Auch SPD befürwortet Meisterpflicht im Baugewerbe

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Foto: Roland Riethmüller

Im Gegensatz zu den vielen zulassungspflichtigen Gewerken im Handwerk dürfen Fliesenlegearbeiten auch ohne Meisterbrief ausgeführt werden. Dies wurde 2004 im Rahmen der Reform der Handwerksordnung festgelegt. Für die Befürworter ist es der freie Wettbewerb, für die Gegner eine Bedrohung der Fachbetriebe und Begünstigung von Scheinselbständigkeit. So beklagen viele Kritiker Pfusch am Bau als Ärgernis für Bauherren und Verbraucher. Daher mehren sich die Stimmen zur Wiedereinführung der Meisterpflicht.

Doch der Landes- und Fraktionsvorsitzende der hessischen SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, warnte jüngst anlässlich eines Meinungsaustauschs mit Vertretern des Fliesenlegerhandwerks im Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen.: „Unverbindliche Absichtserklärungen helfen dem Handwerk nicht weiter. Wir müssen konkret prüfen, ob eine Wiedereinführung der Meisterpflicht europarechtlich tatsächlich möglich ist“, erklärt Schäfer-Gümbel vor Vertretern des Fliesenlegerhandwerks. An diesem Gespräch nahm auch Günter Marksteiner (Landesfachgruppenleiter für das Fliesenlegerhandwerk im Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen), Jürgen Kullmann (Stellv. Bundesvorsitzender des Fachverbandes Fliesen und Naturstein im Zentralverband Deutsches Baugewerbe – ZDB) und Gerhard Citrich als Gewerkschaftsvertreter der IG Bauen-Agrar-Umwelt teil.

Spürbare Reduzierung bei den Ausbildungszahlen

Marksteiner und Kullmann erklärten, dass man sich von der Abschaffung der Meisterpflicht einen Beschäftigungswachstum versprochen hätte, der jedoch nicht eingetreten sei. Eher das genaue Gegenteil sei eingetreten. So gingen die Ausbildungszahlen von 3.029 Auszubildenden im Jahr 2004 auf 2.209 Auszubildende im Jahr 2015 zurück. Ein Rückgang ist auch bei den Meisterprüfungen zu verzeichnen. Hier liegt der Prozentsatz der gesunkenen Meisterprüfungen bei 73 Prozent. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass die bestandenen Meisterprüfungen von 423 auf 114 zurückgegangen ist.

Zuwachs von Scheinselbstständigkeit und Schwarzarbeit

Das Endergebnis ist ebenfalls, dass auf den Baustellen häufig Beschäftigte beschäftigt werden, die keine Qualifikation besitzen. Das betrifft sowohl die Scheinselbstständigen, aber auch die vielen Schwarzarbeiter. Für den Verbraucher bedeutet dies Pfusch am Bau, was gleichzeitig mit Mehrkosten verbunden ist.

SPD spricht sich nicht gegen Wiedereinführung der Meisterpflicht aus

Schäfer-Gümbel hat zugesichert, die Möglichkeiten für die Umsetzung der Wiedereinführung des Meisterbrief europarechtlich mit seinen sozialdemokratischen Kollegen in Brüssel und der EU-Kommission zu prüfen. “Wenn wir eine rechtlich wasserdichte Lösung hinbekommen, werden Verbesserungen für das Handwerk sicher nicht an meiner Partei scheitern“, erklärt der SPD-Politiker.

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