Steigende Gefahr am Bau: Durch Asbest 1.600 Tote pro Jahr

Foto: Martin Kessel

Die offiziellen Zahlen sind alarmierend: 1.600 Asbest-Tote jährlich in Deutschland. Dabei liege Experten zufolge die Dunkelziffer weitaus höher. Denn der einst so beliebte Baustoff Asbest ist heute nur noch ein ernstes Gesundheitsrisiko, das durch die zunehmende Zahl an Sanierungen an Brisanz gewinnt. Durch diese latenten Gefahren müsse die Bauwirtschaft trotz des durchgesetzten Verbots das Risiko für ihre Beschäftigten ernst nehmen und Schutzmaßnahmen verstärken. 

Ein in der Vergangenheit weit verbreiteter Baustoff ist heute zum Synonym für tödliche Berufskrankheiten geworden: Asbest. Der einst so begehrte Baustoff ist zwar schon länger als bedenklich eingestuft und Erkrankungen sogar seit dem Jahr 1937 als Berufskrankheit anerkannt worden. Demnach führt Asbestose zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der Lungenfunktion und mindert die Lebensqualität erheblich. Hinzu kommt das erhöhte Risiko verschiedener Krebsarten. Trotzdem wurde die Verwendung von Asbest in Deutschland erst im Jahr 1993 vollständig verboten. Folglich werden hierzulande immer noch jährlich etwa 1.600 Asbesttote offiziell erfasst, doch die Dunkelziffer liegt nach Schätzungen bei rund 15.000. 

Steigende Asbest-Erkrankungen durch Altlasten

Martin Kessel, stellvertretender Vorsitzender im Fachbereich Bautechnik vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) kritisiert das Ungleichgewicht in der Risikoprävention: „Wir investieren enorm in den Brandschutz, obwohl dort vergleichsweise wenige Todesfälle zu beklagen sind, während wir die Gefahren durch Asbest, die jährlich in der EU 70.000 Menschen das Leben kosten, vernachlässigen.“ Denn entgegen der Erwartung, dass die Fallzahlen nach dem Verbot sinken würden, steigen sie weiter an. Kessel führt dies auf die Tatsache zurück, dass drei Viertel der Bauarbeiten in bestehenden, potenziell belasteten Gebäuden stattfindet. Denn trotz des Verbots bleibt die Substanz eine stille Bedrohung in vielen Gebäuden und stellt somit ein anhaltendes Gesundheitsrisiko für die Fachkräfte der Bauwirtschaft dar. 

Asbest steckt in vielen Gebäuden und ist kaum zu erkennen

Denn in unzähligen Gebäuden schlummert das Risiko weiterhin in Wänden, Böden und Isolierungen. „Oft wird angenommen, dass Asbest hauptsächlich in der Nachkriegszeit verwendet wurde, doch seine Anwendung reicht viel weiter zurück“, erklärt Kessel. Schon seit dem Jahr 1880 wurde Asbest in schätzungsweise 3.000 verschiedenen Bauprodukten verwendet. Die große Herausforderung besteht vor allem darin, dass Asbestbelastungen selten durch bloße Sichtprüfung erkennbar sind. Eine fachgerechte Probenentnahme und Analyse sind unerlässlich, wobei streng darauf geachtet werden muss, keine Fasern freizusetzen.

Bauwirtschaft muss ihre Fachkräfte schützen

Für Bauunternehmer und Handwerker bedeutet dies vor allem eines: Information und Bewusstsein. „Man muss sich informieren, die Gefahren ernst nehmen und in allen Gewerken entsprechend handeln“, mahnt Kessel. Nur durch umfassende Aufklärung, sorgfältige Untersuchung und sachgemäßen Umgang mit asbesthaltigen Materialien kann ein verantwortungsvoller Umgang mit dieser Altlast gewährleistet werden. Denn Asbest bleibt eine reale Gefahr, die nicht unterschätzt werden darf. So sei es laut Kessel auch die Pflicht der Bauwirtschaft, ihre Fachkräfte zu schützen und sicherzustellen, dass die richtigen Verfahren zur Erkennung und Handhabung von Asbest angewendet werden. Für die Fachkräfte bedeutet dies, dass sie sich nicht nur der Gefahren bewusst sein, sondern auch in der Lage sein müssen, diese zu erkennen und fachgerecht damit umzugehen. Daher kann nur durch Bildung, sorgfältige Untersuchung und professionelles Risikomanagement die Gesundheit der Arbeitskräfte geschützt werden.

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Eine der größten Gefahrenquellen für Asbest stellen alte Faserzementplatten dar die immer noch zu tausenden m² auf Dächern liegen. Die Oberflächen dieser Dächer wittern langsam ab und der Wind verteilt dann die Asbestfasern in der Umgebung – wo sie halt eingeatment werden. Das kriegt niemand mit – weil unsichtbar und geschmacklos. Aber vorhanden. Mehr als man denkt.

Die Behörde verlangt dass diese Dächer erneuert werden. Und die alten Asbestdächer entsorgt werden. Irgendwann halt. Das kostet aber viel Geld. Sehr viel Geld sogar. Und das haben nicht viele dafür übrig. Also geschieht nix.

Weil eine Sanierung ist unzulässig zumal da zuvor gewaschen werden müsste. Und beim Waschen werden all jene Asbestfasern die sonst im Lauf des Jahres auf einmal abgetragen. Anstatt diese aus dem Waschwasser zu filtern wird das Waschen von solchen Dächern verboten. Also kann der Wind weiter die Fasern verblasen. Und die Menschen in der Umgebung sterben an Lungenproblemen. Haben nie geraucht und gesund gelebt – sterben aber trotzdem. Oft wegen Asbest.

Dabei könnte man diese Fasern im Zuge einer Neubeschichtung der Dächer binden. Und zwar auf ewig. Das ist billiger als eine neues Dach – somit auch von Hauseigentümern leistbar die sonst nix machen und das Dach einfach weiter vor sich hinwittern lassen. Und das Problem für die Bewohner der Umgebung wäre gelöst. Geht aber nicht – weil verboten. Und da sind sie Behörden streng. Wer beim Waschen solcher Dächer erwischt wird – der hat nix mehr zu Lachen.

Scheinbar ist es besser wenn weiterhin viele Menschen – ohne es zu wissen – an Asbest versterben – wie der Bericht bestätigt – als dass einmal unter Einhaltung aller möglichen vorsichtmaßnahmen gewaschen wird, die im Wasser schwimmenden Asbestfasern werden herausgefiltert und vorschriftsmäßig entsorgt werden. Das Dach wird dann neu beschichtet wodurch ein weiteres verwittern für mind. 20 Jahre unterbunden wird. Die Umgebung wäre sicher und die Gefahr für eine Asbestverseuchung der Lungen eliminiert.
Geht aber nicht weil von der Behörde verboten

Wer schreibt solche Fakenews. Ohne die Gefahr vernachlässigen zu wollen aber man sollte schon echte und korrekte Zahlen verbreiten und nicht Lobbyarbeit für Sanierer und Co leisten.
Aktuelle Zahl gem. Bau BG: (Ausschnitt aus Bericht)
Asbest war 2022 die häufigste Todesursache bei den Berufskrankheiten. In den vergangenen zehn Jahren sind 3.376 Versicherte der BG BAU infolge einer asbestbedingten Berufserkrankung gestorben, im Jahr 2022 waren es 320. © fli/aerzteblatt.de

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