Rente mit 67

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Foto: Barbara Eckholdt / pixelio.de

Das Renteneintrittsalter in Deutschland ist immer wieder ein heiß diskutiertes Thema. Fakt ist, dass man diese Angelegenheit keinesfalls so pauschal behandeln kann, wie die Politik es gerne tut. Selbstverständlich werden viele Menschen immer älter und könnten damit auch länger arbeiten. Dies gilt aber nicht für alle Berufstätigen und Berufsgruppen. Aus diesem Grund fordert die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) eine ehrliche Auseinandersetzung bezüglich der Rente mit 67.

Dass die Mehrheit der Bevölkerung immer älter wird, lässt sich nicht abstreiten. Dennoch gilt das nicht für alle gleich. Gerade unter den Geringverdienern oder körperlich hart arbeitenden Beschäftigten lässt sich erkennen, dass diese Entwicklung rückläufig ist. Es wäre unter diesen Umständen demnach durchaus angebracht, die Situation im Detail zu betrachten und nicht allgemein auf alle Menschen bezogen. Klaus Wiesehügel, IG BAU-Bundesvorsitzender, sagt dazu: „ Mit der pauschalen Feststellung, dass die Deutschen immer älter werden, verzerren die Bundesarbeitsministerin und die Wirtschaftsweisen die Wahrheit. Es wird hierzulande eben nicht jeder deutlich älter. Im Gegenteil: Wer lange gearbeitet und wenig verdient hat, trägt sogar ein hohes Risiko früher zu sterben.“

Der kritischen Aussage des IG BAU-Bundesvorsitzenden unterstützen auch Medienberichte aus dem Dezember 2011. Diese zeigen auf, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Geringverdienern um 2 Jahre von 77,5 Jahren (im Jahr 2001) auf nur noch 75,5 Jahre  gesunken ist. Im Osten Deutschland sind die Zahlen sogar noch massiver, hier sank die Lebenserwartung von 77,9 Jahren auf gerade einmal 74,1 Jahre. Diese Betrachtung wird derzeit überhaupt nicht in die aktuelle Entscheidung über die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre gar nicht berücksichtigt. „Nach der Logik von Ministerin Ursula von der Leyen müssten diese Menschen dann sogar noch vor 65 in Rente gehen dürfen“, so Wiesenhügel.

Ein weiteres Problem, das die IG BAU sieht und kritisiert, bezieht sich auf die Arbeitsmarktchancen älterer Arbeitnehmer. Gerade auf dem Bau ist es vielen wegen der starken körperlichen Belastung gar nicht möglich, bis zum gesetzlichen Rentenalter zu arbeiten. Meistens müssen sie wesentlich früher gesundheitsbedingt aus ihren Berufen ausscheiden. Nur die Wenigsten schaffen es heute, überhaupt bis 65 Jahren zu arbeiten. Traurige Tatsache ist, dass diesen Menschen aber auch nur wenige Alternativen in anderen Bereichen bleiben. Das heißt dann gleichzeitig, dass ihnen eine Abwärtsspirale mit Arbeitslosigkeit, Hartz IV und damit letztlich auch mit empfindlichen Rentenabschlägen droht. Das Rentenalter also noch um weitere 2 Jahre zu erhöhen wird diese Entwicklung demnach deutlich verschärften und kann nicht wirklich gewünscht sein.

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