Holz gilt als besonders klimafreundlicher Baustoff, kam im urbanen Raum bislang jedoch meist nur im Einfamilien- und niedrigen Geschosswohnungsbau zum Einsatz. Mit dem Holzhochhaus „roots“ in der Hamburger Hafencity erreicht der Holzbau im urbanen Hochhausbau eine neue Stufe. Das geförderte Projekt zeigt praxisnah, wie nachhaltiger Holzbau Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und Bauordnung vereinen kann. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe liefert das Gebäude wichtige Erkenntnisse zu Bauweise, Brandschutz und modularer Planung im mehrgeschossigen Holzbau.
Holzbau erreicht in Deutschland eine vollkommen neue Dimension. Denn in der Hamburger Hafencity ist kürzlich mit dem Projekt „roots“ eines der höchsten Holz-Hochhäuser des Landes entstanden. Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Gebäude verbindet innerstädtischen Wohnungsbau mit Klimaschutz und zeigt, wie Holzbau auch im Hochhaussegment wirtschaftlich, technisch und bauordnungsrechtlich funktionieren kann. Für die Bauwirtschaft liefert das Projekt wichtige Erkenntnisse für künftige Planungen und Ausschreibungen. Dabei hat die DBU die Konzeption und Entwicklung des rund 64 Meter hohen Gebäudes mit knapp 490.000 Euro unterstützt. Entstanden sind 128 Wohnungen, ergänzende Büroflächen sowie eine Ausstellung. Zusätzlich wurde ein angeschlossener Wohnblock mit 53 geförderten Wohnungen ebenfalls in Holzbauweise realisiert. Bauherr ist die Garbe Urban Real Estate. Tragende Bauteile bestehen vollständig aus Holz, ergänzt durch einen Stahlbetonkern für das Treppenhaus, der insbesondere dem Brandschutz dient. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde sieht in solchen Projekten einen zentralen Hebel für die Zukunft der Branche. „Hier kann das Bauen mit Holz eine zukunftsfähige Alternative sein“, betont Bonde. „Wir brauchen Modellprojekte, die bei Gebäuden aus Holz Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz in sich vereinen.“
Holzbau als Klimafaktor im Hochhausbau
Ein wesentliches Argument für den Holzbau liegt in der CO2-Bilanz. Nach Angaben aus dem Projekt können selbst bei einer Hybridbauweise aus Holz und Stahlbeton rund 31 Prozent der Emissionen eingespart werden. Das entspricht etwa 3520 Tonnen Kohlendioxid. Hintergrund ist hauptsächlich der hohe Emissionsanteil der Zementherstellung. Holz schneidet hier deutlich besser ab, speziell wenn es aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. So weist Jonas Böse, Junior-Projektleiter bei Garbe, darauf hin, dass Holz als Baustoff für Hochhäuser zu Projektbeginn noch wenig erprobt war. „Während der Entwicklung und des Baus des ‚roots‘-Hochhauses haben wir viele Erkenntnisse gewonnen, die nun bei neuen Holzbauprojekten für eine erhebliche Bauzeit-Verkürzung und Vereinfachung sorgen können.“
Modulares Bauen und neue Flächenpotenziale
Ein weiterer Vorteil des Holzbaus liegt in der modularen Bauweise. Vorgefertigte Elemente ermöglichen kürzere Bauzeiten und eine präzisere Ausführung. Gleichzeitig eröffnet das geringere Gewicht von Holzkonstruktionen neue Grundstückspotenziale, etwa auf Böden mit eingeschränkter Tragfähigkeit. Gerade in verdichteten Städten kann dies ein entscheidender Faktor sein, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.
Brandschutz und Schallschutz im Holzhochhaus als Schlüsselthemen
Zentrale Herausforderungen des Projekts lagen im Brand- und Schallschutz. Umfangreiche Tests und enge Abstimmungen mit den Behörden waren erforderlich. „Da ein Hochhaus mit brennbarem Tragwerk bauordnungsrechtlich nicht zulässig ist, war ein erhöhter Planungs- und Abstimmungsbedarf erforderlich“, erklärt DBU-Referentin Sabine Djahanschah. Die im Projekt entwickelten Lösungen sollen künftig Genehmigungsprozesse erleichtern und die Akzeptanz von Holzhochhäusern weiter erhöhen. Damit zeigt das Projekt, dass Holzbau nicht nur im Einfamilienhaus, sondern auch im urbanen Hochbau eine realistische Option ist. Außerdem bietet der Holzbau spürbare Effekte für Klimaschutz, Bauzeiten und Flächeneffizienz.

















