Noch immer steht die deutsche Bauwirtschaft erheblich unter Druck. Während die allgemeine Konjunkturschwäche und der steigende Kostendruck bereits an der Substanz vieler Unternehmen nagen, geraten digitale Transformation und nachhaltige Entwicklung zunehmend ins Hintertreffen. Eine aktuelle Studie offenbart: Bürokratische Hürden, ein eklatanter Fachkräftemangel und fehlende digitale Kompetenzen gefährden die Zukunftsfähigkeit der Branche. Ein rascher Kurswechsel ist daher dringend erforderlich.
Trotz abflauender Lieferkettenprobleme bleibt die wirtschaftliche Lage in Deutschland angespannt. Laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) berichten fast 70 Prozent der befragten Unternehmen von Umsatzeinbußen und verschobenen Projekten. Der Personalmangel hat sich dabei als Dauerkrise etabliert. Acht von zehn Unternehmen bezeichnen ihn als zentrale Herausforderung, nur der wachsende Kostendruck stellt für noch mehr Betriebe ein gravierenderes Problem dar. Die Folge: Geschäftsmodelle und Organisationsstrukturen geraten auf den Prüfstand – mehr als zwei Drittel der Bauunternehmen sehen akuten Handlungsbedarf.
Digitalisierung bleibt Wunsch statt Wirklichkeit
Zwar erkennen vier von fünf Unternehmen das Potenzial von Cloud-Technologien, Simulation und Visualisierung – in der Umsetzung klaffen jedoch Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Besonders bei Anwendungen im Bereich Internet of Things (IoT) und innovativer Technologien wie Building Information Modeling (BIM) stagniert die Entwicklung. Die Schere zwischen dem, was technisch möglich wäre, und dem, was tatsächlich genutzt wird, öffnet sich weiter. Als Hoffnungsträger gilt immerhin der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI): Der Glaube an deren Nutzen ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Doch auch hier fehlt es vielerorts an Know-how und personellen Ressourcen.
ESG-Vorgaben ohne klare Regeln und Anreize
Zunehmend geraten auch die Nachhaltigkeits-Vorgaben ESG (Environment, Social und Governance, auf Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) in den Fokus – allerdings eher als Belastung denn als Chance. Drei Viertel der Unternehmen haben zwar entsprechende Ziele definiert, doch klare politische Leitlinien und stabile regulatorische Rahmenbedingungen fehlen. Nur ein Viertel der Betriebe bezieht ESG-Ziele in die Mitarbeitervergütung ein. Der fehlende gesetzliche Rahmen, etwa beim CSRD-Reporting (Corporate Sustainability Reporting Directive, auf Deutsch: Nachhaltigkeitsberichtsstandard), sorgt für Unsicherheit und lähmt Investitionen in nachhaltige Prozesse.
Bürokratie als strukturelle Wachstumsbremse
Ein breiter Konsens besteht hingegen in einem Punkt: 93 Prozent der Unternehmen fordern einen entschlossenen Abbau analoger Genehmigungsverfahren und eine digitale Erneuerung der Verwaltung. Ohne diesen Schritt wird die Bauwirtschaft ihre Produktivität kaum steigern können. Der politische Stillstand droht damit, zum Bremsklotz für eine ganze Branche zu werden – in einer Zeit, in der Schnelligkeit und Innovationsfähigkeit über die Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.

















