Deutschland will die Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 erreichen, wird dieses Ziel aber nach jetzigem Stand deutlich verfehlen. Denn dafür müsste die Produktivität in der Bauausführung erhöht werden und die Regularien radikal abgebaut werden. Hinzu kommt, dass es an Fachpersonal fehlt, um klimaneutraler Gebäudebestand in die Realität umzusetzen. Neue Geschäftsmodelle müssen geschaffen werden. Erreicht werden könnte dies durch vorgefertigte Module.
Die Europäische Union hat das Ziel, bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität zu schaffen. Deutschland will dieses Ziel bereits bis zum Jahr 2045 erreichen, doch das lässt sich kaum realisieren. Denn um den CO2-Ausstoß zu verringern, müsste die Wärmeerzeugung auf Wärmepumpen anstelle von konventionellen, mit fossilen Brennstoffen betriebenen Heizungen umgestellt werden. Außerdem könne vor allem durch eine zusätzliche Dämmung der Gebäudehülle der Energiebedarf gesenkt werden, bestätigt die aktuelle Studie „Klimaneutralität erst 2075+?“ der Unternehmensberatung S&B Strategy. Deutschland will daher beide Ziele erreichen, doch ohne eine umfassende Sanierung ist ein klimaneutraler Gebäudebestand nicht möglich. „In Europa und vor allem in Deutschland gehen wir einen Sonderweg, denn wir fokussieren uns nicht nur auf die Elektrifizierung der Wärmeerzeugung und die CO2-Reduktion der Stromerzeugung, sondern zusätzlich noch auf die Reduktion des Energiebedarfs durch den Einsatz von Dämmungen“, erklärt Christoph Blepp, geschäftsführender Gesellschafter bei S&B Strategy. Diese zweigleisige Sanierungsstrategie für den gesamten sanierungsbedürftigen Gebäudebestand in Deutschland würde Investitionskosten in Höhe von 1.200 Milliarden Euro erfordern.
Klimaneutraler Gebäudebestand – die Produktivität muss gesteigert werden
Um diese gewaltige Aufgabe zu erfüllen, müsste zusätzlich im Bausektor die Produktivität deutlich gesteigert werden. Das kann nur durch die Schaffung neuer Geschäftsmodelle, modulare Fertigung und Vorkonfektionierung erreicht werden. Nur so können die geleisteten Projekte pro Handwerker gesteigert und der Sanierungsprozess optimiert werden. Aktuell sei die Sanierungsquote noch viel zu niedrig, um Klimaneutralität zu erreichen. Zirka 15,7 Millionen Wohngebäude wurden seit ihrer Entstehung entweder gar nicht oder nur teilweise saniert. Allein durch die energetische Sanierung der Gebäudekomponenten Fassade, Dach, Fenster und Heizung können jedoch rund zwei Drittel des CO2-Einsparpotenzials realisiert werden. Doch dazu fehlt einfach das Personal. Das Handwerk kann folglich nicht den Bedarf decken, den es zur Klimaneutralität bräuchte.
Fachkräftemangel macht die Sanierung aller Gebäude zu einer utopischen Aufgabe
Daher haben Berechnungen ergeben, dass es noch 100 Jahre dauern würde, bis alle Fassaden in Deutschland energetisch saniert seien. Es bleibt also nur, die Produktivität zu steigern, um das Output pro Handwerker zu erhöhen. Dafür müssten allerdings Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an einem Strang ziehen. Oftmals sind es die regulatorischen Hürden, die die Klimaneutralität ausbremsen. Ein klimaneutraler Gebäudebestand lässt sich so nicht ohne weiteres erreichen.

















