Fachkräftemangel steigt! Baubranche entwickelt sich gegen Trend

Foto: duallogic / envatoelements

Der Fachkräftemangel entspannt sich in vielen Branchen. Doch die Bauwirtschaft bleibt die große Ausnahme. Während die Industrie weniger Engpässe meldet, steigen im Bauhauptgewerbe die Personalprobleme weiter an. Damit fehlen trotz anziehender Bautätigkeit zunehmend qualifizierte Fachkräfte. Gleichzeitig erreichen die Vakanzzeiten neue Rekordwerte. Eine aktuelle Auswertung beweist, dass ausgerechnet der Bau tiefer denn je im Engpass steckt. Das hat spürbaren Folgen für Projekte und Kapazitäten.

Ein Rückgang des Fachkräftemangels ist in vielen Teilen der deutschen Wirtschaft deutlich zu erkennen. Doch während Industrie und Dienstleistungssektor von einer spürbaren Entlastung berichten, zeigt sich im Bauhauptgewerbe das gegenteilige Bild. Die neue Auswertung des KfW-ifo-Fachkräftebarometers macht deutlich: Obwohl die Engpässe insgesamt sinken, bleibt die Bauwirtschaft in hohem Maße betroffen – und das in einer Phase, in der wieder mehr gebaut wird. So meldeten branchenübergreifend im Oktober nur noch 25,8 Prozent aller Unternehmen Einschränkungen durch fehlendes Personal. Das ist erheblich weniger als im vierten Quartal 2024, als der Anteil noch bei 31,9 Prozent lag. Die Industrie verzeichnete mit 17,1 Prozent zuletzt sogar die geringste Betroffenheit. Doch dieser Rückgang ist nicht auf eine Entspannung des Arbeitsmarkts zurückzuführen, sondern auf die anhaltende konjunkturelle Schwäche. Parallel dazu verschärft sich ein strukturelles Problem: Mit durchschnittlich 161 Tagen erreichten die Vakanzzeiten im Oktober einen neuen Höchststand. Im Jahr 2010 lag dieser Wert noch bei 56 Tagen. Das ist ein offenkundiger Hinweis darauf, wie schwierig es inzwischen geworden ist, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Bauwirtschaft bleibt Ausnahme im Gesamttrend

Während viele Branchen wegen der schwachen Nachfrage kurzfristig weniger Personal benötigen, verschärft sich die Lage im Bauhauptgewerbe dagegen weiter. 31,6 Prozent der Unternehmen melden dort produktionseinschränkende Engpässe. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den 27,3 Prozent im April. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Bautätigkeit im zweiten Halbjahr wieder angezogen hat, gleichzeitig aber die Personaldecke so dünn ist wie selten zuvor. Für die Bauwirtschaft bedeutet dies: Der Fachkräftemangel bleibt ein akutes Problem, obwohl er im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt sinkt.

Dienstleistungssektor erholt sich, Bau bleibt belastet

Auch im Dienstleistungssektor ist der Engpass weiterhin spürbar, wenn auch rückläufig. 30,2 Prozent der Betriebe berichten dort von Personalengpässen. Sogar in traditionell stark betroffenen Bereichen wie der Gastronomie ist ein deutlicher Rückgang von 40 Prozent im April auf zuletzt 26,7 Prozent zu beobachten. Damit zeigt sich, dass viele Branchen durch die aktuelle Konjunkturlage entlastet werden. Eine alleinige Ausnahme bildet jedoch die Bauwirtschaft, deren Kapazitätsprobleme sich weiter zuspitzen.

Fachkräftemangel und dauerhafte Engpässe erfordern neue Strategien

Trotz des vorübergehenden Rückgangs bleibt der Fachkräftemangel ein strukturelles Problem, das besonders die Bauwirtschaft ausbremst. Demografische Entwicklungen sorgen dafür, dass der Bedarf an qualifiziertem Personal weit über dem verfügbaren Angebot liegt. „Wir erwarten, dass die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr Fahrt aufnimmt. Dann wird sich auch der Fachkräftemangel wieder verstärken“, erklärt KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher und verweist auf die politische Verantwortung. „Es muss daher ein wichtiges politisches Ziel bleiben, die Erwerbsbeteiligung in Deutschland zu steigern und qualifizierte Zuwanderung zu ermöglichen.“ Für die Bauwirtschaft ergibt sich daraus eine doppelte Herausforderung: Einerseits droht der Engpass bei einer konjunkturellen Erholung weiter zuzunehmen, andererseits besteht bereits heute ein erheblicher Druck auf die Produktionskapazitäten. Strategische Personalgewinnung, gezielte Qualifizierung und die Öffnung für internationale Fachkräfte werden damit zu zentralen Bausteinen, um die Bauaktivität künftig überhaupt aufrechterhalten zu können.

Wie gefährlich ist der Fachkräftemangel für die Zukunft der Bauwirtschaft?

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