Nach schwierigen Jahren mehren sich in der Bauwirtschaft die Anzeichen einer vorsichtigen Erholung. Die Zahl der Baugenehmigungen steigt wieder und insbesondere im Wohnungsbau zeigen sich erste positive Entwicklungen. Gleichzeitig bleibt die Lage widersprüchlich: Während Hersteller von Baustoffen und Bauprodukten deutlich optimistischer in die Zukunft blicken, verschlechtert sich das Geschäftsklima im Wohnungsbau spürbar. Hohe Finanzierungskosten, steigende Materialpreise und anhaltende Unsicherheiten belasten weiterhin Investitionen und neue Bauprojekte.
Steigende Baugenehmigungen sorgen in der Bauwirtschaft derzeit für erste Hoffnungssignale. So wurden im März 2026 bundesweit 21.800 Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Plus von 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Gleichzeitig zeichnen aktuelle Umfragen jedoch ein widersprüchliches Bild: Während das Geschäftsklima im Wohnungsbau deutlich einbricht und Unsicherheiten zunehmen, blicken Hersteller von Baustoffen und Installationsprodukten überraschend optimistisch auf die kommenden Monate. Die zentrale Frage für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe lautet damit, ob es sich um den Beginn einer nachhaltigen Erholung handelt oder lediglich um positive Einzelindikatoren in einem weiterhin angespannten Markt? Denn der positive Trend bei den Genehmigungen setzt sich bereits seit mehreren Monaten fort. Von Januar bis März wurden rund 63.500 Wohnungen genehmigt, rund 14,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Vor allem der Neubau von Mehrfamilienhäusern entwickelt sich derzeit besser. Doch gleichzeitig verschlechtert sich die Stimmung in der Branche deutlich. Laut aktuellen Konjunkturdaten sind insbesondere die Erwartungen der Unternehmen eingebrochen. Genehmigungen allein reichen offenbar nicht aus, um daraus automatisch neue Baustellen und fertige Wohnungen entstehen zu lassen.
Steigende Baugenehmigungen, aber noch keine Entwarnung
Trotz steigender Zahlen sehen Branchenvertreter keinen Anlass für Euphorie. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), bewertet die Entwicklung zwar positiv, mahnt aber zugleich zur Vorsicht: „Im März genehmigten die Behörden den Bau von 21 800 Wohnungen, 11,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Genehmigungszahlen steigen weiter, das ist ein ermutigendes Signal. Der Positivtrend des vergangenen Jahres setzt sich fort.“ Gleichzeitig macht er deutlich, dass die derzeitigen Werte noch weit vom tatsächlichen Bedarf entfernt liegen. „Wir warnen aber ausdrücklich davor, in Euphorie zu verfallen. Wenn wir den Bedarf im Land decken wollen, mussten mindestens 10.000 Genehmigungen zusätzlich reinkommen – und das pro Monat“, so Pakleppa.
Unsicherheit belastet Investitionen und Neubauprojekte im Wohnungsbau
Die Sorge vieler Marktakteure richtet sich zunehmend auf wirtschaftliche und geopolitische Risiken. Hohe Finanzierungskosten, steigende Materialpreise sowie lange Genehmigungs- und Planungsprozesse bremsen weiterhin zahlreiche Projekte aus. „Die aktuellen ifo-Zahlen zeigen sehr deutlich: Eine Baugenehmigung bedeutet noch lange keinen Baustart“, erklärt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, und sieht darin eine entscheidende Hürde. „Viele Unternehmen und Investoren halten sich trotz vorhandener Genehmigungen weiterhin zurück, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu unsicher bleiben.“ Das bestätigt auch die Bauindustrie und sieht neue Risiken am Horizont. „Die Auswirkungen des Iran-Krieges und die daraus folgenden Unsicherheiten hinsichtlich der künftigen Entwicklung der Finanzierungskosten und Preissteigerungen bei Baumaterialien zeichnen sich bereits deutlich ab“, warnt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB).
Baustoffhersteller setzen auf Erholung der Baukonjunktur
Trotz der eingetrübten Stimmung im Wohnungsbau zeigt sich an anderer Stelle ein deutlich anderes Bild. Aktuelle Umfragen des Marktforschungsinstituts BauInfoConsult deuten darauf hin, dass Hersteller von Bau- und Installationsprodukten deutlich optimistischer in die Zukunft blicken. Fast zwei Drittel rechnen für das laufende Jahr 2026 mit steigenden Umsätzen, während nur ein kleiner Teil Rückgänge erwartet. Besonders positiv werden Entwicklungen in Bereichen wie Heizungs- und Lüftungstechnik, Baustoffen sowie Werkzeug- und Ausrüstungssegmenten eingeschätzt. Damit entsteht ein ungewöhnliches Bild: Während auf Baustellen und im Wohnungsbau weiterhin Zurückhaltung herrscht, rechnen Teile der Zulieferindustrie bereits mit einer spürbaren Erholung. Ob daraus tatsächlich neue Aufträge und mehr Bauaktivität entstehen, dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden.

















