Verschlechterte Zahlungsmoral belastet Bauwirtschaft

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Foto: Roland Riethmüller

Die Zahlungsmoral hat sich seit der gesetzlichen Regelung vor zwei Jahren zwar kurzfristig verbessert, ist jedoch vor allem im Bereich der öffenltichen Hand wieder auf das alte Niveau zurück gefallen. Denn während nur sieben Prozent der Bauunternehmer bei privaten Schuldnern einen Zahlungsverzug von über 30 Tagen erleben, sind es bei öffentlichen Auftraggebern sogar 36 Prozent.

Das “Gesetz zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr” gilt seit nunmehr zwei Jahren und sollte eigentlich eine bessere Zahlungsdisziplin schaffen. Doch von der anfänglichen Verbesserung der Situation für Bauunternehmer ist nicht mehr viel übrig geblieben. Das hat die Frühjahrs-Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zum Zahlungsverhalten der Unternehmen ergeben. “36 Prozent der Bauunternehmen melden, dass ihre öffentlichen Kunden nicht innerhalb von 30 Tagen, sondern erst später ihre Rechnung begleichen, das sind genauso viele wie vor Inkrafttreten des Gesetzes”, beklagt RA Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB).

Nur in der Privatwirtschaft hat sich die Zahlungsmoral verbessert

Lediglich im privaten Sektor hat das Gesetz Früchte getragen: Nur sieben Prozent der Bauunternehmer mussten länger als 30 Tage auf die Bezahlung ihrer Rechnung von privaten Schuldnern warten. “Dabei hätte das Gesetz, welches die europäische Zahlungsverzugsrichtlinie im Sommer 2014 in nationales Recht umsetzte, auch den öffentlichen Auftraggebern eine hervorragende Gelegenheit geboten, ihr Zahlungsverhalten zu ändern.”, wundert sich Knipper.

Folgen der schlechten Zahlungsmoral für die Bauwirtschaft

Der “Giftcocktail” aus schlechter Zahlungsmoral, geringen Renditen und niedrigen Eigenkapitalquoten sei immer noch die größte Bedrohung für die Bauwirtschaft, warnt Knipper. Denn die Umsatzrenditen hätten sich zwar in den vergangenen Jahren verbessert, seien jedoch aufgrund der gestiegenen Risiken von Bauprojekten immer noch unbefriedigend. So ist oftmals die Zahlungsmoral in der Bauwirtschaft das ausschlaggebende Kriterium für die Insolvenz.

Öffentliche Hand muss sich besser an ihre eigenen Gesetze halten

Mit 28 Prozent Marktanteil hat der Öffentliche Bau eine starke Marktposition inne. So freut sich zwar die Bauindustrie, dass einige öffentliche Gebietskörperschaften die dringend benötigten Investitionen zur Instandhaltung der Infrastruktur erhöht haben. “Sie sollten die Bauunternehmer dann aber nicht mit Zahlungsverzögerungen an den Rand der Insolvenz treiben”, warnt HDB-Hauptgeschäftsführer Knipper. “Wir fordern die öffentliche Hand deshalb auf, sich ihrer besonderen Verantwortung bewusst zu werden und ihre eigenen Gesetze auch selbst anzuwenden.”

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