630.000 Fachkräfte fehlen: Arbeitsmigration als Lösung?

Foto: FoToArtist_1 / envatoelements

Gegen den Fachkräftemangel sollen ausländische Arbeitskräfte eine Schlüsselrolle spielen. Insgesamt fehlen rund 630.000 Fachkräfte. Die deutschen Baufirmen sind durchaus bereit, ausländische Fachkräfte in ihren Betrieben einzustellen. Die Praxis sieht jedoch anders aus, denn die langen Bearbeitungszeiten und die schlechte Kommunikation behindern die Arbeitsmigration. Ein großes Hemmnis bei der Suche nach Kräften aus dem Ausland ist die Anerkennung der ausländischen Berufsqualifikation.

Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, braucht auch die Bauwirtschaft dringend Arbeitskräfte. Denn aktuell fehlen in Deutschland insgesamt mehr als 630.000 Fachkräfte. Die deutschen Baufirmen sind daher durchaus bereit, auch ausländische Arbeitskräfte in ihren Betrieben zu integrieren. „In der Praxis ist das allerdings leider oft gar nicht so einfach“, kritisiert die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB). Es gäbe „deutlich zu lange Bearbeitungszeiten und unzureichende Kommunikation“ bei den Ausländerbehörden. Viele Mitgliedsbetriebe berichten, dass entsprechende Versuche zur Einstellung ausländischer Fachkräfte gescheitert seien.

Die Regelungen sind zu komplex

Eine Behinderung der Arbeitsmigration ist unter anderem die Komplexität der Regelungen. Außerdem scheitert es oft an der Anerkennung der ausländischen Berufsqualifikation. Das müsse sich schnell ändern. Die Verfahren müssen vereinfacht und die Betriebe besser über die Regelungen und der Abläufe aufgeklärt werden. Vom Fachkräftemangel sind nicht nur mittelständische Bauunternehmen betroffen. Viele Stellen werden nicht mehr qualifiziert nachbesetzt. Zwar sind Zuwanderer bei den Spitzengesprächen zwischen Bundesregierung und Bauwirtschaft als Ausweg angesehen worden, doch oftmals scheitert die Arbeitsmigration an der deutschen Bürokratie.

Hohe Bürokratie verhindert Arbeitsmigration 

Dass es mit der Arbeitsmigration schlecht bestellt ist, zeigt sich an einem Praxisbeispiel. Ein junger Mann aus Marokko wollte eine Lehre als Gleisbauer beginnen. Die Lehre sollte am 1. August starten. Die Baufirma hatte Ende Mai bei der Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung ein beschleunigtes Antragsverfahren gestellt. Von der Behörde kam jedoch ein Vierteljahr lang überhaupt keine Antwort. Es wurde nach drei Monaten lediglich bestätigt, dass der Antrag eingegangen sei. Nachdem das Unternehmen weiter nachgefragt hatte, forderte die Behörde weitere Unterlagen an. Diese lange Verzögerung hat dazu geführt, dass das Sprachzertifikat es Marokkaners abgelaufen war. Am Ende hat der Marokkaner, der zuvor seine Wohnung und seine Arbeit in seinem Heimatland gekündigt hatte, enttäuscht aufgegeben. Es könne daher nicht sein, dass die Bundesregierung in der Arbeitsmigration eine Lösung für den Fachkräftemangel sieht, aber es nicht schafft, entsprechende Strukturen zu schaffen. Folglich wird dringend Abhilfe gefordert. In mehrerer Hinsicht bedeutet das für die Unternehmen ein großes Ärgernis. Sie haben viel Geld und Zeit investiert und gehen dann leer aus. Außerdem hemmt das die Arbeitsmigration. Erschwerend kommt hinzu, dass es durch ein solches Verhalten schwieriger sein wird, ausländische Fachkräfte zu bekommen, denn das Verhalten der Behörden spricht sich herum.

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