Eine mögliche Verschiebung der E-Rechnungspflicht sorgt in der Bauwirtschaft und im Handwerk für Diskussionen. Viele Betriebe hoffen auf mehr Zeit, um die neuen Anforderungen umzusetzen. Experten warnen jedoch davor, notwendige Investitionen aufzuschieben. Denn unabhängig vom Starttermin gilt die E-Rechnung als wichtiger Schritt zur Digitalisierung und bietet die Chance, Verwaltungsaufwand zu reduzieren und Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten.
Die Diskussion um eine mögliche Verschiebung der E-Rechnungspflicht sorgt im Handwerk und in der Bauwirtschaft weiter für Gesprächsstoff. Viele Betriebe kämpfen derzeit mit wirtschaftlichen Herausforderungen, Fachkräftemangel und wachsendem Verwaltungsaufwand. Gleichzeitig gilt die Digitalisierung von Geschäftsprozessen als entscheidender Hebel, um Kosten zu senken und Abläufe effizienter zu gestalten. Experten gehen deshalb davon aus, dass eine spätere Einführung der E-Rechnung zwar kurzfristig Entlastung bringen könnte, den grundsätzlichen Digitalisierungsdruck jedoch nicht verändert. Benno Quade, Geschäftsführer vom Bausoftwareanbieter OneQrew, bewertet die aktuelle Debatte differenziert. Einerseits zeigt er Verständnis für die Forderung nach mehr Zeit. Andererseits warnt er davor, notwendige Investitionen aufzuschieben. Seiner Einschätzung nach wird die E-Rechnung unabhängig von einer möglichen Fristverlängerung fester Bestandteil des Geschäftsalltags werden. Entscheidend sei deshalb, die verbleibende Zeit sinnvoll zu nutzen und digitale Prozesse frühzeitig auf den neuesten Stand zu bringen.
E-Rechnung bleibt ein Digitalisierungstreiber
Die Forderung nach einer möglichen Verschiebung der E-Rechnungspflicht sei nachvollziehbar, erklärt Quade. Viele Handwerksbetriebe stünden derzeit unter erheblichem wirtschaftlichem und organisatorischem Druck. Zudem gebe es aufseiten der Softwareanbieter in Teilbereichen noch unterschiedliche Interpretationen technischer Standards sowie Integrationsaufwände. „Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass eine zeitliche Verschiebung um ein weiteres Jahr die grundlegende Herausforderung nicht beseitigen wird“, so Quade. Denn aus Sicht des Softwareunternehmens geht es bei der E-Rechnung längst nicht mehr nur um die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben. Digitale Rechnungsprozesse bilden vielmehr die Grundlage für effizientere Verwaltungsabläufe, eine schnellere Buchhaltung und rechtssichere Dokumentationen. Gerade in Bauunternehmen und Handwerksbetrieben, in denen täglich zahlreiche Rechnungen, Lieferscheine und Belege verarbeitet werden, können digitale Workflows den Verwaltungsaufwand deutlich reduzieren.
Moderne Software schafft neue Möglichkeiten
Nach Angaben von OneQrew sind die technischen Voraussetzungen inzwischen weitgehend vorhanden. Moderne Handwerkersoftware könne E-Rechnungen empfangen, erstellen und in bestehende Arbeitsabläufe integrieren. Die eigentliche Herausforderung liege deshalb weniger in der Technik als vielmehr in der konsequenten Umsetzung innerhalb der Betriebe. Darüber hinaus eröffnet die Einführung moderner Softwareplattformen weitere Potenziale. Automatisierte Buchhaltungsprozesse, digitale Freigaben oder KI-gestützte Assistenzsysteme könnten Verwaltungsaufgaben beschleunigen und Mitarbeitende entlasten. Damit werde die E-Rechnung zu einem Baustein einer umfassenderen Digitalisierung.
Nicht auf eine Fristverlängerung der E-Rechnungspflicht setzen
Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe könnte sich deshalb ein frühzeitiger Umstieg auszahlen. Wer bestehende ERP- und Handwerkersoftware rechtzeitig überprüft und modernisiert, schafft nach Einschätzung von OneQrew die Voraussetzungen für effizientere Prozesse und mehr Wettbewerbsfähigkeit. „Vor diesem Hintergrund sollte die verbleibende Zeit jetzt genutzt werden, statt auf eine mögliche Fristverlängerung zu warten“, fasst Quade die Situation zusammen. „Betriebe, die frühzeitig investieren, erfüllen nicht nur regulatorische Anforderungen, sondern gewinnen an Geschwindigkeit, reduzieren Verwaltungsaufwand und verbessern ihre Servicequalität. Genau darin liegt der nachhaltige Mehrwert der Digitalisierung.“

















