KfW 55 kehrt zurück: Hoffnung für Wohnungsbau oder Strohfeuer?

Foto: Roland Riethmüller

Mit dem neuen EH55-Plus-Programm will die Bundesregierung das unter dem Namen KfW 55 bekannte Förderinstrument wieder an den Start bringen. Das soll den Wohnungsbau schnell beleben und den Bauüberhang abbauen. Dabei sollen KfW-Kredite mit bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit und ein Fördertopf von insgesamt 800 Millionen Euro baureife Projekte aktivieren. Doch die Branche ist gespalten: Während Hoffnung auf neue Aufträge wächst, sorgen Zinshöhe und Förderlogik für deutliche Kritik.

Der Neustart des von vielen als KfW 55 Förderung bekannten Programms als EH55-Plus Programm soll den Wohnungsbau aus der Krise holen und einen Teil des massiven Bauüberhangs aktivieren. Mit zinsverbilligten KfW-Krediten und einem Fördervolumen von 800 Millionen Euro setzt die Bundesregierung auf einen kurzfristigen Impuls für baureife Projekte. Doch während Politik und Teile der Bauwirtschaft auf eine schnelle Belebung hoffen, mehren sich kritische Stimmen: Zinshöhe, Förderlogik und klimapolitische Wirkung stehen auf dem Prüfstand. Denn seit gestern können Neubauten und Ersterwerbe im Effizienzhaus-55-Standard mit 100 Prozent erneuerbarer Wärme gefördert werden. Je Wohneinheit sind bis zu 100.000 Euro Kredit möglich, bei Zinssätzen von rund 1,94 Prozent für zehn Jahre Laufzeit beziehungsweise 2,84 Prozent bei 35 Jahren Laufzeit. Bundesbauministerin Verena Hubertz spricht von einem klaren Signal an die Branche: „Papier ist geduldig, wir sind es nicht. Noch in diesem Jahr startet deshalb unsere Unterstützung für baureife Projekte.“ Ziel sei es, Projekte nach der Genehmigung endlich in die Umsetzung zu bringen und damit Wohnraum zu schaffen, der „nicht nur klimafreundlicher, sondern auch bezahlbarer ist“.

Zinssätze bei der neuen EH55-Plus-Förderung als wirtschaftliche Hürde

Aus Sicht der sozial orientierten Wohnungswirtschaft bleibt genau dieser Punkt fraglich. Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen begrüßt zwar den Förderstart, hält die Konditionen jedoch für unzureichend. „Der Start der EH55-Förderung ist absolut richtig und wichtig, um die Stagnation im Wohnungsbau zu bekämpfen – der Zinssatz bleibt jedoch hinter unseren Erwartungen zurück“, erklärt GdW-Präsident Axel Gedaschko. Bei den aktuellen Zinsen seien Neubaumieten von rund 17 Euro pro Quadratmeter zu erwarten, was bezahlbaren Wohnraum deutlich erschwere.

Impuls für Wohnungsbau mit Bauüberhang und Holzbau

Positive Effekte sieht dagegen die Deutsche Säge- und Holzindustrie (DeSH). Sie wertet die Wiederaktivierung als kurzfristiges Mittel, um genehmigte Projekte anzuschieben und den Bauüberhang von rund 760.000 Wohnungen zu reduzieren. „Die Bundesregierung hat die drohenden Folgen einer Verschärfung der Baukrise erkannt und will mit der Reaktivierung der EH-55-Plus-Förderung nun kurzfristig durch Umsetzung bereits genehmigter Projekte gegensteuern“, bestätigt DeSH-Geschäftsführerin Julia Möbus. Besonders der Holzbau könne durch hohe Vorfertigung und kurze Bauzeiten profitieren.

Kritik an Klimawirkung und Förderlogik

Deutlich schärfer fällt die Kritik des Deutschen Energieberater-Netzwerks (DEN) aus. Der Verband bemängelt, dass der EH55-Plus-Standard kaum über das gesetzliche Mindestniveau hinausgehe und damit nur begrenzte Klimawirkung entfalte. „Hier werden weder Anreize zum klimafreundlichen Bauen gesetzt, noch eine weitsichtige Fördersystematik zur Reduktion der CO2-Emissionen realisiert“, kritisiert DEN-Vorstand Jutta Betz. Zudem drohe der Fördertopf schnell ausgeschöpft zu sein, ohne den Bauüberhang spürbar abzubauen. Unterm Strich zeigt sich: Die EH55-Plus-Förderung setzt einen wichtigen Startschuss, reicht allein aber nicht aus, um Wohnungsbau, Bauunternehmen und Handwerk nachhaltig zu stabilisieren. Zinshöhe, Planungssicherheit und eine klarere Ausrichtung auf Klimawirkung bleiben zentrale Stellschrauben für die kommenden Monate.

Ist die EH55-Plus-Förderung ein echter Impuls für den Wohnungsbau?

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Kritik an die Klimawirkung ist nicht berechtigt. Es werden keine fossilen Brennstoffe mehr zugelassen, sodass die Gebäude klimafreundlich mit Strom geheizt werden. Die Mehrkosten zum EH40-Standard stehen nicht im Verhältnis zu der Einsparung. Zudem ist die Montage einer PV-Anlage in den meisten Bundesländern sowie schon vorgeschrieben.

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