Fachkräftemangel am Bau: Warum höherer Lohn keine Lösung ist

Fachkräftemangel am Bau Warum höherer Lohn keine Lösung ist
Foto: Roland Riethmüller

Der Fachkräftemangel in der Baubranche hält weiter an. Es gibt jedoch immer noch Debatten darüber, ob es wirklich einen Mangel an Fachkräften gäbe. Manche behaupten sogar, dass die Arbeitgeber einfach mehr bezahlen müssten, um freie Stellen besetzen zu können. Zahlen belegen jedoch, dass auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich ein Mangel an qualifizierten Fachkräften existiert. Außerdem gehen in diesem Jahr mehr Menschen in den Ruhestand als jüngere nachrücken.

Es existiert teilweise die Meinung, dass der Fachkräftemangel ein Märchen sei und höhere Löhne und Gehälter Abhilfe schaffen könnten. Das ist sogar die Überzeugung einiger Wirtschaftsforschungsinstitute. Doch wenn behauptet wird, dass der Mangel an Fachkräften überhaupt nicht existiere, dann ist das schlichtweg ein Irrtum. Zuletzt waren es 630.000 Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt fehlten. Das beweist die Fachkräftedatenbank des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Demnach wird deutlich, dass es in der Gesamtwirtschaft 1.339.000 offene Stellen für Fachkräfte gibt, aber nur 968.000 qualifizierte Arbeitslose. Obendrein stimmt das Angebot und die Nachfrage in manchen Regionen nicht überein.

In 2023 gehen mehr Arbeitnehmer in Rente, als jüngere nachkommen

Im Grunde genommen fehlen noch mehr Arbeitskräfte, die qualifiziert sind. Zum Beispiel kann ein Softwareentwickler nicht als Bauingenieur arbeiten oder umgekehrt. So kommt es zu diesen 630.000 fehlenden Fachkräften. Zu guter Letzt kommt noch hinzu, dass in diesem Jahr 260.000 Beschäftigte in Rente gehen und weniger junge Menschen nachrücken. Diese Tendenz ist steigend. An dieser Tatsache können auch höhere Löhne und Gehälter nichts ändern. So können weder die benötigten Qualifikationen entstehen, noch die Arbeitsbedingungen und die Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt verändert werden. Eine Umfrage des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München (ifo-Institut) hat ergeben, dass deutsche Unternehmen drei bis vier Monate nach Fachkräften suchen. Das gaben 37,5 Prozent der Personalleiter an, die das Ifo-Institut befragt hat. 25,1 Prozent konnten eine freie Stelle innerhalb von zwei Monaten mit einer Fachkraft besetzen. Rund 17,2 Prozent waren sogar innerhalb von vier Wochen erfolgreich. „Deutlich verkürzen können Unternehmen die Zeit, wenn sie sich als Arbeitgeber positionieren, der auf Vielfalt in der Belegschaft achtet“, sagt Julia Freuding aus der ifo-Niederlassung in Fürth.

Fachkräftemangel mit gezielter Stellenanzeige begegnen

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, müssen also die Unternehmen die Stellenanzeigen entsprechend formulieren. Eine gezielte Ansprache von einer Gruppe von Bewerbern ist dabei besonders wichtig. Firmen, die auf die angesprochene Vielfalt achten, besetzen ihre Stellen deutlich schneller. Das sind 47,8 Prozent innerhalb von zwei Monaten und 17,7 Prozent innerhalb von vier Wochen. „Vielfalt bei der Stellenbesetzung dient den Unternehmen immer häufiger als Mittel gegen den Fachkräftemangel„, sagte Freuding. In den letzten Jahren ist die Belegschaft bereits vielfältiger geworden. Das ist in Zeiten von Fachkräftemangel von besonderer Bedeutung.

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Der Mangel an geeigneten…

 

Der Mangel an geeigneten Arbeitskräften gilt bei vielen Baubetrieben seit einiger Zeit als der produktionsbehindernde Faktor Nummer Eins.

Bei der Behebung des Fachkräftemangels wird meist an die Gewinnung neuer Fachkräfte gedacht; es scheint jedoch mindestens genauso wichtig zu sein, die Abwanderung vorhandener Fachkräfte in andere Branchen zu vermeiden.

Gesundheitliche Gründe aus hoher Arbeitsbelastung und schlechte ökonomische Rahmenbedingungen, wie eine zu niedrige Entlohnung sind, nach einer Umfrage der SOKA-Bau, die Motive der Facharbeiter bei der meist endgültigen Abwanderung in andere Industriezweige, öffentliche Bereiche oder Handel.

https://www.baulinks.de/webplugin/2018/1521.php4

Höhere Löhne keine Lösunge

Ich war 35 Jahre Bauleiter und Oberbauleiter im Tiefbau tätig und habe meinen Kindern verboten auch auf den Bau zu gehen. Zu meiner Zeit war eine fünfzig Stunden Woche normale Arbeitszeit. Mein Verdienst war nicht üppig. Zusätzlich kamen die Hin und Rückfahrten  noch dazu und das mit einem Verdienst worüber ein Metallingenieur nur lachen kann und der hatte eine vierzig Stunden Woche.

 Die Sozialleistungen waren mager.

Vergleichen Sie das Gesamtpaket, dass zum Beispiel meine Tochter in der Metallindustrie hat. 
Diesen Artikel hat jemand geschrieben der völlig abgehoben keine Ahnung von einer Baustelle, den Fahrzeiten, der Bezahlung und dem Gesammtpaket auf dem Bau hat.

Zahle deine Leute gut, behandele sie gut und denke nicht nur an deinen eigenen Geldbeutel 

Gerne stehe ich für Fragen zur Verfügung,aber schreibt nicht so einen Scheiss.

 

M Reinhardt 

 

015203232595

Arbeitskräfte Mangel

So und jetzt mal zum klarstellen. 

Wacht doch mal auf ich geh seit 26 nur aus einem Grund arbeiten und der heißt Geld. Keine Geld kein Leben. 

Also zahlts an Anständigen Lohn sonst werdet bald mal keine Leute finden. 

Und ich würd mal akzeptieren lernen und respektieren, das Leute gibt di Nun mal nicht gern arbeiten. Und das einzige was zählt ist Geld. Ende

Arebitermangel

Ja kein Wunder wenn Leute im Büro die keine körperliche Arbeit verrichten mehr verdienen als fleißige Leute am Bau

Höhere Löhne keine Lösung?

Nein, höhere Löhne alleine sind langfristig tatsächlich keine Lösung!

Es braucht höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Wertschätzung!

Und der aktuelle Mangel ist ja nicht plötzlich entstanden. Corona und die Ukraine-Krise haben die Entwicklung nicht ausgelöst, sondern nur beschleunigt. Das keine Azubis gefunden werden oder diese nach der Ausbildung in die Industrie abwandern passiert seit Jahrzehnten. Und seit Jahrzehnten wurde darüber gejammert, anstatt wirklich etwas dagegen zu tun.

Andere Länder zahlen höhere Löhne und haben nicht diese Probleme

Als ich nach meinem Abitur meinem Vater erzählt habe, dass ich Bauingenieurwesen studieren wolle, hat er mir stark davon abgeraten. Er ist selber Bauingenieur. Ich habe es trotzdem studiert, mir den Ar…aufgerissen in Regelstudienzeit den Bachelor absolviert und mit 3 Semestern längerer Studienzeit aber sehr guten Noten dann den Master. 

Anschließend habe ich die Ernüchterung im Ingenieurbüro erlebt mit 60-80 Stundenwochen bei einer Bezahlung eines Werkzeugmachers und einer verstaubten Belegschaft, die einem immer wieder einreden musste, dass man doch überhaupt nichts in der Uni gelernt hat. Übrigens wenn man auf der Baustelle ein Praktikum gemacht hat, war man der Theoretiker, der von Praxis keine Ahnung hatte. Egal wo man hingegangen ist, nirgendwo hat man sich zugehörig gefühlt und musste meistens mehr geben als gegeben wurde. 

Das macht man dann einige Zeit als motivierter Mensch, der gerne lernt. Wenn man dann merkt, dass Wiwi-Mitmenschen Maschinenbauingenieure oder auch Juristen mit dem 2-3fachen Geld nach Hause wandern, überlegt man sich sehr schnell, dass man wahrscheinlich nicht in dieser Branche bleiben wird und es noch andere Wege gibt. 

So schön das Bauen auch ist, am Ende zählt das Gesamtpaket, wir leben nicht um zu arbeiten sondern arbeiten um zu leben. Man muss schon sehr idealistisch sein, dass man die Bedingungen in Deutschland für den Bau akzeptiert. 

 

Das Argument, dass Löhne dem Fachkräftemangel nicht entgegenwirken würden, halte ich für schwachsinnig. Natürlich wäre es kurzfristig nicht damit zu rechnen, dass sich die Zahlen plötzlich signifikant ändern, da ja tatsächlich zu wenig Bauingenieure absolvieren, allerdings bereits bei der Berufswahl von Schulabgängern würde wahrscheinlich der Bauingenieur-Beruf deutlich häufiger gewählt werden, wenn auch die Konditionen stimmen würden, davon bin ich aus tiefstem Herzen überzeugt. 

 

Wenn die Politik über Subventionen dieses Problem wirklich in den Griff bekommen wollte, würden sie dies auch tun können. Aber dafür gibt es in der Politik Null Interesse. China hat mit seinem extrem starken Wirtschaftswachstum gezeigt, wie wettbewerbsorientiert man ein Land über so eine Politik aufstellen kann. Es gibt genügend ältere, arbeitslose Bauingenieure in Deutschland, die keinen Job bekommen, weil sie den Firmen schlichtweg zu teuer sind. 

Als nächstes kommen die Inder und die Chinesen und rechnen Eure einsturzgefährdeten Wolkenkratzer, vielleicht können wir ja noch ein paar Jahre Kriege auf dem Rücken unschuldiger Ukrainer und Russen führen, dann können wir die nächsten Hoffnungsträger zu Dumping-Löhnen ausbilden und anschließend genauso ausbeuten, wie die anderen Jungs zuvor, die meckern auch nicht so, weil sie ja dankbar sind, dass sie durch deutsche Waffen nicht zerbombt wurden. 

Packt das Geld endlich in Anreizstrategien, um die Ungleichheit der branchenspezifischen Vergütungen in den Griff zu bekommen, anstatt nicht-gesunde, spekulierende Zombiebanken sinnloserweise weiter zu retten und Politikern in einem überquellenden Bundestag/Europäischen Parlament den Arsch zu pudern, die nicht im Geringsten für das Interesse des Volks arbeiten und die vor allem niemand braucht.  

Auf den Westen und den Kapitalismus!

 

Bauingenieure

Ich höre und lese immer nur von Bauingenieuren und nie das Fachkräfte sprich Handwerker fehlen. Wenn alle Ingenieur werden wollen, wer baut dann?.

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