Lokale Bauunternehmen sind profitabler

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Foto: Roland Riethmüller

Obwohl in Auslandsmärkten die Margen niedriger sind und in Heimatmärkten größere Gewinne erzielt werden können, steigt die Internationalisierung europäischer Bauunternehmen. Gleichzeitig reduziert sich jedoch laut der Deloitte-Studie „European Powers of Construction“ aufgrund sinkender Margen auch die Diversifikation. Da auch insgesamt die Nettoverschuldung der Top-20-Baukonzerne zurückging, prognostizieren die Marktforscher ein Wachstum von 1,7 Prozent in 2014 und 2,8 Prozent in 2015.

Die Ausbreitung der Bauunternehmen in Europa und Ausdehnung der Aktivitäten jenseits des klassischen Baugeschäfts sind oftmals eine strategische Entscheidung. Doch dass diese nicht unbedingt zielführend ist, beweisen vor allem die beiden französischen Baukonzerne Vinci und Bouygues. Sie konzentrieren sich komplett auf das Baugeschäft im Heimatland und landen damit auf dem ersten und dritten Platz im Gesamtranking der umsatzstärksten Bauunternehmen Europas. Deren Profitabilität liegt zusammen mit anderen nur national operierenden Baukonzernen bei 11,6 Prozent und damit 4,6 Prozentpunkte über der durchschnittlichen Profitabilität international agierender Baukonzerne. Der Deloitte-Report erklärt dies durch eine umgekehrte Korrelation zwischen EBIT-Margen und dem Grad der Internationalisierung. Da die Margen im Baugeschäft in Auslandsmärkten niedriger sind, haben die meisten international agierenden Bauunternehmen 2013 insgesamt niedrigere EBIT-Margen erwirtschaftet. Dies lässt den Schluss zu, dass die Internationalisierung nicht unbedingt den Marktwert steigert.

Die Marktforscher der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte sehen im europäischen Ranking nach Umsatz der Baukonzerne kaum eine Veränderung zum Vorjahr. Die Top 10 führt die französische Vinci an, vor der spanischen ACS und der ebenfalls französischen Bouygues. Auf dem vierten Platz ist die deutsche Hochtief gelistet, die ebenfalls zur ACS gehört. Danach kommt die schwedische Skanska, sowie die beiden französischen Baukonzerne Effage und Colas. Auf Platz 8 folgt die österreichische Strabag vor der brittischen Balfour Beatty und der deutschen Bilfinger auf dem Platz 10. Nach Marktkapitalisierung führt ebenfalls Vinci vor der spanischen Ferroval und Bouygues. Zwar wurden von Deloitte auch einige nicht-europäische Baukonzerne betrachtet, jedoch nicht mit ins Ranking aufgenommen. Bei einer globalen Betrachtung würden drei chinesische Baukonzerne noch vor Vinci und ACS führen.

Hinsichtlich der Diversifikation steht die türkische Enka an erster Stelle. Doch auch Bilfinger verdient zu 62 Prozent an Geschäften außerhalb der traditionellen Baubranche. Seit 2010 ist insgesamt die Diversifikation jedoch durch die Krisenjahre um sechs Prozentpunkte zurück gegangen.

Um sieben Prozentpunkte gestiegen ist dagegen die Internationalisierung. Gerade Hochtief punktet hier mit 90 Prozent Auslandsgeschäft und führt damit gegenüber den europäischen Mitbewerbern. Die schwedische Skanska hat zuletzt ihre Auslandsaktivitäten durch ein wachsendes Inlandsgeschäft deutlich zurückgefahren.

Insgesamt zurückgegangen sind auch die Margen und der Nettogewinn. Zwar stiegen die reinen Baugeschäftmargen, doch die Gesamtmargen der Top 250 gingen um 20 Basispunkte auf im Schnitt 4,4 Prozent zurück. Unter den Top 20 erzielten vier Bauunternehmen Margen über fünf Prozent und weitere vier sogar einen Verlust. Der Nettogewinn aller Baukonzerne der Top 20 sank im vergangenen Jahr auf rund 1,9 Mrd. Euro, einem Rückgang um 51 Prozent. Dabei schnitt Vinci am besten ab. Acciona, ACS, FCC und Bouygues schrieben in 2013 Verluste. Die Netto-Verschuldung bei den Top 20 Baukonzernen ging seit 2011 um fünf Prozent zurück. Eine besonders geringe Verschuldung weisen Enka, Bilfinger und Strabag aus, die höchste Verschuldung leisten sich FCC und Acciona.

„Zwischen 2010 und 2013 schrumpfte die europäische Baubranche zunächst um 3,1 Prozent, wuchs im Folgejahr um 0,4 Prozent, um dann 2012 und 2013 erneut um 4 respektive 3,5 Prozent zurückzugehen“, erläutert Frank Klinger, Partner Real Estate bei Deloitte. Auch die Investitionen sind mit fast 1,3 Billionen Euro niedriger als in den 90er-Jahren. Trotzdem schätzen die Experten für die Bauunternehmen ein Wachstum von 1,7 in diesem und 2,8 Prozent im kommenden Jahr.

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