Trotz anhaltend schwacher Baukonjunktur bleiben Wohnungsbau, Infrastrukturprojekte und energetische Sanierungen zentrale Wachstumstreiber der kommenden Jahre. Eine neue Branchenstudie zeigt, welche Entwicklungen bis zum Jahr 2035 über die Marktchancen von Bauunternehmen und Handwerksbetrieben entscheiden. Besonders Digitalisierung, neue Bau- und Sanierungsmethoden sowie flexible Geschäftsmodelle werden darüber bestimmen, welche Betriebe ihre Auslastung sichern und sich im zunehmenden Wettbewerb erfolgreich behaupten können.
Die Bauwirtschaft steht vor einer doppelten Herausforderung: Der Bedarf an neuen Wohnungen, moderner Infrastruktur und energetischer Sanierung bleibt unterbrochen. Dabei kämpft die Baubranche gleichzeitig mit schwacher Baukonjunktur, steigenden Kosten und zunehmendem Fachkräftemangel. Eine aktuelle Untersuchung des Marktforschungsinstituts BauInfoConsult zeigt, welche Entwicklungen bis zum Jahr 2035 prägend werden und wo Bauunternehmen sowie Handwerksbetriebe künftig ihre Marktchancen sichern können. Klar wird: Ohne strukturelle Veränderungen und technologische Modernisierung wird es für viele Betriebe schwierig, im Wettbewerb zu bestehen. Denn besonders die Kombination aus alternder Belegschaft, stockender Produktivität und wachsenden Anforderungen an nachhaltiges Bauen erhöht den Handlungsdruck. Gleichzeitig eröffnet der Umbau der Branche neue Geschäftsfelder. Digitale Prozesse, ressourcenschonende Bauweisen und neue Kooperationsmodelle gewinnen an Bedeutung. Entscheidend wird sein, ob es den Betrieben gelingt, neue Arbeitsweisen in ihre Organisation zu integrieren und dadurch effizienter zu werden. Grundlage der Analyse ist die Studie „Megatrends am Bau 2035“, die auf umfangreichen Markterhebungen und Experteneinschätzungen basiert.
Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung bestimmen den Markt
Ein zentraler Trend ist die stärkere Nutzung von Materialien aus dem Gebäudebestand. Rückbau, Wiederverwertung und modulare Bauweisen helfen als zirkuläre Bauweise nicht nur beim Erreichen von Klimazielen, sondern reduzieren auch Abhängigkeiten von Rohstoffmärkten. Für Bauunternehmen bedeutet das neue Aufgabenfelder: vom selektiven Rückbau bis zur Integration recycelter Baustoffe in neue Projekte. Parallel dazu verändert die Digitalisierung die Baustellenorganisation. Digitale Planung, vernetzte Logistik und automatisierte Verwaltungsprozesse werden künftig Standard sein. Experten erwarten, dass modellbasierte Planung und KI-gestützte Abläufe Personalengpässe teilweise ausgleichen können. Gerade kleinere Betriebe profitieren von schlankeren Strukturen, wenn sie ihre Prozesse konsequent digitalisieren und sich in kooperative Netzwerke einbinden.
Konzentration, Fachkräfte und neue Geschäftsmodelle
Gleichzeitig dürfte sich die Unternehmenslandschaft spürbar verändern. Branchenbeobachter rechnen damit, dass zahlreiche kleinere Firmen vom Markt verschwinden oder sich zu größeren Einheiten zusammenschließen. Für verbleibende Betriebe entsteht dadurch jedoch Raum, sich als regionale Spezialisten oder Systempartner in seriellen Bau- und Sanierungsprojekten zu positionieren. Als Schlüsselstrategie gilt die Diversifizierung: Unternehmen, die neben klassischen Bauleistungen zusätzliche Dienstleistungen oder spezialisierte Lösungen anbieten, verbessern deutlich ihre Marktchancen. Während große Konzerne verstärkt auf modulare Komplettlösungen setzen, können mittelständische Betriebe mit regionaler Präsenz, flexiblen Teams und handwerklicher Kompetenz punkten. Demzufolge entscheiden die kommenden Jahre darüber, welche Unternehmen sich erfolgreich neu ausrichten und welche Marktanteile verlieren. Klar ist: Der Wandel am Bau wird sich beschleunigen und eröffnet jenen Betrieben Chancen, die frühzeitig auf neue Bauweisen, Digitalisierung und Kooperation setzen.


















„Du änderst die Dinge nie, indem du gegen die bestehende Realität ankämpfst.
Um etwas zu ändern, baue ein neues Modell, das das bestehende Modell obsolet macht.“
(Buckminster Fuller)
Darauf haben die Konsultanten von McKinsey in ihrer Studie:
„Infrastruktur & Wohnen – Deutsche Ausbauziele in Gefahr“ (2/2018) bereits hingewiesen.
Dort heißt es:
Die Regierungen in Bund und Länder haben sich für den Wohnungsbau in Deutschland ambitionierte Ziele gesetzt, die aber in der vorgesehenen Zeit nicht ohne grundlegende Änderungen zu erreichen sind. Insbesondere im Hinblick auf die Kapazitätsgrenzen der Baubetriebe, den Arbeitskräftemangel und die Bauzeitfenster, muss die Steigerung der operativen Leistungsfähigkeit der Bauwirtschaft in Deutschland durch Anstieg der Produktivität erfolgen.
Deshalb schlagen die vor:
„Zunächst kann die private Bauwirtschaft unmittelbar signifikante Produktivitätssteigerungen durch breitere Anwendung von seriellem Bauen und Lean Construction erreichen.“
„Einige bewährte Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung durch Lean Construction umfassen die optimale Verteilung von Ressourcen und Equipment (Critical-Chain-Projektplanung), sowie die Minimierung der benötigten Materialien für einzelne Aufgaben.
Bei der Critical-Chain-Projektplanung geht es um die optimale Planung aller voneinander abhängigen Schritte, die für die Projektfertigstellung abgeschlossen werden müssen. Bei der optimalen Verteilung von Ressourcen und Equipment wird der Ablauf von Aktivitäten so geplant, dass Verbrauch und Aktivitätsdauer minimiert werden. Zudem werden die
benötigten Ressourcen für Prozessschritte und Aufgaben auf dem kritischen Pfad zur Projektfertigstellung auf ein Minimum reduziert.“
https://www.mckinsey.de/news/presse/infrastruktur-und-wohnen-deutsche-ausbauziele-in-gefahr