Fliesenleger fordern die Meisterpflicht zurück

Bild zu: Fliesenleger fordern die Meisterpflicht zurück
Foto: Roland Riethmüller

Die bereits vor einigen Jahren abgeschaffte Meisterpflicht für Fliesenleger sollte eigentlich dem Gewerk einen finanziellen Aufschwung geben. Doch das Gegenteil ist eingetreten: Die Zahl der Mängel ist gestiegen und die Ausbildungszahlen sinken dramatisch. Scheinselbständigkeit und Dumpingpreise beherrschen die Branche. Um die Qualität zu steigern, fordert die Fliesenleger die Wiedereinführung der Meisterpflicht.

Der Vorsitzende des Fachverbandes Fliesen und Naturstein Karl-Hans Körner und der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG Bauen-Agrar-Umwelt, Dietmar Schäfers, fordern in einem gemeinsamen Brief an die im Bundestag vertretenen Parteien die Wiedereinführung der Meisterpflicht. Grund hierfür ist, dass die Qualität der Arbeiten deutlich abgesunken ist. Eine hochwertige Handwerksleistung sei demnach nur mit einem entsprechenden Fachpersonal möglich. Die daraus resultierenden Mängel hätten bei der Kundschaft zu einem herben finanziellen Verlust geführt, weil die Arbeiten nicht fachgerecht ausgeführt wurden.

27 Prozent weniger Ausbildungen zum Fliesenleger

Bereits 2003/2004 wurde die Handwerksordnung reformiert. Von Seiten der Politik erhoffte man sich einen Wachstumsschub, der zu mehr Beschäftigung führen sollte. Der Effekt war allerdings nicht so positiv, wie man sich das gewünscht hatte. Nach der Aufhebung der Meisterpflicht stieg zwar die Zahl der Betriebe von 12.401 (2004) auf 71.142 (2015), das jedoch zu Lasten der Qualität. Bei den Ausbildungszahlen kam es zu einem deutlichen Einbruch um minus 27 Prozent. Das führte zu einem Abfall der Meisterprüfungen, denn es gab nur noch 114 bestandene Prüfungen, das macht einen Abfall um 73 Prozent aus.

Mit der Meisterpflicht gegen Scheinselbständigkeit und Dumpingpreise

Die Scheinselbstständigkeit ist ein großes Problem, denn oftmals handelt es sich bei den Betrieben lediglich um Ein-Mann-Betriebe. Deren Dumpingpreise haben dafür gesorgt, dass alt-eingesessene Meisterbetriebe nicht mehr wettbewerbsfähig waren und vom Markt verschwunden sind. Um wieder eine Wettbewerbsgleichheit herzustellen, fordern Schäfers und Körner eine bessere soziale Absicherung der Solo-Selbstständigen durch eine Ausweitung der Rentenversicherungspflicht.

Es werden gut ausgebildete Fachkräfte gebraucht

Nur eine gute Ausbildung der Fachkräfte kann einen hohen Qualitätsstandard bei den Fliesenleger garantieren. Schließlich will der Verbraucher für sein schwer verdientes Geld eine fachgerechte Arbeit erhalten. Es gibt aber auf lange Sicht gesehen nur dann ein entsprechendes Angebot, wenn die Meisterpflicht wieder eingeführt wird. Erst dann könnte die einst so berühmte gute deutsche Handwerksqualität im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk zurückkehren. Bleibt es aber bei diesem Stand von heute, werden noch mehr alteingesessene Handwerksbetriebe vom Markt verschwinden. Das darf nicht das Ziel sein. Es ist durchaus möglich, auch ohne Meisterpflicht eine Meisterprüfung abzulegen, um sich so vom Billigsegment deutlich abzuheben und sich als Innungsmitglied von der Konkurrenz abzuheben.

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen?

Dann melden Sie sich doch gleich an zum kostenlosen E-Mail-Newsletter und lassen sich über weitere Neuigkeiten wöchentlich informieren!

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

Das könnte Sie auch interessieren

Messen & Kongresse 2024

Der große Meistertipp-Kalender: Messen und Kongresse 2024 für Bauindustrie, Baugewerbe, Bauhandwerk und die Bauwirtschaft.

Newsletter

Verpassen Sie nichts mehr mit unserem kostenlosen Newsletter. So werden Sie frühzeitig über anstehende Veranstaltungen informiert und bleiben immer auf dem neusten Stand.

Hinweis: Sie können den Newsletter von meistertipp.de jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.