Trotz Fachkräftemangel sendet die Bauwirtschaft ein starkes Signal: Die Zahl neuer Auszubildender steigt deutlich, während viele andere Branchen Nachwuchs verlieren. Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe ist das eine wichtige Chance im Kampf gegen Personalengpässe. Gleichzeitig wachsen jedoch Sorgen vor steigenden Kosten, zusätzlicher Bürokratie und politischen Belastungen. Während die Berufsausbildungsumlage seit 50 Jahren Fachkräfte sichert, warnen Verbände: Ohne wirtschaftlich stabile Betriebe geraten Arbeitsplätze und Ausbildung zunehmend unter Druck.
Die Bauwirtschaft liefert in Zeiten des Fachkräftemangels ein bemerkenswertes Signal: Während in vielen Branchen die Zahl neuer Auszubildender sinkt, wächst der Nachwuchs am Bau deutlich. Gleichzeitig warnen Verbände aus Bau und Handwerk vor wirtschaftlichen Belastungen, die Arbeits- und Ausbildungsplätze gefährden könnten. Damit treffen zwei Entwicklungen aufeinander, die für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe gleichermaßen entscheidend sind: erfolgreiche Fachkräftesicherung auf der einen Seite, steigender Druck auf Betriebe auf der anderen.
Berufsausbildungsumlage: starkes Ausbildungsmodell seit 50 Jahren
Seit 50 Jahren setzt die Bauwirtschaft dabei auf ein in Deutschland einzigartiges Modell: die solidarisch finanzierte Berufsausbildungsumlage. Alle Betriebe zahlen Beiträge ein, ausbildende Unternehmen erhalten im Gegenzug einen Großteil ihrer Ausbildungskosten erstattet. Nach Angaben der Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau) flossen allein im vergangenen Jahr 486 Millionen Euro in Ausbildungsvergütungen und überbetriebliche Bildungszentren. Das stärkt vor allem kleinere Betriebe, die viele Ausbildungsinhalte allein kaum abdecken könnten. „Betriebe mit der für die Bauwirtschaft typischen kleinen Betriebsgröße bekommen aus dem Verfahren, wenn sie ausbilden, mitunter sogar mehr Leistungen als sie Beiträge zahlen“, betont Soka-Bau-Vorstand Gerhard Mudrack. „Ausbildung rentiert sich für sie also gleich mehrfach: sowohl finanziell als auch durch gut ausgebildete Fachkräfte.“
Bau-Ausbildung wächst gegen den Trend
Besonders bemerkenswert sind die aktuellen Zahlen zum Ausbildungsmarkt. Im laufenden Ausbildungsjahr stieg die Zahl neuer Azubis in der Bauwirtschaft um rund 13 Prozent, während sie branchenübergreifend um etwa 3 Prozent zurückging. Für Bauunternehmen ist das ein wichtiger Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Personalengpässe. „Die Bauwirtschaft bietet gute Zukunftsperspektiven“, bestätigt Uwe Nostitz, Vizepräsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB), und verweist damit auf die Attraktivität der Branche. „Dazu gehören auch die Ausbildungsvergütungen, die im Vergleich zu anderen Branchen an der Spitze liegen. Außerdem erhalten alle Auszubildenden schon während der Ausbildung eine zusätzliche betriebliche Altersvorsorge, die tariflich geregelt und in dieser Form einmalig ist.“
Handwerk warnt vor Gefährdung sicherer Jobs
Parallel dazu mahnt das Handwerk mehr wirtschaftspolitische Vernunft an. Jörg Dittrich, Präsident vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), sieht sichere Arbeitsplätze als Grundlage jeder sozialen Absicherung. Seine zentrale Botschaft lautet: „Der beste Schutz von Arbeitnehmerrechten sind SICHERE Arbeitsplätze.“ Gerade Familienbetriebe kämpfen derzeit darum, Beschäftigung durch eine Phase wirtschaftlicher Stagnation zu tragen. Aus Sicht des Handwerkspräsidenten gefährden zusätzliche Lasten den Mittelstand und damit auch Ausbildungsplätze. „Geraten die Betriebe ins Wanken, geraten zwangsläufig auch die Arbeitnehmerrechte ins Wanken“, warnt Dittrich.
Was die Bauwirtschaft jetzt beachten sollten
Für Bauunternehmer und Handwerksmeister zeigt sich damit ein klares Bild: Investitionen in Ausbildung zahlen sich aus, wenn verlässliche Rahmenbedingungen bestehen. Modelle wie die Ausbildungsumlage könnten künftig noch stärker als Vorbild dienen. Gleichzeitig wächst der Druck, Kostensteigerungen, Bürokratie und zusätzliche Abgaben zu begrenzen. Denn eines wird zunehmend deutlich: Fachkräfte entstehen nicht von selbst und sichere Jobs ebenso wenig. Nur wirtschaftlich stabile Betriebe können ausbilden, wachsen und dringend benötigte Leistungen für Wohnungsbau, Infrastruktur und Energiewende stemmen.

















