Viele Milliarden sind seit der Wiedervereinigung in den Bau der neuen ostdeutschen Autobahnen investiert worden. Doch an vielen Teilstücken rückt heute schon wieder schweres Gerät an. Einspurige Straßenführungen und Tempolimits mit 60 und 80 km/h gehören auf den ehemals neuwertigen Autobahnen des Projekts Einheit zur Tagesordnung. Die Beläge und der Unterbau werden auf vielen Kilometern abgefräst, um Risse im Asphalt und Fugen der Betondecken auszubessern.
Die neuen Autobahnen sind bei normalem Verschleiß auf eine Lebensdauer von 30 Jahren ausgelegt. Auf vielen Abschnitten wurde dabei Beton verwendet. Jetzt zersetzt die Alkali-Kieselsäure-Reaktion in einem chemischen Prozess die Inhaltsstoffe im Zement. Dabei entstehen kleine Risse, in die Regenwasser eindringen kann. Durch die Kräfte des Frosts wird der Beton dann im Winter regelgerecht aufgesprengt.
Der Schaden geht in die Millionen, denn der Betonkrebs frisst sich unaufhaltsam durch den Belag. Bemerkenswert ist, dass das Problem vermehrt erst nach der Gewährleistungsfrist der Straßenbauunternehmen auftritt. Dadurch muss der Schaden in der Regel vom Steuerzahlers begleichen werden.
Bekannt ist die Alkalireaktion bereits seit Mitte der 60er-Jahre. Die aus Betonstahl von 1965 bis 66 erbaute Lachswehrbrücke in Lübeck musste nur zwei Jahre später auf Grund von Betonkrebs wieder abgerissen werden. Besonders betroffen waren in den 70er-Jahren Bahnschwellen aus Beton.
Im letzten Jahr meldete das Bundesverkehrsministerium noch, dass bundesweit nur etwa 320 Autobahnkilometer mit Betonfahrbahndecker betroffen sind. Davon allerdings alleine im westdeutschen Hessen ganze 79 km auf der stark befahrenen A5. Schon wieder sanierungsbedürftig ist die A9. Trotz einer Sanierung im Jahr 2006, als die A9 auf Teilstücken zwischen München und Berlin für 2,9 Milliarden Euro erneuert worden ist.
Der so genannte Betonkrebs zerfrisst besonders die Autobahnen A9 und A14. Insgesamt sind in 2010 mehr als 300 km alleine ostdeutschen Autobahnen betroffen. In Sachsen sind 10 km der A14 zwischen Mutzschen und Leisnig in Fahrtrichtung Dresden stark geschädigt. Für die Sanierung des Teilstücks mit drei alten Brückenbauwerken sind 13 Millionen Euro eingeplant worden.
Im Vergleich zu Sachsen, wo die Fahrbahndecker auf 10 km komplett erneuert wird, versucht das Bundesland Sachsen-Anhalt noch ein wenig Zeit zu gewinnen. Der Zerfall durch Betonkrebs soll hinausgezögert werden. Die sich auf etwa 100 km Autobahnstrecke summierenden Schadstellen sollen aus Kostengründen nicht sofort komplett ausgetauscht werden. In einem Abschnitt auf der A14 zwischen den Anschlussstellen Bernburg und Könnern wurde mit unterschiedlichen Beschichtungen gegen eindringendes Wasser und Tausalz gearbeitet. Dabei gilt es in den nächsten Jahren herauszufinden, welche Zusammensetzung der Beschichtung gegen ein Fortschreiten des Betonkrebses sich als nützlich erweist. Der komplette Verfall der betroffenen Abschnitte kann man nicht ewig aufhalten. Es besteht jedoch die Hoffnung, die Lebensdauer erhöhen zu können. Auf anderen Abschnitten wird eine zusätzliche Asphaltdecke aufgebracht, um den Beton vor der Alkali-Kieselsäure-Reaktion zu schützen.

















