Generation automatisierter Wandproduktion zeigt, wie Bauunternehmen Bauzeiten deutlich verkürzen, Fachkräfte entlasten und gleichzeitig die Ausführungsqualität steigern können. Die Kombination aus BIM-Planung, robotergestützter Fertigung und präziser Vorfertigung entwickelt sich damit zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Handwerksbetriebe und Bauunternehmen im Wohnungs- und Gewerbebau.

In Zeiten von Wohnungsnot und knapper Ressourcen wird die industrielle Vorfertigung im Mauerwerksbau immer bedeutsamer. Das wurde auch beim Besuch von Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies im Emsland deutlich, als eine neue Generation automatisierter Wandproduktion vorgestellt wurde. Im Fokus stand dabei die serielle Fertigung von Kalksandsteinwänden auf Basis digitaler Planungsdaten. Mit diesem Ansatz werden Bauzeiten verkürzt, Qualität erhöht und dem Fachkräftemangel entgegengewirkt. Lies informierte sich im Rahmen eines sogenannten „solid Unit Spotlights“ bei den Emsländer Baustoffwerken über die Potenziale der automatisierten Mauerwerksproduktion. Die Kombination aus BIM-basierter Planung, robotergestützter Fertigung und industriellen Prozessen zeigt, wie stark sich die Bauwirtschaft derzeit wandelt. „Die industrielle Vorfertigung zeigt eindrucksvoll, wie wir schneller, nachhaltiger und zugleich in hoher Qualität bauen können“, erklärt Lies. „Was hier im Emsland entstanden ist, verdeutlicht, wie Innovation und Mittelstand gemeinsam die Bauwende voranbringen.“ Die Entwicklungen seien ein starkes Signal für Niedersachsen. Lies sieht darin ein hohes Potenzial, beim Umbau der Bauwirtschaft eine führende Rolle einzunehmen sowie neue Maßstäbe für ein zukunftsfähiges Bauen zu setzen.

Automatisierte Wandfertigung verändert Baustellenprozesse

Kern der Innovation ist die vollständig automatisierte Produktion von Mauerwerkswänden unter dem Namen „PreFabWall“. Die Elemente werden millimetergenau und witterungsunabhängig gefertigt und anschließend per Kran auf der Baustelle montiert. Für das ausführende Bauunternehmen bedeutet das vor allem eines: deutlich verkürzte Bauzeiten bei gleichzeitig höherer Ausführungsqualität. Mit Wandhöhen von bis zu 3,5 Metern und Längen bis sechs Meter deckt die Technologie typische Anforderungen im Wohnungs- und Gewerbebau ab. Fehleranfällige manuelle Arbeitsschritte werden reduziert, Abläufe planbarer und die Baustellenlogistik spürbar entlastet. Gerade in Zeiten knapper Fachkräfte wird dieser Aspekt für viele Betriebe zunehmend entscheidend.

Serielles Bauen als Antwort auf Wohnraummangel

Die Vorfertigung von Mauerwerk entwickelt sich damit zu einem zentralen Baustein im seriellen Bauen. Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten breit und reichen vom Einfamilienhaus, über den Mehrgeschossbau bis zur Gewerbeimmobilie. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Branche, schneller und kosteneffizienter zu bauen. „Vorfertigung ist längst kein Zukunftsversprechen mehr, sondern ein realer Hebel für die Bauwende“, betont Tobias Riffel, Vorstandsvorsitzender von solid Unit. „Industriell gefertigte Wände aus Mauerwerk zeigen, wie digitale Planung und serielle Prozesse Geschwindigkeit, Qualität und Nachhaltigkeit vereinen. Als Netzwerk machen wir diese Innovationen sichtbar und bringen die entscheidenden Akteure zusammen – denn nur wenn Planung, Industrie und Politik gemeinsam handeln, gelingt der notwendige Wandel im Bauwesen.“

Mittelstand treibt Innovation um industrielle Vorfertigung voran

Bemerkenswert ist, dass die Entwicklung nicht aus einem Großkonzern stammt, sondern aus dem Mittelstand. Gemeinsam mit einem Spezialisten für Mauerwerksvorfertigung haben die Emsländer Baustoffwerke die Technologie zur Marktreife gebracht. „Für uns ist Vorfertigung kein Experiment, sondern ein strategischer Schritt nach vorn“, erklärt Geschäftsführer Bernhard Göcking. „Die Herausforderungen im Wohnungsbau sind politisch wie gesellschaftlich enorm. Mit PreFabWall zeigen wir, dass der Mittelstand Teil der Lösung ist.“ Göcking macht zudem deutlich, dass der Besuch des Ministerpräsidenten die wachsende Bedeutung industrieller Vorfertigung für die Zukunftsfähigkeit des Bauens unterstreiche. Gleichzeitig betont er, dass gezielte Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung Ausdruck der Überzeugung seien, dass Innovation auch außerhalb großer Zentren entsteht und regionale Unternehmen – wie im Emsland – die Bauwende aktiv vorantreiben. Denn damit zeichnet sich für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe ein klarer Trend ab: Wer künftig wettbewerbsfähig bleiben will, wird sich stärker mit seriellen Bauprozessen und digitaler Vorfertigung auseinandersetzen müssen.

Wird industrielle Vorfertigung den klassischen Mauerwerksbau verdrängen?

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Man kann den Neubau von Mehrgeschoss-Wohnhäusern drehen und wenden, wie man will. Aber…..

Das Gebot der Zeit im Wohnungsbau ist die Korrelation von Klimaneutralität, Nachhaltigkeit, Ressourcen-Produktivität und Wirtschaftlichkeit.

Eine alternative Lösung ist ein Lean-Construction-Paket aus Konstruktion als das Was, Technologie als das Wie und Logistik als das Womit.

Weniger Material, weniger Prozesse, weniger Bauzeit, weniger Kosten.

Dabei geht es nicht darum, alles Alte über Bord zu werfen. Aber wer das Bewährte mit dem Vorausschauenden verbindet, muss nicht immer nur reagieren. Der kann den Wandel auch selbst mit gestalten.

Der Journalist und Gesellschaftskommentator Malcom Gladwell schrieb einmal über Steve Jobs, er sei ein „Tweaker“, ein „Optimierer“.
Er erklärte: „Der Visionär beginnt mit einem Blatt leerem Papier und stellt sich die Welt ganz neu vor. Der Optimierer findet die Dinge vor, wie sie sind, und dann muss er so lange zerren und ziehen, bis er sie zur Perfektion geführt hat. Das ist keine geringe Aufgabe.“

Die provokante Frage von Buckminster Fuller: „Wie viel wiegt Ihr Gebäude, Mr. Foster?“ ist nach wie vor hoch aktuell. Insbesondere zu Zeiten, wo die Ressourcen-Produktivität im Bauwesen eine zunehmende Rolle spielt.

Aber was bedeutet Leichtbau oder Lean-Construction als schlanke Konstruktion?
Beispielhaft hier der Vergleich des Eigengewichts von Geschossdecken mit gleichen technischen Eigenschaften:

Eine traditionelle 16 cm- Stahlbeton-Geschossdecke und Nutzschicht wiegt ca.5,40 kN/m².
Eine modifizierte AE Aestuver Stahltrapezblechdecke von James Hardie – Fermacell mit ca.30 cm Bauhöhe wiegt ca.0,85 kN/m².

Das bedeutet: Bei einer Geschossfläche des Wohnblocks von bspw. 3.000 m², ist das eine Materialreduktion von ca. 13.650 kg.
Dazu die Reduzierung der damit verbundenen technisch-konstruktiven Folgen.

Das bedeutet: 13.650 kg Material muss nicht gefördert, transportiert, verarbeitet und eingebaut werden.

Für mich als Baukonstrukteur und Baudesigner hat Einsparung generell einen höheren Stellenwert als Recycling. Oder, wie es Mies van der Rohe formulierte: „Weniger ist Mehr“.

Inhaltlich mag die häufige pauschale Aussage erst einmal verständlich sein, dass eine industrielle Produktion wegen der typischen und mit den Bedingungen anderer Branchen nicht vergleichbaren Situation in der Bauwirtschaft nicht möglich sei. Aber bei einfach strukturierten Prozessen, wie das Bauen von typisierten Geschoss-Wohnhäusern, ist es durchaus machbar..

Voraussetzung ist allerdings eine hoch entwickelte Produkt-, sowie Produktionsplanung und –steuerung, die es erlaubt, das gesamte Spektrum der Entstehungsprozesse zu planen und zu steuern.
Das ist wesentlich mehr als Digitalisierung, Vorfertigung der Bauteile oder serielles und modulares Bauen.

mit kalksandsteinen hatten wir bereits mitte der 1990 er jahre sowohl wandtafeln vorgefertigt, als auch vor ort mit mobilen roboter bis zu 1 tonne nutzlast planelemente montiert. mehr dazu auf www.rod.de

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