Die Zahlungsmoral in Deutschland ist leider bekanntlich nicht die beste. So kann es schnell passieren, dass ein großer Kunde die Zahlung zurück hält oder möglicherweise grundlos kürzt. Da die Handwerksbetriebe jedoch laufende Kosten für Material und Lohn rechtzeitig leisten müssen, kommt es dann schnell zu finanziellen Engpässen.
Viele Handwerksmeister denken, die einfachste Lösung für kurzfristige Liquiditätsnöte sei der Überziehungskredit, der durch den erwarteten Zahlungseingang schnell wieder ausgeglichen ist. Doch Vorsicht: Damit verschlechtert sich automatisch das Rating bei der Bank! Selbst kurzfristige Überziehungen und die Ankündigung beim Bankberater ändern daran nichts.
Es empfiehlt sich eher, statt der Ausreizung des teuren Kontokorrentkredits lieber gleich mit dem Bankberater über einen Strategie zur kurzfristigen Überbrückung zu sprechen. Denn kurzfristige Einnahmeausfälle sind eigentlich kein Beinbruch und sagen nichts über die Finanzkraft des Handwerksbetriebs aus. Wichtig ist vor allem ein intensiver Dialog mit der Bank. Bleibt die Kommunikation und aktive Krisenbewältigung aus Scham über die finanzielle Lage aus, so kann dies negative Folgen für die grundsätzliche Bewertung des Handwerksmeisters haben und eine spätere Kreditvergabe deutlich erschweren.
In die generelle Beurteilung eines Betriebs über das Rating fließen zu 60% harte Faktoren wie der Jahresabschluss und die Monatsergebnisse ein. Die restlichen 40% machen weiche Kriterien aus wie die Persönlichkeit und Qualifikation des Inhabers auf der einen und Erfolgsaussichten und Abhängigkeiten auf der anderen Seite. Denn Risikostreuung durch viele kleine Kunden wirkt sich besser aus als die Abhängigkeit von nur wenigen Kunden.
Wer bei der Bank ohne weiteres keinen Kredit bekommt, kann sich an die Bürgschaftsbanken wenden. Sie kümmern sich um eine Bürgschaft und die Zusammenarbeit mit der Hausbank. So beginnt beispielsweise das Kreditvolumen bei der Bürgschaftsbank NRW bei 20.000 Euro, bei einem durchschnittlichen Volumen von 200.000 Euro. Rund 40% aller Bürgschaften werden von Handwerksbetrieben in Anspruch genommen. Daher bieten vielen Handwerkskammern kostenlose Krisen- und Finanzierungsberatungen in Form eines Handwerks-Check-ups an. Der Handwerksmeister kann so schnell erkennen, wie er finanziell aufgestellt ist und wie er seine Situation verbessern kann.

















