Die Baubranche leidet unter schwacher Baukonjunktur und steigenden Kosten. Die Lage ist besorgniserregend, denn die Baugenehmigungen sind noch immer auf einem sehr niedrigen Niveau. Bezahlbarer Wohnraum ist weiterhin eine große Herausforderung. Experten fordern daher dringende Reformen: Bürokratieabbau, stabile Förderprogramme und eine Mehrwertsteuersenkung könnten den Wohnungsbau wiederbeleben. Angesichts der bevorstehenden Wahlen richtet sich der Blick auf die Politik, die nun dringend aktiv werden muss.
Laut den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes für November 2024 ist die Baukonjunktur weiter sehr schwach. „Die Baugenehmigungen bleiben weiterhin auf einem besorgniserregend niedrigen Niveau„, erklärt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), „Mit nur 17.891 genehmigten Wohneinheiten sind Anzeichen für eine erkennbare Nachfragewende am Wohnungsbau weiter ausgeblieben.“ Nicht nur die Baukosten, die hohen Zinsen und die strengen Bauvorgaben wirken sich negativ aus. Vielmehr sind es auch die politischen Rahmenbedingungen, weshalb die Baugenehmigungen im Wohnungsbau nicht so recht in Fahrt kommen. „Dies war ein Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat um 13,0 Prozent“, bestätigt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB). „Damit setzt sich die negative Entwicklung fort.“
Wohnungsbau stärken: Bürokratieabbau und Mittelstandsstrategien gefordert
Müller prognostiziert, dass auch im Jahr 2025 die Baukosten kaum sinken werden. Die Bürokratie und Regulatorik bremsen immer noch den Wohnungsbau in weiten Teilen aus. Um den Wohnungsbau anzukurbeln, bedarf es laut Müller einer verlässlichen Förderkulisse. Eine Mehrwertsteuersenkung für den Wohnungsbau könnte dabei ebenfalls hilfreich sein. Angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl fordert auch der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen (VbU Hessen) eine umfangreiche Strategie für den Mittelstand. „Wir brauchen einen Wechsel des politischen Fokus“, so VbU-Präsident Thomas Reimann. „Der Mittelstand darf nicht mehr als selbstverständlich wahrgenommen werden, denn er ist die stabilisierende und verlässlichste Säule der deutschen Wirtschaft.“ Die neue Regierung müsse ihre Wirtschaftspolitik neu ausrichten. Dazu gehöre auch eine Mehrwertsteuersenkung für den Wohnungsbau. Deshalb fordert der Verband tiefgreifende Reformen.
Wohnungspolitik im Fokus: Maßnahmen statt populistischer Wahlgeschenke
Im Vorfeld auf die anstehenden Bürgerschaftswahlen in Hamburg und auf die Bundestagswahl steht die Wohnungspolitik im Zentrum der Debatte. Anstatt auf populistische Wahlgeschenke zu setzen, sollten politische Maßnahmen getroffen werden. „Es ist offensichtlich, dass Bauen in der aktuellen Marktlage weiterhin zu teuer ist“, warnt Anika Schönfeldt-Schulz, Vorsitzende des Immobilienverband IVD Nord. „Deswegen ist die Zahl der Baugenehmigungen nicht ausschlaggebend, sondern es kommt darauf an, wie viele Wohnungen auch tatsächlich gebaut werden.“ Eine Mehrwertsteuersenkung wäre auch laut Schönfeldt-Schulz ein schneller Hebel, um die Lage am Wohnungsmarkt zu verbessern. So könnte eine Mehrwertsteuersenkung von 19 auf sieben Prozent für Wohnimmobilien das Bauen wieder attraktiver machen. Zudem entlastet eine Mehrwertsteuersenkung nicht nur die Bauherren, sondern auch die Mieter.

















