Digitalisierung am Bau stockt trotz BIM und KI-Boom

Foto: gpointstudio / envatoelements

BIM, Robotik, Künstliche Intelligenz und digitale Baustellenprozesse gelten als große Hoffnungsträger der Bauwirtschaft. Doch viele Bauunternehmen und Handwerksbetriebe kämpfen weiterhin mit fehlenden Standards, komplizierten Abläufen und unzureichender digitaler Infrastruktur. Eine aktuelle Studie zeigt, dass trotz hoher Investitionen die Digitalisierung am Bau vielerorts hinter den Erwartungen zurückbleibt. Gleichzeitig verschärfen Fachkräftemangel, Kostendruck und steigende Anforderungen den Handlungsdruck auf die Branche erheblich. 

Die Digitalisierung am Bau entwickelt sich zunehmend zur entscheidenden Zukunftsfrage für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe. Angesichts von Fachkräftemangel, steigenden Anforderungen an Bauprojekte und wachsendem Kostendruck warnen Branchenvertreter davor, die digitale Transformation weiter zu verschleppen. Eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) sieht zwar erhebliche Potenziale bei BIM, Cloud-Lösungen und Künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig bleibt die Umsetzung in der Praxis vielerorts hinter den Erwartungen zurück. Besonders mittelständische Bauunternehmen fordern nun mehr Konsequenz, klare Standards und verlässliche Rahmenbedingungen, damit Digitalisierung tatsächlich zu mehr Produktivität auf der Baustelle führt. Darin sieht die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) eine der größten Herausforderungen für die gesamte Bauwirtschaft. „Wir werden künftig am Bau mit weniger Menschen mehr leisten müssen“, prognostiziert Jürgen Faupel, stellvertretender Präsident der BVMB. „Produktivitätssteigerung ist damit keine Option, sondern eine Notwendigkeit für Baufirmen!“ Gleichzeitig zeigt die PwC-Studie „Bauindustrie 2026 – Vom Anpassungsdruck zur unternehmerischen Verantwortung“, dass digitale Technologien zwar großes Potenzial besitzen, dieses aber häufig nicht konsequent genutzt wird. Besonders die Lücke zwischen technischer Möglichkeit und praktischer Umsetzung bleibt groß.

Digitalisierung am Bau scheitert oft an fehlenden Standards

Nach Einschätzung der BVMB liegt das Problem weniger in der Investitionsbereitschaft der Unternehmen als vielmehr in der fehlenden Durchgängigkeit digitaler Prozesse. „Digitalisierung scheitert häufig nicht an der Technik, sondern an mangelnder Durchgängigkeit, unklaren Anforderungen und fehlenden Standards“, erklärt BVMB-Geschäftsführer Daniel Jonas. Viele digitale Prozesse würden im Baustellenalltag immer wieder in klassische Papier- oder Insellösungen zurückfallen. Genau dadurch gingen Effizienzgewinne verloren. Hinzu kommen hohe bürokratische Anforderungen und eine vielerorts noch unzureichende digitale Infrastruktur. Nach Einschätzung des Verbandes erschweren diese Faktoren die praktische Umsetzung erheblich. Besonders kritisch sieht die BVMB halbherzige Digitalisierungsstrategien. „Halbe oder chaotische Digitalisierung mindert die Produktivität häufig sogar stärker als gar keine Digitalisierung“, warnt Jonas. Werden Prozesse und Zuständigkeiten nicht konsequent angepasst, entstehe zusätzliche Komplexität, die häufig direkt bei einzelnen Mitarbeitern lande.

BIM, KI und Daten gewinnen an Bedeutung

Vor allem Building Information Modeling (BIM), Cloud-Anwendungen und Künstliche Intelligenz (KI) gelten laut Studie als zentrale Zukunftstechnologien der Bauwirtschaft. Voraussetzung dafür seien jedoch saubere, strukturierte und dauerhaft nutzbare Daten. „Ohne verlässliche Daten werden weder KI noch Automatisierung ihr Potenzial entfalten können“, betont Jonas. Daten müssten künftig projektübergreifend verfügbar sein und entlang der gesamten Wertschöpfungskette genutzt werden können. Gleichzeitig sieht die BVMB auch öffentliche Auftraggeber in der Verantwortung. Digitale Methoden würden in Vergabeverfahren bislang noch viel zu selten eingefordert. „Hier müssen die öffentlichen Auftraggeber ihrer Vorbildfunktion gerecht werden“, fordert Jonas. Gerade bei öffentlichen Bauprojekten könnte die konsequente Nutzung digitaler Prozesse den notwendigen Modernisierungsschub auslösen.

Bauwirtschaft fordert gemeinsames Vorgehen

Die BVMB engagiert sich deshalb gemeinsam mit Partnern aus Planung, Bauwirtschaft und öffentlicher Hand in verschiedenen Arbeitskreisen und BIM-Initiativen. Ziel sei es, digitale Prozesse besser aufeinander abzustimmen und praxistaugliche Lösungen für die Branche zu entwickeln. „Digitalisierung gelingt nur gemeinsam“, so Jonas. Entscheidend sei, „dass die Wertschöpfungspartner ihre Prozesse gegenseitig verstehen, Anforderungen und Erwartungen transparent kommunizieren und praxistaugliche Lösungen gemeinsam entwickeln.“

Warum kommt die Digitalisierung am Bau trotz BIM und KI so langsam voran?

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