Lehm statt Beton: Wie die Baubranche die CO2-Wende schafft!

Foto: coffeekai / envatoelements

Die Baubranche steht vor einer grünen Revolution, weil sie derzeit noch zu den größten Umweltverschmutzern gehört. So entstehen heute noch viele Treibhausgase alleine bei der Zementherstellung. Doch es gibt eine Alternative und das ist Lehm. Im Vergleich zu Beton setzt dieser Baustoff weniger CO2 frei. Aber trotz seiner unbegrenzten Verfügbarkeit und Recyclingfähigkeit ist Lehm jedoch mit Herausforderungen in Bezug auf Stabilität und Standardisierung konfrontiert.

Eigentlich gehört Bauen zu den größten Umweltsünden der heutigen Zeit. Denn alleine durch die Zementherstellung werden rund sieben Prozent der Treibhausgasemissionen produziert. Forscher der Schweizer Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt für Industrie, Bauwesen und Gewerbe (Empa) haben sich daher zum Ziel gesetzt, diese Emissionen zu senken. Nun sind sie ihrem Vorhaben ein Stück näher gekommen. Denn zurzeit wird das Potenzial von Lehm als Baustoff untersucht. Im Vergleich zu Beton setzt Lehm weniger CO2 frei. Er steht unbegrenzt zur Verfügung, ist wiederverwertbar und lässt sich gut verarbeiten.

Hinter dem Baustoff Lehm steckt ein riesiges Potenzial

Diese Beton-Alternative hat ein gewaltiges Potenzial. Der Baustoff kann zwar Beton nicht überall ersetzen, aber es gibt eine Vielzahl von Konstruktionen, wo dieser Baustoff eingesetzt werden könnte. Ideal wäre er für den Wohnbau. Gegossene Erde kann so in einer Verschalung verwendet werden oder man benutzt ihn in Form von vorgefertigten Bausteinen. Die Lehmziegel haben eine bessere Energiebilanz als gebrannte Backsteine. Ein wahres Wundermittel ist Lehm trotzdem nicht. Obwohl bereits seit mehr als 10.000 Jahren damit gebaut wird und der Baustoff damit zu den ursprünglichsten Baumaterialien der Menschheit gehört, ist die erdige Paste schwer zu bändigen. Das liegt daran, dass dieses Material weltweit in seiner Zusammensetzung unterschiedlich ist. Das erschwert eine standardisierte Herstellung. Hinzu kommt, dass dem Lehm herkömmlicher Zement zugefügt wird, um die Stabilität und Haltbarkeit zu verbessern. Die Forscherin Ellina Bernard arbeitet gemeinsamt mit ihrem Team an Lösungsmöglichkeiten.

Magnesiumoxid – Die sanfte Kraft

Die Verwandlung der schlammigen Paste aus Erde und Wasser ist geheimnisvoll. Damit dieses Rätsel entschlüsselt werden kann, taucht die Forscherin tief in die Materie ein. Chemische Verbindungen halten Zement zusammen. Bei Lehm ist das nicht der Fall. Deshalb ist der Baustoff nicht so stabil wie Beton. Die Forscherin bekommt jedoch Unterstützung durch den Geologen Raphael Kuhn. Dieser hat eine Dissertation über Lehm-Zusatzstoffe veröffentlicht. Magnesiumoxid ist vielversprechend. Wird das Material entsprechend nachhaltig gewonnen, hat es eine enorm gute Klimabilanz. In ersten Experimenten im Labor konnten bereits Erfolge verbucht werden.

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In Deutschland gibt es den Dachverband Lehm, der dafür Sorge trägt das Lehm richtig hergestellt wird, bzw verarbeitet wird. Inzwischen haben
Wir Lehmverarbeiter es geschafft einige DIN auf den Weg zubringen.
Lasttragende Lehmstein zum Beispiel oder die ganzen Putze werden alle nach
DIN hergestellt

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