Mehr Digitalisierung und KI: Bauunternehmen müssen umdenken

Foto: Roland Riethmüller

Viele Bauunternehmen hoffen weiterhin auf wirtschaftspolitische Impulse aus Berlin, doch genau davor warnen Branchenkenner. Statt auf staatliche Unterstützung zu warten, müssten Betriebe ihre Wettbewerbsfähigkeit selbst stärken. Vor allem Digitalisierung, KI und effizientere Abläufe bieten enormes Potenzial. Doch gerade bei diesen Themen bleibt die Bauwirtschaft oft hinter ihren Möglichkeiten zurück. Daher wird zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe eine strategische Neuausrichtung immer wichtiger.

Die Bauwirtschaft steckt weiterhin in einer schwierigen Lage. Aus Sicht des Bauexperten Klaus-Peter Stöppler sollten Unternehmen nicht darauf warten, dass politische Maßnahmen die Situation grundlegend verbessern. Stattdessen sieht er die Betriebe selbst in der Pflicht, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, Prozesse zu modernisieren und technologische Chancen stärker zu nutzen. Gerade für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe könnte diese Haltung entscheidend sein, um die aktuelle Marktschwäche zu überwinden und langfristig profitabel zu bleiben. „Die Politik wird die Wirtschaft nicht retten“, erklärt der Branchenkenner. Seine Einschätzung fällt nach rund anderthalb Jahren neuer Bundesregierung ernüchternd aus. „Die Unternehmen müssen sich aus eigener Kraft fit für die Zukunft machen, denn die Politik wird es nicht richten.“ Wer weiterhin auf umfangreiche Hilfsprogramme oder strukturelle Entlastungen aus Berlin setze, gehe ein erhebliches Risiko ein. „Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber jetzt können wir sie getrost zu Grabe tragen. Firmen, die weiterhin auf Hilfe aus Berlin hoffen, sind verloren.“

Ungenutzte Potenziale in Bauunternehmen

Nach Beobachtungen des Interim Managers liegt ein großes Problem vieler Unternehmen weniger in der Marktsituation als in internen Strukturen. In zahlreichen Betrieben gebe es erhebliche Potenziale, die bislang ungenutzt bleiben. „Es gibt so viele Stellschrauben in den Betrieben, um Aufträge zu generieren, Prozesse zu verbessern, Innovationen einzuführen und Kosten zu senken“, bestätigt Stöppler. „Aber viele Führungskräfte übersehen diese Chancen und fahren ihre Firmen auf eingefahrenen Gleisen an die Wand.“ Dabei sieht der Experte besonders im Vertrieb und in der Organisation Verbesserungsbedarf. Kundendaten würden häufig nicht systematisch ausgewertet, Angebote kämen zu spät oder ohne klare Differenzierung. Gleichzeitig seien viele Abläufe noch immer so organisiert wie vor zehn Jahren, obwohl Digitalisierung und Automatisierung längst neue Möglichkeiten eröffnet hätten, Bauprozesse effizienter zu gestalten.

Digitalisierung und KI bleiben oft ungenutzt

Auch beim Einsatz moderner Technologien sieht Stöppler deutlichen Nachholbedarf. Vor allem bei Künstlicher Intelligenz (KI) liege Deutschland hinter anderen Märkten zurück. Studien zufolge nutzen hierzulande lediglich rund 20 bis 25 Prozent der Bauunternehmen KI-Technologien, während der Anteil in den USA bereits bei knapp 40 Prozent liegt. Dabei beschränke sich die Nutzung häufig auf einfache Anwendungen, etwa in Bürosoftware. „Wer heutzutage Microsoft Office nutzt, kommt an KI in Word oder Excel im Grunde gar nicht mehr vorbei, etwa beim Formulieren oder Kalkulieren von Bewerbungen auf Ausschreibungen.“ Doch laut Stöppler ist das nur ein kleiner Teil der möglichen Effizienzgewinne.

Innovationen kommen in der Branche zu langsam an

Ähnlich zurückhaltend zeigt sich die Branche beim Einsatz digitaler Planungsmethoden. Building Information Modeling (BIM) etabliere sich zwar langsam, werde aber noch längst nicht flächendeckend genutzt. Weniger als ein Fünftel der Bau- und Ausbauunternehmen arbeite derzeit mit entsprechender Software. Für Stöppler ist das eine verpasste Chance: „BIM ist eine Riesenchance, die jedoch von der Branche weitgehend vertan wird.“ Gleichzeitig sieht er Fortschritte beim seriellen und modularen Bauen. Mehr als ein Viertel der neuen Wohngebäude werde inzwischen mit vorgefertigten Bauelementen errichtet. Das ist nachweislich ein Ansatz, der Bauzeiten verkürzt und Kosten senken kann. Noch größere Veränderungen erwartet der Experte langfristig durch automatisierte Bauverfahren wie den 3D-Betondruck. Doch trotz aller Innovationsmöglichkeiten bleiben die strukturellen Probleme der Branche bestehen. Bürokratische Genehmigungsverfahren, personell überlastete Bauämter und eine unzureichende Digitalisierung der Verwaltung bremsen Projekte weiterhin aus. Für Bauunternehmen bleibt daher eigentlich nur ein Weg, nämlich die eigene Wettbewerbsfähigkeit konsequent zu stärken und neue Technologien aktiv zu nutzen.

Braucht die Bauwirtschaft wirklich noch politische Hilfe?

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Die Frage: Wer zerstört die Wohnimmobilienwirtschaft kann nicht allein an die Politik gerichtet sein.

Eine Wohnung ist ein Produkt wie jedes andere hergestellte Erzeugnis aber mit der wichtigen Eigenschaft, ein Produkt für die Daseinsvorsorge zu sein.

Es kann keine zukunftsfähige Lösung sein, wenn beim Wohnungsneubau mit Subventionen, auch geförderter Wohnungsbau genannt, die sogenannte Sozialbindung nach 15 Jahren wegfällt und diese Wohnungen dann zu „Marktmieten“ angeboten werden können.
Vermutlich müssen dann sehr viele Mieter aus finanziellen Gründen ihre Wohnung, sowie ihre damit verbundenen und seit langem bestehenden sozialen Beziehungen, aufgeben.

Es kann auch keine zukunftsfähige Lösung, wenn der Steuerzahler wegen der geringen operativen Leistungsfähigkeit und Produktivität (McKinsey)
https://www.mckinsey.de/news/presse/infrastruktur-und-wohnen-deutsche-ausbauziele-in-gefahr
dem geringer Wertschöpfungsgrad von ca.30% (Roland Berger)
file:///C:/Users/Win10%20Pro%20×64/Documents/B.M/Eigene%20Bilder/dokumente/roland_berger_digitalisierung_bauwirtschaft_final.pdf
und der exorbitanten Fehlerquote (BauInfoConsult),
https://bauinfoconsult.de/presse-fehlerkosten-am-bau-in-2021-mit-rund-165-milliarden-immer-noch-zu-hoch/
der Bauwirtschaft einen Ausgleich durch Subventionen tragen muss.

Es ist keine Frage der Förderprogramme, sondern die Frage ist:
Was nützt das Geld, wenn man dafür nur überteuerte Leistungen bekommt.

Wieselhuber am 21.8.25
Industrialisierung im Bau: Transformation ist unbequem!
von Oliver Markschläger

„Viele beobachten, überlegen oder beharren – nur wenige bewegen sich: In der Baubranche ist es seit Jahren Thema, dass industrialisiertes Bauen die fehlende Kundenzentrierung durch fragmentierte Leistungserbringung, zu teure Herstellkosten, lange und volatile Projektlaufzeiten in den Griff bekommen könnte. Doch nur wenige Hersteller widmen sich der Umsetzung mit echter Konsequenz.

Doch dieses Zögern ist keine Vorsicht. Es ist ein Risiko – ein massives! Denn wer auf die perfekte, ausgereifte, in allen Details durchoptimierte Lösung mit fertig aufgebauten Lieferketten und abgestimmten Ökosystemen und perfekten regulatorischen Rahmenbedingungen mit guten Förderbedingungen wartet, verpasst die Chance den Weg mitzugestalten. Industrialisiertes Bauen entwickelt sich in Iterationen – es ist ein Lernprozess, der Anpassungen und Mut verlangt.

Fehlende Risikobereitschaft ist der wahre Kostenfaktor
In einer Branche, die ohnehin von volatilen Märkten, steigenden Kosten, Fachkräftemangel und häufig geringen Margen geprägt ist, wirkt das Festhalten am Status quo geradezu paradox. Die Angst vor Fehlschlägen oder Investitionsrisiken sorgt dafür, dass viele lieber weiter mit veralteten Prozessen arbeiten, als neue Wege zu gehen.“
https://www.wieselhuber.de/aktuelles/kommentar/-/253/Industrialisierung_im_Bau_Transformation_ist_unbequem!/

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