Bei den E-Handwerken zeigt sich aktuell eine trügerische Entwicklung beim Fachkräftebedarf. Denn die Zahl der offenen Stellen ist in letzter Zeit spürbar zurückgegangen. Bundesweit sind aktuell rund 65.000 Positionen unbesetzt, also 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Baukrise, schwacher Neubau und eine ins Stocken geratene Energiewende dämpfen die Nachfrage. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe ist das ein Warnsignal: Kurzfristige Entspannung trifft auf langfristig wachsende Risiken durch Demografie und steigende Qualifikationsanforderungen.
Der Fachkräftebedarf in den E-Handwerken geht weiter zurück. Aktuell sind bundesweit rund 65.000 Stellen unbesetzt. Das entspricht einem Minus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit bestätigt sich ein Trend, der sich bereits seit dem Jahr 2024 abzeichnet. Besonders stark betroffen sind demnach an- und ungelernte Tätigkeiten. Gleichzeitig spiegelt die Entwicklung die angespannte Lage in der Bau- und Ausbauwirtschaft wider und hat direkte Auswirkungen auf Bauunternehmen und Handwerksbetriebe entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Zahlen stammen aus der aktuellen Fachkräfteerhebung des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Bereits die Herbstkonjunkturumfrage 2025 hatte gezeigt, dass sich viele Betriebe bei Neueinstellungen deutlich zurückhalten. Während im Oktober 2023 noch 66 Prozent der Unternehmen offene Stellen meldeten, waren es zwei Jahre später nur noch 46,9 Prozent. Trotz teilweise gut gefüllter Auftragsbücher wächst die Zurückhaltung. Das liegt vor allem an den unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Baukrise bremst Fachkräftebedarf E-Handwerke
Denn der Rückgang ist eng mit der anhaltenden Schwäche im Neubau verbunden. Gleichzeitig verharrt die Sanierungsrate im Bestand trotz bester Aussichten auf einem historischen Tiefstand. Auch zentrale Zukunftsfelder wie Elektromobilität und Photovoltaik verlieren an Dynamik. ZVEH-Hauptgeschäftsführer Alexander Neuhäuser bringt die Lage auf den Punkt: „Es zeichnet sich bereits seit geraumer Zeit ab, dass unsere Betriebe trotz weiterhin recht hoher Auftragspolster zurückhaltender werden, was die Ausschreibung von offenen Stellen beziehungsweise die Einstellung neuer Mitarbeiter betrifft.“ Denn zwischen den Jahren 2021 und 2023 hatte die Hochphase der Energiewende noch für einen massiven Personalbedarf gesorgt. Damals stieg die Zahl der offenen Stellen auf fast 97.000. Davon ist die Branche aktuell weit entfernt. Besonders kritisch bewertet der Verband die politische Unsicherheit rund um energie- und klimapolitische Leitplanken.
Energiewende verliert an Tempo
„Der Neubau-Bereich schwächelt noch, die Sanierungsquote im Bestand hat ein Allzeittief erreicht, die Elektromobilität stagniert und selbst der Wachstumsmarkt ‚Photovoltaik‘ ist mittlerweile rückläufig“, erklärt Neuhäuser. „Das hat natürlich Auswirkungen auf die E-Handwerke als größtes Klimahandwerk.“ Die Folgen seien nicht nur in den Betrieben der Elektrotechnik spürbar, sondern auch für Bauunternehmen, die auf eingespielte Gewerke und verlässliche Kapazitäten angewiesen sind.
Qualifikation wird zum entscheidenden Faktor
Auffällig ist auch, dass der Rückgang vorwiegend einfache Tätigkeiten betrifft. Bei Gesellen, hochqualifizierten Fachkräften und Meistern sinkt der Bedarf deutlich weniger stark. Dahinter steckt eine strategische Neuausrichtung vieler Betriebe. „Wir beobachten, dass verstärkt auf Fachkräfte gesetzt wird, die aufgrund umfangreicher Qualifikationen möglichst flexibel einsetzbar sind, sodass der Betrieb sich schneller an die Nachfrage anpassen kann“, bestätigt Neuhäuser.
Langfristige Risiken durch Fachkräftemangel bleiben bestehen
Doch trotz des aktuellen Rückgangs warnt der ZVEH vor falschen Schlüssen. Der demografische Wandel und die fortschreitende Elektrifizierung von Gebäuden und Infrastruktur werden den Fachkräftebedarf langfristig hoch halten. „Die Themen ‚Ausbildung‘ und ‚Qualifizierung‘ angesichts einer schwächelnden Wirtschaft zu vernachlässigen, wäre absolut kontraproduktiv. Denn der Rückzug der Boomer aus dem Arbeitsleben hat ja erst begonnen.“ Für die Bauwirtschaft bedeutet das: Wer heute nicht in qualifiziertes Personal investiert, riskiert morgen massive Engpässe.

















