Wohnungsbau: Neue KfW-Förderung setzt auf Umnutzung statt Neubau

Foto: seventyfourimages / envatoelements

Die Bundesregierung setzt beim Wohnungsbau auf einen neuen Ansatz: Statt weiterer Neubauten soll künftig die Umnutzung leerstehender Büro-, Gewerbe- und Industriegebäude gefördert werden. Mit dem KfW-Programm „Gewerbe zu Wohnen“ stehen ab Mitte des Jahres Zuschüsse von bis zu 30.000 Euro je Wohneinheit bereit. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe eröffnet sich damit ein wachsender Markt für Bestandssanierung, Revitalisierung und den Umbau bestehender Immobilien zu dringend benötigtem Wohnraum. 

Der Druck auf den Wohnungsmarkt bleibt hoch. Gleichzeitig stehen in vielen Städten und Regionen Büro-, Gewerbe- und Industrieimmobilien leer oder werden nur noch teilweise genutzt. Mit dem neuen KfW-Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ will die Bundesregierung nun genau dieses Potenzial erschließen. Ab Juli 2026 werden die Umwandlung und Revitalisierung bestehender Gebäude zu Wohnraum mit Zuschüssen von bis zu 30.000 Euro je Wohneinheit unterstützt. Dabei verfolgt das Förderprogramm 266 das Ziel, beheizte Nichtwohngebäude in dringend benötigten Wohnraum umzuwandeln. Gefördert werden bis zu 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Im Fokus stehen leerstehende oder untergenutzte Gewerbeobjekte, die künftig Wohnzwecken dienen sollen. Die Bundesregierung reagiert damit auf eine Entwicklung, die in vielen Städten sichtbar wird: Während Wohnraum knapp bleibt, nimmt die Zahl ungenutzter Büro- und Gewerbeflächen zu.

Bestandssanierung rückt stärker in den Fokus

Für die Bauwirtschaft markiert die neue Förderung einen bemerkenswerten Kurswechsel. Jahrzehntelang lag der Schwerpunkt der Wohnungspolitik hauptsächlich auf dem Neubau. Nun rückt der Gebäudebestand stärker in den Mittelpunkt. Das eröffnet Chancen für Unternehmen, die auf Sanierung, Revitalisierung und Umbau spezialisiert sind. Christian Baierl, Vorstand der Renaissance Immobilien und Beteiligungen AG, sieht darin einen längst überfälligen Schritt. Er erklärt: „Deutschland hat kein Flächenproblem. Deutschland hat ein Ideenproblem“, erklärt er. „Wir reißen noch immer viel zu viele Gebäude ab, obwohl in unseren Städten bereits Millionen Quadratmeter nutzbarer Gebäudesubstanz vorhanden sind. Die eigentliche Wohnungsreserve steht längst da – wir müssen sie nur neu denken.“ So gelten besonders ehemalige Fabrikgebäude und Industrieimmobilien aus Sicht vieler Projektentwickler als attraktive Grundlage für neue Wohnprojekte. Hohe Räume, robuste Bausubstanz und zentrale Standorte bieten Voraussetzungen, die im klassischen Wohnungsneubau häufig nur schwer wirtschaftlich darstellbar sind. Gleichzeitig können solche Projekte zur Aufwertung ganzer Quartiere beitragen.

Chancen für Bauunternehmen und Handwerk

Neben dem zusätzlichen Auftragsvolumen spielt auch der Nachhaltigkeitsaspekt eine wichtige Rolle. Die Umnutzung bestehender Gebäude spart erhebliche Mengen sogenannter grauer Energie, die bereits in Konstruktion und Materialien gebunden ist. Abriss dagegen setzt diese frei und Neubau verursacht zusätzliche CO2-Emissionen. Damit gewinnt die Bestandssanierung nicht nur aus wirtschaftlicher, sondern auch aus ökologischer Sicht an Bedeutung. Praxisbeispiele zeigen bereits, wie ehemalige Industrieareale zu modernen Wohnquartieren entwickelt werden können. Dabei entstehen häufig nicht nur Wohnungen, sondern auch ergänzende Nutzungen wie Gastronomie, Co-Working-Flächen oder Freizeitangebote. „Die spannendsten Wohnquartiere der Zukunft werden nicht auf der grünen Wiese entstehen“, betont Baierl. „Sie entstehen dort, wo Geschichte, Architektur und Nachhaltigkeit zusammenkommen. Eine alte Fabrik ist oft viel mehr als ein Gebäude. Sie ist ein Stück Stadtidentität.“

Neue Impulse für den Wohnungsbau

Nach Angaben des Bundes stehen für das Förderprogramm zunächst mehrere hundert Millionen Euro zur Verfügung. Voraussetzung für die Förderung ist unter anderem das Erreichen bestimmter energetischer Standards. Für Eigentümer leerstehender Gewerbeimmobilien könnte damit erstmals ein wirtschaftlich attraktiver Anreiz entstehen, Bestandsgebäude umzunutzen statt auf eine neue Nutzung zu warten. Für die Bauwirtschaft könnte die Initiative weitreichende Folgen haben. Der Umbau bestehender Gebäude dürfte künftig eine deutlich größere Rolle spielen. Christian Baierl fasst die Entwicklung so zusammen: „Die Lösung der Wohnungsfrage liegt nicht nur im Neubau. Sie liegt vor allem im intelligenten Umgang mit dem, was bereits vorhanden ist. Alte Fabriken, Bürogebäude und Gewerbeimmobilien sind keine Probleme. Sie sind die größte Wohnungsreserve Deutschlands.“

Was bremst den Wohnungsbau stärker?

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