Baukonjunktur und Insolvenzen mit leichtem Rückgang

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Foto: Roland Riethmüller

Die Bauunternehmen in Deutschland verspüren bereits erste Anzeigen eines Abschwungs der Baukonjunktur, profitieren aber immer noch von den hohen Gewinnen aus den Jahren 2010 und 2013. Durch diese solide Basis sinken erfreulicherweise auch die Insolvenzen. Trotzdem bedrohen das weitere Wachstum vor allem der schwächelnde Öffentliche Wohnungsbau und die steigenden Immobilienpreise, mit denen die Kaufkraft nicht mithalten kann.

Die Boomjahre der Baubranche sind größtenteils vorbei. So sank das Wachstum vom durchschnittlich fünf Prozent in den Jahren zwischen 2010 und 2013 auf drei Prozent im vergangenen Jahr und liegt in diesem Jahr bei zwei Prozent. Zwar stehen viele Bauunternehmen durch den großen Aufschwung ab dem Jahr 2010 immer noch relativ gut da, doch sinkt die Zuversicht laut einer aktuellen Studie vom Kreditversicherer Euler Hermes. Dabei ist trotz steigender Baukosten die Profitabilität der deutschen Bauunternehmen stabil und der Verschuldungsgrad auf einem niedrigen Niveau. Insgesamt wird auch für diese Jahr mit einem leichten Rückgang der Insolvenzen um rund drei Prozent auf 3.900 gerechnet. „Die Baubranche verzeichnet nach dem Groß- und Einzelhandel die meisten Insolvenzen in Deutschland – bundesweit gehen fast 17 Prozent aller Pleiten auf das Konto der Bauunternehmen“, erläutert Euler Hermes-Chefökonom Ludavic Subran. Vor allem der Vergleich zu Frankreich mit fast 25 Prozent Insolvenzen in der Baubranche zeigt, dass es der deutschen Baubranche immer noch ganz gut geht.

Der Treiber der deutschen Baubranche ist nach wie vor der private Wohnungsbau. Der öffentliche Wohnungsbau ist aufgrund der zögerlichen Infrastrukturprogramme der Wachstumshemmer der Bauindustrie, wie der Risikovorstand bei Euler Hermes Thomas Krings konstatiert. „Für 2015 erwarten wir im öffentlichen Sektor gerade mal ein Plus von einem Prozent im Vergleich zu drei Prozent im privaten Wohnungsbau, der immer stärker die treibende Kraft der Branche ist.“ Doch dies war nicht immer so: Während heute die beiden Sektoren um 60 Prozentpunkte auseinander liegen, so waren Sie in 2010 noch auf gleichem Niveau. Dies liegt vor allem am demografischen Wandel mit einem verstärkten Zuzug in urbane Lebenräume. So sind die Ballungsgebiete in Deutschland in den letzten Jahren um fast zehn Prozent angewachsen. Nach derzeitigen Erwartungen liegt die jährliche Nettozuwanderung bei etwa 13 Prozent und wird durch den starken Flüchtlingszustrom den Bedarf an Wohnraum sicher noch weiter steigern.

Nach Ansicht des Euler Hermes Risikovorstands besteht aktuell ein erhöhtes Risiko für die weitere Entwicklung der Baukonjunktur durch die wachsende Kluft von verfügbarem Nettoeinkommen und den Immobilienpreisen. Laut Krings sind die Immobilienpreise in den Jahren zwischen 2007 und 2014 um fast fünf Prozent gestiegen. „Zwar erwarten wir hier im kommenden JHahr eine leichte Abflachung auf gut vier Prozent – die Kaufkraft kann aber mit im Schnitt +1,8 Prozent in den Jahren 2015/16 nicht annähernd mithalten.“

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