Gerade für den Norden ist es ein schwieriges Ergebnis, denn Clements Schlichterspruch ist teuer für die ländliche Region. Die von Schlichter Wolfgang Clement vorgeschlagene Lösung im Tarifkonflikt stößt bei den Arbeitgebern in Schleswig-Holstein auf Kritik. Nach dem Zweckverbund Ostdeutscher Bauverbände e.V. (ZVOB) meldet damit nun auch der Norden Kritik an: „Speziell für uns im Norden ist das ein sehr schwieriges Ergebnis, denn der Vorschlag von Herrn Clement berücksichtigt die lohnsensiblen Verhältnisse im ländlichen Raum nicht und liegt spürbar über dem, was wir in den Verhandlungen angeboten haben“, so Kai Boysen, im Vorstand des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein zuständig für Tarif-Fragen.
Zwar sei von vornherein klar gewesen, dass man dem wirtschaftlichen Aufschwung Rechnung tragen und den Beschäftigten mehr Lohn zahlen wolle. Doch dass jetzt die deutliche 5 vor dem Komma steht – und somit auch die Basis für zukünftige Verhandlungen bildet – stößt dem Baugewerbe im Norden auf. Boysen: „In unserer ländlich geprägten Region sind Umsätze und Gewinne schlichtweg nicht so hoch wie in den Ballungszentren und wirtschaftsstarken Regionen.“ Er befürchtet daher negative Auswirkungen auf die Baubranche im Norden: „Der Vorschlag schafft im Norden keine sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze. Viele Arbeitgeber werden noch mehr nicht tarifgebundene Subunternehmer einsetzen. Denn dass höhere Löhne und die Lohnzusatzkosten hierfür in Form von höheren Preisen an die Kunden weitergegeben werden können, ist in unserer hart umkämpften Branche schwierig.“
Gemessen an den Zielen, die man sich vor dieser Tarifrunde gesteckt hat, ist dieser Schlichterspruch für Boysen ein „ganz schlichter“: „Wir begrüßen, dass man grundsätzlich den Einstieg gefunden hat, die Lohnschere zwischen Ost und West zu schließen. Aber in absoluten Zahlen (ca. 6 Cent Differenz pro Arbeitsstunde) ist das so marginal, dass sich die Lohnschere (z.B. 170 ct) zwischen West und Ost auf diesem Niveau erst in Jahrzehnten schließen wird.“ Die bekannten Strukturfragen der Entgeltangleichung schon im eigenen Lager sind zum wiederholten Male nicht gelöst worden. Vorschläge, wie von Erhöhungen bei den Arbeitnehmern mehr Geld netto verbleiben kann, sind von der Gewerkschaft nicht verhandelt worden.
Scharf kritisiert er weiterhin, dass die Schere zwischen Baugewerbe und konkurrierenden Gewerken nach wie vor enorm groß ist und die IG Bau beispielsweise mit Malern, Dachdeckern sowie Garten- und Landschaftsbauern viel niedrigere Abschlüsse (Durchschnitt 2011: 2,0%) verhandelt hat als mit dem Baugewerbe (3,0% in 2011, nochmals 2,3% ab 2012) – „das ist nichts anderes als Wettbewerbsverzerrung.“

















