Die Bauwirtschaft steht bei der Digitalisierung vor einem entscheidenden Wendepunkt. Trotzdem bleibt eine konsequente Umsetzung der digitalen Transformation noch vielerorts aus. Denn eine aktuelle Studie zeigt, dass zwar viele Unternehmen bereits über digitale Grundlagen wie IT-Infrastruktur und moderne Tools verfügen. Allerdings mangelt es oft an strategischer Orientierung, Prozessautomatisierung und kulturelle Offenheit. Besonders groß ist der Abstand zwischen fortschrittlichen Dienstleistern und Händlern mit Nachholbedarf. Damit drohen große Effizienzpotenziale ungenutzt zu bleiben – mit Folgen für Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der Branche.
Zwar hat die digitale Transformation die Bauwirtschaft längst erreicht, doch von einer flächendeckenden Umsetzung kann längst noch keine Rede sein. Eine aktuelle Untersuchung des Zahlungsdienstleisters vobapay in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Trier (HS Trier) verdeutlicht, dass zwar technologische Grundlagen vorhanden sind. Aber strategische Orientierung, kulturelle Verankerung und die konsequente Umsetzung hinken vielerorts hinterher. Nach Befragung von über 100 Herstellern, Händlern und Ausführenden zeigt die neue Studie „Digitaler Reifegrad in der Bauwirtschaft“ ein facettenreiches Bild der Branche. So verfügen zahlreiche Unternehmen bereits über eine solide digitale Infrastruktur und nutzen entsprechende Tools im Alltag. Besonders auffällig ist jedoch der Unterschied zwischen Dienstleistern, die beim Einsatz von Cloud-Systemen und IT-Anwendungen Maßstäbe setzen, und Händlern, die bei Prozessautomatisierung und Effizienzsteigerung noch erheblichen Nachholbedarf haben. Zwar treiben Führungskräfte in den meisten Organisationen den Wandel verstärkt voran, doch nur sieben Prozent der Betriebe haben eine vollständige Digitalstrategie umgesetzt. Vor allem im kulturellen Bereich zeigen sich Defizite: Zwar binden 92 Prozent ihre Mitarbeiter in Projekte ein, doch nur jedes fünfte Unternehmen berichtet von echter Offenheit gegenüber Veränderungen. Damit droht die Transformation in vielen Fällen an mangelnder Akzeptanz und Veränderungsbereitschaft zu scheitern.
Potenziale der digitalen Transformation werden erkannt, doch Umsetzung bleibt lückenhaft
„Die Branche hat in den letzten Jahren wichtige Schritte gemacht – doch echte Digitalisierung endet nicht bei IT-Infrastruktur“, betont vobapay-Geschäftsführer Ralf Linden. „Es geht darum, Prozesse zu verzahnen, Kultur zu entwickeln und neue Technologien nachhaltig im Alltag zu verankern.“ Damit macht er deutlich, dass die entscheidende Hürde nicht in der Technik, sondern in der strategischen und organisatorischen Umsetzung liegt. Dabei fallen besonders die Unterschiede zwischen einzelnen Unternehmensarten ins Gewicht. Während Dienstleister auf moderne Cloud-Lösungen setzen, arbeiten viele Händler noch mit wenig automatisierten Prozessen. Nur 32 Prozent verfügen über eine funktionierende Prozessautomatisierung. Im Durchschnitt liegt der digitale Reifegrad in den Bereichen Strategie und Marketing bei lediglich 62 Prozent – ein Wert, der die vorhandenen Lücken unterstreicht.
Digitalisierung als Daueraufgabe
„Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Branche ist bereit, aber es fehlt noch an Durchgängigkeit, Orientierung und Ressourcen“, erklärt Udo Burchard, Professor an der HS Trier. „Digitalisierung muss stärker als strategische Daueraufgabe verstanden werden.“ Damit richtet er den Blick auf eine langfristige Perspektive, die Investitionen in Kompetenzen und Strukturen erforderlich macht. Dazu gehört auch das digitale Bezahlen als spezielles Feld mit erheblichem Potenzial. Zwar bieten 76 Prozent der Unternehmen inzwischen digitale Zahlungsmöglichkeiten an, doch nur ein Drittel setzt auf vollständig integrierte und automatisierte Systeme. Hier bleiben erhebliche Effizienzgewinne ungenutzt, die nicht nur den internen Aufwand reduzieren, sondern auch den gestiegenen Kundenerwartungen entsprechen würden.
Strategische Zielbilder gefragt
Der Schlüssel zum Erfolg liegt nach Einschätzung der Studienautoren in der Verbindung von klaren Zielbildern, praxisnahen Digitalstrategien und einer durchgängigen Systemintegration. Hinzu kommen gezielte Investitionen in die Qualifizierung der Mitarbeitenden sowie eine stärkere Ausrichtung an den wachsenden digitalen Anforderungen der Kundschaft. Nur wenn Technologie, Prozesse und Kultur zusammengedacht werden, kann die Bauwirtschaft die digitale Transformation konsequent nutzen und sich langfristig im Wettbewerb behaupten.

















