Jeder dritte Inhaber im Mittelstand ist bereits über 60 Jahre alt und bis zum Jahr 2027 planen jährlich rund 125.000 Unternehmen eine Nachfolge. Doch oft fehlt es an geeigneten Nachfolgern, was zu Stilllegungen führen kann. Optimalerweise bleibt der Handwerksbetrieb in Familienhand, so kann das Lebenswerk fortgeführt werden. Doch hier lauert ein Konfliktpotenzial, das nicht zu unterschätzen ist. Wichtig ist, die Betriebsübergabe rechtzeitig und transparent zu planen. Mit wertvollen Tipps lässt sich die Übergangsphase dennoch reibungslos meistern.
Das Handwerk hat ein Problem: Der demografische Wandel erhöht die Zahl älterer Inhaber mit Nachfolgebedarf. Dabei ist ein Drittel bereits mindestens 60 Jahre alt. Aus diesem Grund planen durchschnittlich 125.000 mittelständische Unternehmen in Deutschland laut dem KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2023 eine Unternehmensnachfolge bis Ende des Jahres 2027. Obwohl vielerorts der Wunsch nach einer familieninternen Betriebsübergabe besteht, mangelt es oft an geeigneten Nachfolgern. Dadurch werden Betriebe am Ende im schlimmsten Fall einfach stillgelegt. Trotzdem werden dennoch sehr oft Nachfolgeregelungen getroffen oder befinden sich in Verhandlung.
Wertvolle Tipps für die Betriebsübergabe im Handwerk
Für eine reibungslose Geschäftsübergabe haben Bettina Fechner, systemische Beraterin aus Engen, und Frank Oberzaucher, Soziologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Konstanz, wertvolle Tipps. Denn dabei kommt es vor allem auf die richtige Planung an. „Bei einer Betriebsübergabe geht es gefühlt immer um alles“. betont Oberzaucher. „Umso wichtiger ist es, dass das Thema frühzeitig angegangen wird.“ Bettina Fechner ergänzt: „Mein Rat ist, grundlegendes Interesse bereits frühzeitig abzufragen – etwa das erste Mal, wenn der potenzielle Nachfolger oder die Nachfolgerin mit der Ausbildung beginnt“. Wichtig ist dabei auch, dass alle Beteiligten transparent miteinander kommunizieren. So können Missverständnisse vermieden werden.
Gute Vorbereitung auf emotionaler Ebene
Nicht nur geschäftlich, sondern auch emotional ist eine Betriebsübergabe eine große Herausforderung. Eine gute Basis für eine reibungslose und konfliktfreie Übergabe ist eine gute Beziehung zwischen den Parteien. Über Erwartungen und Wünsche sollte ehrlich gesprochen werden. Der Grundstein dafür könnte ein gemeinsamer Spaziergang sein. Wichtig ist auch die Würdigung aller Beteiligten. Hilfreich wäre ebenfalls, wenn eine neutrale Person bei den Gesprächen anwesend ist. Unverzichtbar ist dabei, dass Wünsche und Erwartungen offen ausgesprochen werden. Beide Generationen sollten den Ideen des anderen den nötigen Freiraum geben. Oftmals sind es auch verdrängte Ereignisse in der Vergangenheit, die sich auf jetzige Familienstrukturen auswirken. Sinnvoll ist gleichermaßen, wenn der Übergeber des Betriebs von seinen eigenen Erfahrungen bei der Geschäftseröffnung berichtet. Auch ein Rundgang durch den Betrieb kann dabei sehr hilfreich sein.
Konflikte bei der Betriebsübergabe im Vorfeld lösen
Bei einer Betriebsübergabe kommt es nicht selten zu Konflikten. Diese können jedoch mit den richtigen Ansätzen in eine gute Richtung gelenkt werden. Besonders wichtig ist, den anderen ausreden zu lassen. Es geht nicht um eine direkte Reaktion, sondern man muss auch verstehen, was der andere denkt. Wenn es die Situation erfordert, kann eine Beratung hilfreich sein. Diese geht nicht nur auf einzelne Personen ein, sondern betrachtet auch das soziale Umfeld und die Familiengeschichte. Die daraus entstehende innere Ruhe kann den Übergabeprozess erleichtern.
Steuerliche und rechtliche Punkte müssen beachtet werden
Eine reibungslose Betriebsübergabe erfordert laut der Handwerkskammer Konstanz aber auch eine solide steuerliche und rechtliche Basis. Hilfreich ist dabei ein Steuerberater, der die finanziellen Risiken minimiert und alle Steuervorteile nutzt. Ein Notar setzt alle Verträge rechtssicher auf. Dabei ist auch eine gute, fachliche Ausbildung im Handwerk besonders wichtig. Gleichzeitig kann es von Vorteil sein, wenn die abgebende Person auch weiterhin als Berater für eine begrenzte Zeit im Betrieb bleibt. Das gewonnene Wissen kann auf diese Weise bei einer Betriebsübergabe weitergegeben werden und der neue Inhaber bekommt dadurch mehr Sicherheit.

















