Handwerk braucht Nachwuchs und Meisterbonus

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Foto: Roland Riethmüller

Beim kürzlich stattgefundenen Baden-Württembergischen Handwerkstages (BWHT) wurde eine für das Handwerk durchaus positive Bilanz gezogen. Dennoch kritisiert man immer noch die nicht ausreichenden Rahmenbedingungen im Handwerk und fordert nach wie vor die Einführung eines Meisterbonus. Für die Vertreter des Handwerks ist klar, dass noch mehr in die Nachwuchsgewinnung investiert werden muss, um das Handwerk langfristig zu stärken und vor allem zu sichern.

Auf der Jahrespressekonferenz des BWHT war die grundlegende Bilanz für das Handwerk durchweg gut, denn das Jahr 2012 war für alle erfolgreich. Auch wenn damit natürlich die Aussichten für das laufende Jahr 2013 positiv sind, so bereiten einige Themen immer noch Kopfzerbrechen. Dazu gehören der Mangel an Lehrlingen, die nicht guten Rahmenbedingungen sowie die Planungsunsicherheit im Handwerk und vor allem die Einführung eines Meisterbonus.

Es ist ganz klar, dass es dem deutschen Handwerk trotz der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise immer noch gut geht. So haben die Handwerksbetriebe im vergangenen Jahr 2012 einen Umsatz von gut 80 Milliarden Euro erwirtschaftet. Damit haben sie das Ergebnis aus dem Jahr 2011 gerade einmal um 2 Milliarden unterboten. Hierbei macht es aber durchaus einen großen Unterschied in welchem Segment der Handwerksbetrieb tätig ist. Während die konsumnahen Handwerke ihre Umsätze halten oder erhöhen konnten, mussten Baubetriebe und gewerbliche Zulieferer Einbußen hinnehmen.

Gerade die Baubetriebe sind es aber, die derzeit am optimistischsten in das Jahr 2013 blicken. Denn während sie zu Beginn des Jahres 2013 unter dem langen und harten Witter leiden mussten, sind sie derzeit diejenigen, die die vollsten Auftragsbücher vorweisen können. Insgesamt erwartet der Handwerkstag ein leichtes nominales Umsatzwachstum von 0,5 Prozent.

Bei all der Euphorie über die unbestritten gute Lage, muss aber auch erwähnt sein, dass noch viel Verbesserungspotenzial gegeben ist. So muss insbesondere am Fachkräftemangel und den aktuellen Rahmenbedingungen gearbeitet werden, damit Betriebe ihre Planungssicherheit bekommen können.

Hinsichtlich der Rahmenbedingungen stellen vor allem die steigenden Energiekosten und Steuererhöhungen für Unternehmen ein Ärgernis im Handwerk dar. Hierbei ist die Politik gefordert, sich für den Mittelstand stark zu machen und nicht, wie es einige Parteien planen, diesen noch zusätzlich zu schwächen. Nur durch finanzielle Planbarkeit ist es Betrieben möglich, Investitionen voranzutreiben.

Solche Investitionen wären auch Lehrlinge, sofern es dann genügend gäbe. Dabei käme man auch schon zum nächsten Sorgenkind des Handwerks – der Fachkräftemangel. Nicht nur, dass zu wenige Schulabgänger nachkommen, diese entscheiden sich immer öfter für ein Studium anstatt für eine duale Berufsausbildung. Auch die hohen Abbruchquoten tragen nicht zur Fachkräftesicherung bei. Die Zahlen machen deutlich, dass für das aktuelle Ausbildungsjahr erneut 2,9 Prozent weniger Ausbildungsverträge geschlossen wurden. Bereits im Jahr 2012 waren es schon 5,5 Prozent weniger gegenüber dem Jahr 2011. Diese Zahlen sind wirklich alarmierend und müssen ernst genommen werden. Fehlender Nachwuchs ist langfristig leider auch mit Betriebsschließungen verbunden. Denn wo kein Nachwuchs ist, können Betriebe auch nicht übernommen werden.

In diesem Zusammenhang sei auch einmal mehr der Meisterbonus zu erwähnen. Würde man Absolventen der Meisterprüfung einen finanziellen Anreiz bieten, würden sich wohl noch wesentlich mehr Gesellinnen und Gesellen für diesen Weg entscheiden. Bayern hat dies erkannt und führt einen solchen Meisterbonus zum 1. September 2013 ein. Damit erhalten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Meisterprüfung oder einer gleichwertigen öffentlich-rechtlichen Fortbildungsprüfung eine Anerkennung von 1.000 Euro vom Freistaat. Würde dies flächendeckend umgesetzt werden, wäre auch das ein weiterer Schritt hin zu mehr Nachwuchs im Handwerk.

Die Betriebe können bei diesen Maßnahmen allein nicht viel erreichen. Es bedarf vielmehr der Unterstützung durch die Politik die richtigen Aktionen auf den Weg zu bringen, um den Standort Deutschland zu sichern.

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