Ausbildung von Flüchtlingen nur mit Bleiberecht

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Foto: Roland Riethmüller

Besondere Situationen erfordern oftmals auch besondere Lösungen. So können Flüchtlinge beispielsweise unter Umständen den Fachkräftemangel zu einem großen Teil deutlich entschärfen. Doch damit Betriebe Asylbewerber eine Ausbildung im Baugewerbe bieten, bedarf es neben einiger Förderungen vor allem die Klärung der Frage des Bleiberechts. Die Baugewerblichen Verbände fordern darüber hinaus auch kräftige Impulse für den Wohnungsbau.

Zwar stellt der anhaltende Zustrom von Flüchtlingen Bund, Länder und Kommunen hinsichtlich ihrer Unterbringung vor große Herausforderungen. Doch bieten die vielen Menschen im gleichen Zug eine große Chance zur Lösung bestehender Probleme. „Viele unserer Betriebe suchen ebenso intensiv wie erfolglos nach Lehrlingen und Fachkräften. Sie sind daher gerne bereit, sich Asylanten und anderen Flüchtlingen zu widmen und sie mit Berufsanforderungen vertraut zu machen“, erläutert Lutz Pollmann, Hauptgeschäftsführer der Baugewerblichen Verbände (BGV). Neben der Übernahme der sozialen Verantwortung stellen sich viele Betriebe damit auch der Frage nach der eigenen Zukunftssicherung. Diese Überlegungen seien nicht abwegig, findet Pollmann, da gerade das Baugewerbe in der Vergangenheit bereits schon viel Erfahrung mit Integration gewonnen hat und stets nach dem Motto „Für uns zählt nicht, wo jemand herkommt, sondern wo er hinwill“ gehandelt hat. Für Betriebe wie Asylbewerber ist jedoch eine sichere Perspektive eines längerfristiges Aufenthaltsrechts von großer Bedeutung. „Wenn den Zuwanderern direkt nach dem Abschluss der Lehre oder auch nur in den folgenden zwei Jahren die Abschiebung droht, werden wohl deutlich weniger Betriebe diese sicher nicht ganz einfache Aufgabe übernehmen“, erklärt Pollmann. Für den langfristigen Erfolg der Ausbildung sei jedoch ebenfalls die Unterstützung der Behörden zur Vermittlung ausreichender Deutschkenntnisse, sowie teilweise auch eine psychosoziale Betreuung zur Bewältigung der Fluchterlebnisse erforderlich.

Angesichts der extremen Zuwanderungszahlen sind die ursprünglichen Prognosen über den Bedarf an Wohnraum schnell veraltet gewesen. So geht der BGV-Hauptgeschäftsführer heute bereits von einer jährlichen Nachfrage nach 400.000 Wohnungen aus. „Wir schieben ja noch ein Defizit von über einer Viertelmillion nicht gebauter Wohnungen aus den zurückliegenden Jahren vor uns her“, beschreibt Pollmann die dramatische Wohn-Situation im unteren und mittleren Preissegment und fordert ebenfalls den „Neustart“ des sozialen Wohnungsbaus. Dafür sind jedoch höhere Haushaltsmittel auf der einen und Sonderabschreibungen und eine höhere steuerliche Abschreibung nötig.

Für die schnelle Errichtung von Wohnraum für Flüchtlinge müssten nach Meinung des BGV auch einige bauliches Standards vorübergehend gelockert werden. So haben Stellplätze, Natur- und Schallschutz sowie Energieeinsparung sicher durchaus ihre Berechtigung, doch werden Neubauten in dieser aktuellen Notlage eher durch Verteuerung des Bauens behindert. „Vieles kann man ja später nachholen, wenn die Gebäude in eine reguläre Nutzung übergehen“, argumentiert Pollmann und freut sich über den bereits bestehenden parteiübergreifenden Konsens dazu.

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