Baukonzerne Ranking in Europa

Bild zu: Baukonzerne Ranking in Europa
Foto: Ute Pelz / pixelio.de

Die Unternehmensberatung Deloitte stellte kürzlich den Report „European Powers of Construction 2010“ vor. Darin wurden die Top 50 europäischen Baukonzerne bewertet. Unter den Top 3 ist Frankreich dominierend und belegt die ersten beiden Plätze. Aber auch Deutschland hat mit drei großen Konzernen der Baubranche starke Vertreter in den Top 50, einer von ihnen sogar auf Platz drei.

Gemessen am Umsatz siegte die Firma Vinci aus Frankreich, gefolgt von der ebenfalls französischen Bouygues und der deutschen Hochtief auf Platz zwei und drei. Darüber hinaus verfügen die beiden französischen Spitzenreiter über die größte Martkapitalisierung gegenüber den anderen Platzierten.

Mit den deutschen Konzernen Hochtief auf Platz drei, Bilfinger Berger auf Platz elf und der Bauer AG auf Platz 41 ist Deutschland in den Top 50 vertreten. Dennoch sind die bedeutendsten Player, gemessen am Leistungsvolumen, in Frankreich, Spanien und Großbritannien angesiedelt. Deutschland ist hier nur auf Platz vier. Auffallend hierbei ist allerdings, dass die Konzentration innerhalb der Platzierungen sehr unterschiedlich ist. Während zum Beispiel Großbritannien ganze dreizehn Mal in den Top 50 zu finden ist, so ist Frankreich nur dreimal aufgeführt ist, dafür aber zweimal unten den beiden Spitzenplatzierungen. Das dritte Unternehmen ist auch immer noch in den Top 5 präsent.

Die zentralste Rolle für die Zukunftsfähigkeit der einzelnen Firmen ist auf jeden Fall die Diversifizierung und auch die Internationalisierung. Bezogen auf die Diversifizierung hat die Mehrzahl der Unternehmen die Wichtigkeit bereits erkannt und setzt diese auch entsprechend um. Bei der Internationalisierung liegt Hochtief vorne unter den zwanzig größten Baukonzernen, Bilfinger Berger findet sich auf dem elften Platz.

Die Gründe der zunehmenden Internationalisierung sind so vielfältig wie plausibel. Unter anderem gehört dazu der Rückgang der Leistung von 3,6 Prozent im westeuropäischen Bausektor im Jahr 2010. Alle in den Top 50 vertreten Firmen sind international auf allen Kontinenten aktiv, jedoch erwirtschaften sie hier ungefähr die Hälfte ihrer Leistung außerhalb Europas. Besonders Asien, Afrika und Südamerika spielen hier eine wichtige Rolle.

Ähnlich sieht es in der Erklärung der Diversifizierung aus. Sie macht einfach deutlich unabhängiger von den branchentypischen Zyklen. Das heißt, man konzentriert sich nicht nur auf seine Kernkompetenz, sondern ergänzt diese sinnvoll. So schafft man es, strukturelle Nachteile wie niedrige Margen und unsicheren Cashflow, auszugleichen und zu mildern.
Die große Bedeutung beider Komponenten zeigt sich besonders durch die Entwicklung des vergangenen Jahres. 2010 war ein schwieriges Jahr für die Bauindustrie. Die Folgen der Rezession konnten die Unternehmen nur durch die starke Diversifizierung und Internationalisierung entsprechend abfedern. Die wichtigsten Erfolgsparameter der Baubranche sind grenzüberschreitende Präsenz und Ausweitung auf andere Geschäftsbereiche. Die Übernahme der Aktienmehrheit von Hochtief durch die spanische ACS zeigt das eindrucksvoll und sorgt dafür, das in diesem Jahr wieder Bewegung in die Top 10 der Branche kommen wird.

Innerhalb der Top 20 europäischen Baukonzerne bilden sich die Unternehmen in vier verschieden Gruppen. In der ersten Gruppe finden sich die Firmen, die hauptsächlich in ihrem Heimatmarkt operieren. Die internationalen Erträge überschreiten hier jedoch die 40 Prozent Marke nicht. In dieser Gruppe finden sich die beiden Bestplatzierten, Vinci und Bouygues.
Die zweite Gruppe zeichnet sich durch vorwiegend internationale Aktivitäten aus. Dazu gehören die deutsche Hochtief und auch die schwedischen Unternehmen NCC und Skanska, sowie die österreichische Strabag.
In der dritten Gruppe liegt die Kernkompetenz in der Diversifizierung. Das bedeutet hier finden sich die Konzerne wieder, die sowohl heimatnah operieren als auch eine Vielzahl anderer Aktivitäten vorantreiben. Dazu gehören die spanischen ACS, Acciona und Sacyr und die türkische Enka.
Zu guter Letzt gibt es  noch die vierte Gruppe. Sie beinhaltet Firmen, die international und hoch diversifiziert agieren. Hier sind die spanischen Ferrivial und OHL zu erwähen, sowie auch Bilfinger Berger.

Fairerweise sollte aber auch erwähnt werden, dass die Ausweitung der Aktivitäten auch einen größeren Finanzierungsbedarf mit sich bringt. Dies birgt eine besondere Gefahr, wenn man in andere Geschäftsfelder als die eigenen eintritt. Das ist auch ein Grund, warum gerade Ferrovial, trotz hoher Diversifizierung, die höchste Nettoverschuldung aller Top 50 Unternehmen vorweist.

Kommentare

0 0 votes
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

Das könnte Sie auch interessieren

Messen & Kongresse 2024

Der große Meistertipp-Kalender: Messen und Kongresse 2024 für Bauindustrie, Baugewerbe, Bauhandwerk und die Bauwirtschaft.

Newsletter

Verpassen Sie nichts mehr mit unserem kostenlosen Newsletter. So werden Sie frühzeitig über anstehende Veranstaltungen informiert und bleiben immer auf dem neusten Stand.

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.