Während sich der Tiefbau bereits erholt, bleibt der Neubau vieler Bereiche der Bauwirtschaft schwach. Hoffnungsträger ist der Bestandsbau, doch laut einer Blitzumfrage droht auch hier ein Dämpfer. Zwar sind Milliardeninvestitionen in die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden geplant, doch unsichere Förderprogramme und fehlende Planungssicherheit bremsen den Start vieler Projekte aus. Experten warnen vor weiteren Verzögerungen und fordern klare Vorgaben, um Investitionen und Aufträge für Bau- und Ausbaugewerbe anzustoßen.
Die jüngste Blitzbefragung der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) unter führenden Vertretern der Immobilienbranche macht deutlich, wie sehr politische Unsicherheiten die Investitionsbereitschaft im Gebäudesektor belasten. Zwar sind umfangreiche Sanierungsmaßnahmen zur energetischen Modernisierung von Bestandsgebäuden geplant, doch unklare gesetzliche Vorgaben und wechselnde Förderprogramme drohen die Umsetzung entscheidend zu verzögern. Experten warnen, dass der dringend benötigte Aufschwung im Baugewerbe dadurch ins Stocken geraten könnte. Denn trotz eines deutlich erkennbaren Investitionswillens bleibt die Zurückhaltung groß. Mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen gaben an, dass die derzeitige politische Lage ihre Investitionsbereitschaft „stark“ oder „eher stark“ hemmt. Dabei sind es nicht nur die hohen Anforderungen der Klimapolitik, sondern vor allem fehlende Planungssicherheit und komplexe Verfahren, die zu langen Vorlaufzeiten und letztlich zur Verschiebung oder Streichung von Projekten führen. Die Branche sieht in klaren und langfristig verlässlichen Rahmenbedingungen den entscheidenden Schlüssel, um privates Kapital freizusetzen und die Transformation des Gebäudebestands voranzutreiben.
Fehlende Planungssicherheit gefährdet Investitionen in energetische Sanierung
„Diese Signale aus der Branche sind für uns eindeutig: Die Musik spielt im Bestand„, betont Henning Ellermann, geschäftsführender Vorstand der Deneff, die Dringlichkeit. „Hier liegt der größte Hebel. Dafür wurden in den letzten Jahren machbare Fahrpläne erstellt.“ So mach Ellermann deutlich, dass laut den Befragungsergebnissen konkrete Projekte in der Regel einen Planungszeitraum von mindestens ein bis zwei Jahren benötigen. Gleichzeitig würden sie jedoch sehr schnell gestoppt oder auf Eis gelegt, wenn die Rahmenbedingungen unsicher seien. Wenn in dieser Legislaturperiode noch umfangreich privates Kapital für die Umsetzung mobilisiert werden solle, müsse die Bundesregierung jetzt für Planungssicherheit sorgen und so den Weg für nachhaltige Investitionen freimachen.
Experten fordern einheitliche Standards
Auch der Immobilienexperte Thomas Beyerle, Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule Biberach, warnt vor einer Blockade der Energiewende im Gebäudesektor. „Die Marktforschung zeigt das Dilemma: Einerseits besteht große Bereitschaft, energetische Sanierungen anzugehen, andererseits droht man im Dickicht von Zuständigkeiten, Fördertöpfen, Standards und teils unrealistischen Kalkulationen zu scheitern. Gefordert sind daher ein klarer definitorischer Rahmen, verlässliche Standards – idealerweise auf Bundesebene – und nachvollziehbare Vorher/Nachher-Kalkulationen.“ Beyerle betont außerdem, dass die eigentliche Umsetzung anschließend vom Markt getragen werden könne. Das Potenzial sei nach seiner Einschätzung enorm, die Akteure warteten nur noch auf ein klares Startsignal.
Konjunktureller Aufschwung nur mit klaren Vorgaben
Die energetische Sanierung des Gebäudebestands trägt bereits heute mit etwa 2,5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Mit eindeutigen Zielen und vereinfachten Förderverfahren könnte dieser Anteil deutlich steigen. Bleibt die notwendige Planungssicherheit jedoch aus, droht die wirtschaftliche Erholung im Bauwesen zu scheitern, bevor sie richtig begonnen hat.

















