Bauwirtschaft kritisiert schärfere Aufzeichnungspflichten

Bauwirtschaft kritisiert schärfere Aufzeichnungspflichten
Foto: Roland Riethmüller

Ein aktueller Referentenentwurf sieht vor, dass in Zukunft die Dokumentation der Arbeitszeit in der Bauwirtschaft elektronisch und manipulationssicher erfasst werden soll. Diese Aufzeichnungspflichten bedeuten mehr Bürokratie und Mehrkosten für die Betriebe, da mobile Erfassungsgeräte beschafft werden müssten. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass jede Baustelle mit Erfassungsgeräten ausgestattet werden müsste. Die Bauwirtschaft protestiert, das sei nicht zumutbar.

Es dürfe keine verschärften Dokumentationspflichten bei der Arbeitszeit geben, fordert die Bauwirtschaft. Hintergrund ist ein kürzlich in Berlin bekannt gewordener Referentenentwurf, der vorsieht, dass die Arbeitszeit manipulationssicher und unverzüglich dokumentiert werden solle. „Wir lehnen die im Referentenentwurf zu Änderungen im Bereich der geringfügigen Beschäftigung enthaltene neue Pflicht zur unverzüglichen elektronischen Dokumentation der Arbeitszeit für die Beschäftigten auf deutschen Baustellen ab”, betont Marcus Nachbauer, der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft. “Die Regelung ist für mobil eingesetzte Arbeiter auf Baustellen oder bei Arbeiten in privaten Haushalten in großen Teilen nicht praktikabel.“

Bauwirtschaft kritisiert hohe Kosten und bürokratischen Aufwand

Demnach kämen nur zwei Möglichkeiten nach dem heutigen Stand der Technik infrage. Das wären zum einen fest installierte Zeiterfassungsterminals oder zum anderen mobile Zeiterfassungsgeräte, die die Arbeitgeber beschaffen müssten. Beide Lösungen seien nicht zweckmäßig, weil der Kosten- und Verwaltungsaufwand zu hoch sei. Die meisten Beschäftigten würden direkt vom Wohnort auf die Baustelle kommen. Das würde bedeuten, dass jede Baustelle, ob groß oder klein, mit Geräten zur Dokumentation der Arbeitszeit ausgestattet werden müssten, um den Aufzeichnungspflichten gerecht zu werden. Für Großbaustellen wäre dies möglich, aber auf Kleinbaustellen nicht machbar. Denn bei vielen Baustellen handelt es sich um Tagesbaustellen oder Privathaushalte. In den 370.000 Mitgliedsbetrieben arbeiten rund 3,4 Millionen Menschen. Die Kostenbelastung für diese Dokumentation der Arbeitszeit würden bei mehreren hundert Millionen Euro liegen. Das kann nicht sein, beschwert sich die Bauwirtschaft.

Dachdeckerhandwerk hält verschärfte Aufzeichnungspflichten ebenfalls für unzumutbar

Auch das Dachdeckerhandwerk positioniert sich klar gegen diese geplante Verschärfung. „Wer eine solche Forderung aufstellt, kennt die Arbeitsweise am Bau nicht”, kritisiert Dirk Bollwerk als Präsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). “Die Regelung ist für mobil eingesetzte Dachdecker und Dachdeckerinnen auf Baustellen oder bei Arbeiten in privaten Haushalten nicht wirklich umzusetzen.“ Dabei betont er, dass Dachdeckerarbeiten an ständig wechselnden Orten ausgeführt und dass die Arbeiten auch in Privathaushalten gemacht werden. Außerdem würde das die Bürokratie und die Kosten für die Betriebe erhöhen. Zusätzlich müssten diese auch noch die mobilen Endgeräte beschaffen, betonte Bollwerk weiter.

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