Ausbildungsabbrüche verhindern – Bau setzt auf Ruheständler

Ausbildungsabbrüche verhindern - Bau setzt auf Ruheständler
Foto: Roland Riethmüller

Rund ein Viertel der Ausbildungen in Deutschland werden vorzeitig abgebrochen. Das ist die traurige Bilanz des aktuellen Berufbildungsberichts. Doch gerade die Handwerksbetriebe sind auf Nachwuchskräfte angewiesen und haben oft Schwierigkeiten, ihre Stellen nachzubesetzen. Aus diesem Grund unterstützen immer mehr Handwerkskammern die Auszubildenden, um die Quote zu reduzieren. Ein spannender Ansatz ist der Einsatz von ehemaligen Fachkräften im Ruhestand, um weitere Ausbildungsabbrüche zu verhindern.

Laut Berufsbildungsbericht 2022 wurde im Jahr 2020 mit 25,1 Prozent jede vierte Ausbildung in Deutschland vorzeitig abgebrochen. Damit ging der Anteil der Ausbildungsabbrüche an der Zahl aller begonnenen Ausbildungen im Vergleich zum Jahr 2019 um 26,9 Prozent zurück. Da viele Betriebe Stellen nur schwierig besetzen können, wiegen die Abbrüche aber oft sehr schwer. Die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald geht aus diesem Grund einen ungewöhnlichen Weg und unterstützt Auszubildende mithilfe von Fachleuten im Ruhestand, um drohende Ausbildungsabbrüche zu verhindern.

Fachkräfte im Ruhestand versuchen, Ausbildungsabbrüche zu verhindern

Die Expertinnen und Experten gehören zur Initiative „VerA – Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen“ und stammen aus verschiedenen Wirtschaftszweigen. Sie nutzen ihre Expertise und Lebenserfahrung, um die jungen Auszubildenden bei Problemen und/oder Herausforderungen zu beraten, die den beruflichen Werdegang betreffen. Bei diesen Schwierigkeiten kann es sich zum Beispiel um Prüfungen und fehlende Lernmotivation, um Sorgen und Konflikte während der Ausbildung oder private Probleme handeln. Eine immer wichtiger werdenden Aufgabe ist laut Karola Pelzer, einer Regionalkoordinatorin bei VerA, auch der Abbau von Sprachbarrieren. Im vergangenen Jahrzehnt haben die Fachleute im Ruhestand Auszubildende im Gebiet der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald rund 160-mal begleitet. Für ihre Aufgabe werden sie in einem zweitägigen Vorbereitungsseminar geschult. Zusätzlich gibt es wiederkehrende Treffen zur Weiterbildung und für einen Erfahrungsaustausch.

Zahl der Ausbildungsabbrüche erstmals seit dem Jahr 2015 rückläufig

Initiativen wie VerA sind wertvoll, denn der Anteil der Ausbildungsabbrüche an den begonnenen Ausbildungen ist in den letzten Jahren seit dem Jahr 2015 fast immer angestiegen. Erst im Jahr 2020 waren die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr erstmals wieder rückläufig. Eine mögliche Ursache dieser Tendenz sehen die Autoren des Berufsbildungsberichts in den mit großen Unsicherheiten behafteten Pandemiezeiten. Eventuell rechnen sich Jugendliche dadurch geringere Chancen auf einen Wechsel in eine andere Ausbildung aus. Zudem könnten laut dem Bericht Einschränkungen aufgrund der Pandemie dazu beigetragen haben, dass Auszubildende selbst bei Konflikten oder Unzufriedenheit eher an einem bestehenden Ausbildungsverhältnis festhalten.

Abbruchquote bei Frauen höher als bei Männern

Die Vertragslösungsquote war bei weiblichen mit 25,4 Prozent und männlichen Auszubildenden mit 24,8 Prozent im Durchschnitt des gesamten dualen Systems fast gleich hoch. In einigen Wirtschaftsbereichen zeigten sich aber größere, auf das Geschlecht bezogene Unterschiede. So hatten im Handwerk Frauen mit 35,4 Prozent im Vergleich zu Männern mit 31,1 Prozent eine deutlich höhere Auflösungsquote. Deutlich niedriger im Vergleich zu den Männern war diese Quote beispielsweise bei den weiblichen Auszubildenden im öffentlichen Dienst mit 5,7 zu 8,1 Prozent. Allgemein kann man festhalten, dass in den Ausbildungsberufen mit einem niedrigen Frauen- oder Männeranteil ist die Zahl der Ausbildungsabbrüche des jeweiligen Geschlechts meistens relativ hoch ist.

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