Großprojekte wie BER, Elbphilarmonie oder Stuttgart 21 zeigen, dass Großprojekte in der Bauwirtschaft unter Umständen zu echten Bauruinen und vor allem Geldgräbern werden können. In der Privatwirtschaft wäre dies unvorstellbar und würde jeden Bauherren restlos in den finanziellen Ruin stürzen. Doch wie schafft man es, dass solche Großprojekte von Anfang an funktionieren, ohne dass viel Geld verbrannt werden muss? Die möglichen Lösungen sind zahlreich und werden durch die kürzlich geschlossenen Empfehlungen der Reformkommission Bau von Großprojekten vielleicht auch einen neuen Weg einschlagen können.
Es steht außer Frage, dass viele Bauprojekte in Deutschland durchaus erfolgreich, effizient und wirtschaftlich umgesetzt wurden und dies auch in Zukunft so sein wird. Dennoch sind es vor allem die Großbaustellen, die scheinbar nie fertig werden und damit auch zu viel negativer Presse führen. Dass die Öffentlichkeit sich über diese Fehlprojekte echauffiert, ist wohl verständlich, immerhin sind sie durch unser aller Steuergelder finanziert. Da wünscht der Bürger sich natürlich ein verantwortungsvolleres Umgehen und Handeln.
Die Reformkommission Bau von Großprojekten hat in diesem Zusammenhang Ende Juni in ihrem Abschlussbericht einige Empfehlungen für große Infrastrukturprojekte ausgesprochen, die dabei helfen sollen, dass Großprojekte in Zukunft nicht so enden, wie beispielsweise BER. Eine der deutlichsten Forderungen dabei ist, die vertiefte Planung solcher Bauvorhaben in den Vordergrund zu rücken. Vor allem die digitale Simulierung zukünftiger Projekte steht dabei in besonderem Fokus. In diesem Zusammenhang ist es das sogenannte „Building Information Modelling“ (BIM), das verbindlich eingeführt werden soll.
Die Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein (ARGE Baurecht) begrüßt diesen Beschluss und macht sich für eine schnelle Umsetzung stark. Dr. Peter Sohn, Vorsitzender der ARGE Baurecht sagt dazu: „Wir sehen uns bestätigt. Je früher ein Bauvorhaben durch fachliche Beratung – und dazu gehört auch die Rechtsberatung – begleitet wird, desto zielführender und problemloser gestaltet sich der Bauprozess.“
Der Einsatz von BIM ist für die ARGE Baurecht ein absolutes Muss für einen langfristigen Erfolg. Daher fordert man auch detaillierte und klar definierte Rahmenbedingungen seitens der Politik, welche als gesetzliche Vorgaben umgesetzt werden sollten. Beispielsweise sollte dafür auch eine Untergrenze definiert werden, ab der dann eine Modellkalkulation durchgeführt werden sollte.
Für Sohn steht fest: „Das gilt nicht allein für die technische Abwicklung großer Bauprojekte. Wichtige Erkenntnisse werden künftig Niederschlag in den Bauverträgen finden müssen. Vertragliche Regelungen zu Überschreitung kalkulierter Bauzeiten gehören unter anderem dazu.“

















