Steigende Baumaterialpreise – Droht ruinöser Bieterwettbewerb?

Steigende Baumaterialpreise - Droht ruinöser Bieterwettbewerb?
Foto: Roland Riethmüller

Bei vielen Bauunternehmen schrillen die Alarmglocken. Denn mit der Jahreswende stiegen die Baumaterialpreise erheblich. Der Grund dafür könnte sein, dass die Hersteller wegen stärkerer Anfrage auf dem Automobilsektor nur begrenzte Lieferkapazitäten haben. Zwar sind die Preise im vergangenen Jahr nur moderat gestiegen, doch damit scheint es nun vorbei zu sein. Die Folge ist, dass die Baufirmen oft auf den Mehrkosten sitzenbleiben.

Mit der Jahreswende stiegen in Deutschland die Preise für das Baumaterial erheblich. Besonders teuer wurde Betonstahl, dessen Preis innerhalb eines Monats um 10,2 Prozent anstieg. Doch auch Mineralölerzeugnisse legten um 10,1 Prozent zu. Auch Dämmstoffe für Fassaden sind jetzt sogar 25 Prozent teurer als noch im Dezember 2020. Für Baumaterialien wie Kanalgrundrohre oder Holz wurden ebenfalls kräftige Preiserhöhungen angekündigt. Das verteuert das Bauen in erheblichem Maße. Kurzfristige Preissteigerungen können aber nicht immer an den Kunden weitergegeben werden. „Wenn ein Bauunternehmer vor zwei Monaten für Mai einen Auftrag kalkuliert habe und jetzt die Materialpreise plötzlich durch die Decke gehen, dann trägt er das volle Risiko“, beschreibt Thomas Möller, Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg, die schwierige aktuelle Lage und verweist auf den harten Preiskampf innerhalb der Branche.

Begrenzte Lieferkapazitäten sind der Grund für die hohen Baumaterialpreise

Begrenzte Lieferkapazitäten der Hersteller wegen der höheren Nachfrage zählt als Grund für diese Preissteigerungen. Seit dem Jahr 2015 ist der Preis für Baustahl um fast 30 Prozent gestiegen. Wegen der Corona-Krise waren im vergangenen Jahr die Preise für Baumaterial lediglich moderat gestiegen. Doch mit dieser Entwicklung scheint es nun vorbei zu sein. Zwar können sich die Bauunternehmen gegen Preisschwankungen mit einer Stoffpreisgleitklausel absichern, doch ist dies nur bei lang laufenden Baumaßnahmen möglich. Außerdem ist weder eine solche Klausel im kommunalen Vergabehandbuch der Bauleistungen vorgesehen, noch ein entsprechendes Formular in den Ausschreibungsunterlagen der öffentlichen Hand vorhanden.

Bauunternehmen bleiben auf den Kosten sitzen

Die Bauunternehmen haben deshalb nur zwei Möglichkeiten. Entweder sie vereinbaren mit den Baustofflieferanten einen festen Preis, was von denen jedoch meistens abgelehnt wird. Oder sie sichern sich mit einem höheren Kostenpuffer im Angebot an den Auftraggeber ab. Diese Praxis wird jedoch von den wenigsten Unternehmern angewendet. Besonders im Straßenbau gibt es einen harten Preiskampf. In der Regel bekommt das billigste Angebot auch den Zuschlag, obwohl es nicht unbedingt das Beste ist. Hier überlegt man sich zweimal, ob kostendeckend kalkuliert werden soll, denn das Risiko besteht, hier leer auszugehen. Es darf nicht zu einem ruinösen Bieterwettbewerb führen, warnt die Bauwirtschaft. Denn das könnte wieder zu einer Insolvenzwelle führen, wie das vor Jahren schon einmal der Fall war.

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