Während im Allgemeinen die Gleichberechtigung immer mehr an Bedeutung gewinnt, zeigt die Baubranche eine gemischte Bilanz: In den vergangenen Jahren hat sich zwar einiges getan, was den Frauenanteil am Bau betrifft. Aber das ist nach Meinung der Community Frauen in der Baubranche noch nicht genug. So bestätigt ihre aktuelle Umfrage, dass viele Unternehmen von Gleichheit reden, sie aber nicht praktizieren. Dabei ist es höchste Zeit für Veränderung und echte Gleichberechtigung.
Der Anteil der Frauen in bauhauptgewerblichen Berufen liegt bei 1,9 Prozent. Denn obwohl sich mit 14 Prozent im Baugewerbe und elf Prozent im Bauhauptgewerbe der Anteil an Frauen in der Baubranche leicht erhöht hat, werden diese immer noch benachteiligt. Das betrifft nicht nur das Gehalt, sondern auch die Bonuszahlungen. Aus diesem Grund wurde schon im Jahr 2022 eine Initiative zum gemeinsamen Austausch ins Leben gerufen. Diese Community Frauen in der Baubranche wurde von der Vermiet-Plattform Klickrent ins Leben gerufen und umfasst 380 Mitglieder.
Frauen wollen nach Kompetenz und nicht nach dem Geschlecht beurteilt werden
Anlässlich des heutigen Frauentags hat die Community eine Umfrage bei seinen Mitgliedern durchgeführt. 80 Prozent der befragten Unternehmen gaben demnach an, dass sie ihren Mitarbeiterinnen die gleichen Chancen bieten, wie den männlichen Kollegen. Die Community wünscht sich aber, dass die weiblichen Mitglieder nach Kompetenz und nicht nach Geschlecht beurteilt werden. Das betrifft insbesondere die Mitarbeitergewinnung, die noch immer auf Männer ausgerichtet ist. „Vielfalt und Gleichberechtigung müssen bewusste und aktive Bestandteile der Unternehmenskultur und Haltung eines Unternehmens sein“, fordert Anne-Laure de Noblet, Klickrent-Marketingleiterin bei Klickrent und treibende Kraft hinter der Initiative Frauen in der Baubranche. „Unternehmen müssen eine Kultur der Vielfalt fördern und Netzwerke bilden, in denen sich Frauen willkommen fühlen.“ Ein gutes Mittel seien Mentoring-Programme und Schullungen. Doch auch flexible Arbeitszeitmodelle oder ein diskriminierungsfreies Klima in den Betrieben sorgen für einen höheren Frauenanteil. „Außerdem muss die Politik die Kinderbetreuungsangebote weiter ausbauen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern“, fordert Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.
Initiative gegen Klischees und für mehr weibliche Fachkräfte
Da auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) gegen den Fachkräftemangel kämpft, wird die Integration von Frauen als ungenutzte Chance gesehen. Jutta Beeke, Vize-Präsidentin für Sozialpolitik, kritisiert die vorherrschenden Klischees, die Frauen am Bau benachteiligen. Schließlich sei die Bauindustrie längst technisiert und auf Planung ausgerichtet. Da bis zum Jahr 2030 bis zu 100.000 Fachkräfte fehlen, dürfe das Potenzial qualifizierter Frauen nicht ignoriert werden. Die Bauindustrie engagiert sich in der „Initiative Klischeefrei“, um veraltete Berufs- und Geschlechterbilder aufzubrechen. Zudem unterstützt das FrauenNetzwerk-Bau unter der Schirmherrschaft der Bundesbauministerin Klara Geywitz den Austausch und die Förderung von Frauen in der Branche. Beeke hebt hervor, dass die Bauindustrie vielfältige und zukunftsorientierte Karrieremöglichkeiten biete, besonders angesichts der Notwendigkeit, Wohnraum zu schaffen, Klimaziele zu erreichen und die Infrastruktur zu sanieren.
Benachteiligung der Frauen auch bei Bonuszahlungen
Doch trotz aller Potenziale müssen neben den allgemeinen Rahmenbedingungen auch der finanzielle Aspekt passen. Denn die Frauen in der Baubranche werden beim Gehalt und auch bei den Bonuszahlungen benachteiligt. Laut einer aktuellen ifo-Umfrage bekommen in Deutschland die Frauen in der Baubranche 6,1 Prozent weniger Bonuszahlungen als die Männer. In Österreich sind es 7,2 Prozent und in der Schweiz 5,2 Prozent weniger Bonus. „Die geschlechtsspezifische Lohnlücke bei den Bonuszahlungen ist deutlich größer als beim Grundgehalt“, erklärt ifo-Forscherin Michaela Paffenholz. „Wegen dieser großen Unterschiede fällt die Lücke beim Gesamtgehalt nochmals deutlich größer aus.“ In Deutschland betrage die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen beim Grundgehalt 2,7 Prozent.
Frauen in der Baubranche werden auch beim Generationsvertrag benachteiligt
Darüber hinaus werden Frauen in der Baubranche ebenfalls im Alter benachteiligt. Sie erhalten im Schnitt 42,6 Prozent weniger Einkünfte als Männer. „Vor allem Kinder sollten hier früh die Initiative ergreifen und ihre Mütter im Sinne des Generationenvertrags an die Hand nehmen und unterstützen“, appelliert Janine Hardi, Rechtsanwältin und Gründerin der Beratungsplattform RentePlusImmobilie. Die Deutsche Rentenversicherung veröffentlichte Zahlen zur Rente bei Frauen. Die Durchschnittsrente liegt hier bei 1.173 Euro im Monat. Das sind 400 Euro weniger als bei den Männern. „Gründe für diese Diskrepanz gibt es viele“, so Hardi. „Frauen arbeiten in der Regel nicht nur in schlechter bezahlten Berufen, sondern sie übernehmen in vielen Fällen auch noch den Großteil der Care-Arbeit. Daher arbeiten sie häufiger in Teilzeit, was stark zulasten ihrer späteren Rentenansprüche geht.“ Kinder sollten sich deshalb Gedanken um ihre Eltern machen, vor allen Dingen um die Mütter. Wenn die Altersvorsorge für die Frauen in der Baubranche nicht ausreichend ist, muss eine Altersfinanzierung her. Letztendlich betrifft dies auch das Erbe für die Kinder. Für Frauen in der Baubranche gibt es viele Möglichkeiten für die Altersvorsorge. Immobilienanlagen spielen hier auch eine wichtige Rolle. Im Alter kann die Freisetzung für immobiliengebundenes Kapital für Frauen relevant sein.


















Sehr gern würden wir Frauen ausbilden und beschäftigen – wenn sie sich denn bewerben würden. Im kaufmännischen Bereich schon, aber nicht im technischen – und schon gar nicht im handwerklichen. Die technischen und handwerklichen sind aber die Beteiche, in denen übertarifliche Boni gezahlt werden. Ansonsten gilt: die Tarifverträge gelten geschlechtsneutral.