Mitarbeiterbindung durch Familienfreundlichkeit

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Malermeister Christian Pfennig freut sich über das gute Betriebsklima im seinem Malerbetrieb; Foto: Roland Riethmüller

Ende 2013 wurde im Saarland das Gütesiegel „Familienfreundliches Unternehmen“ von der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer und dem Familienministerium im Saarland verliehen. Unter den ausgezeichneten Betrieben befand sich auch ein Malerbetrieb aus Saarbrücken. Malermeister Christian Pfennig baut auf eine besondere Vertrauenskultur in seinem Betrieb und beweist damit, wie auch ohne große Geldbeträge eine starke Mitarbeiterbindung erzielt werden kann.

Der Fachkräftemangel macht sich in allen Bereichen der Wirtschaft bemerkbar und zwingt die Betriebe immer stärker zum Umdenken. Eine sinnvolle Maßnahme im steigenden Wettbewerb um hochqualifizierte Mitarbeiter ist die Familienfreundlichkeit im Betrieb. Doch längst ist dies keine Selbstverständlichkeit. Daher wurden Mitte Dezember letzten Jahres in Saarbrücken von der Ministerpräsidentin des Saarlands, Annegret Kramp-Karrenbauer, 75 Betriebe mit dem Gütesiegel „Familienfreundliches Unternehmen“ ausgezeichnet. Besonders stolz über diese Ehrung ist der Malermeister Christian Pfennig, der damit als erster Malerbetrieb im Saarland diese Auszeichnung erhält. Alle zwei Jahre verleihen die Industrie- und Handelskammer (IHK), sowie die Handwerkskammer und das Familienministerium im Saarland ein Gütesiegel, das besonders familienfreundliche Personalpolitik im Betrieb würdigt und gleichzeitig noch mehr Anreize für einen sozialverträglichen Umgang mit den Kindern und pflegebedürftigen Familienangehörigen der Arbeitnehmer schafft.

Der Malerbetrieb Pfennig wurde vor fast vierzig Jahren in Saarbrücken von Jürgen Pfennig gegründet und Anfang des Jahres in zweiter Generation von Christian Pfennig übernommen. Mit sechs Mitarbeitern kann der Jungunternehmer zwar keine eigene Kita oder Ruheräume für Eltern und Kind anbieten wie andere ebenfalls ausgezeichnete Betriebe. Doch kann er seinen Mitarbeitern Vertrauen entgegen bringen und das Versprechen, auch außerhalb der Arbeitzeit für Sorgen und Nöte in der Familie ein offenes Ohr zu haben. So bietet der 34-jährige mit seinem Malerbetrieb seinen Mitarbeitern Hilfestellung bei Amtsgängen oder dem Ausfüllen von Formularen. Jeder Mitarbeiter hat ein eigenes Arbeitszeitkonto, über das er wichtige Termine wie einen Arztbesuch oder Ämtergänge auch innerhalb der normalen Arbeitszeit abwickeln kann. So hat der Malermeister beispielsweise für einen Mitarbeiter den Kontakt zu einer Ehe- und Schuldnerberatung hergestellt, nachdem er privat nach einer Trennung Schwierigkeiten bekommen hat und ihn bei Bedarf freigestellt. Für die Frau eines anderen Mitarbeiters hat er einen Sprachkurs organisiert und sich für die Anerkennung ihres Studienabschlusses eingesetzt.

„Ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Mitarbeiterbindung ist Vertrauen,“ sagt Pfennig und unterstreicht auch die Bedeutung einer herzlichen Aufnahme neuer Mitarbeiter im Betrieb. Der Malermeister mit BWL-Studium und Ausbildung zum Raumgestalter weiß, dass Vertrauen in vielen Betrieben fehlt und auch nur sehr selten auf Vorschuss eingeräumt wird. Doch gerade diese Einstellung sichert dem Malerbetrieb aus Saarbrücken wichtige Fachkräfte und vor allem loyale Mitarbeiter, die so zufrieden sind, dass sie selbst befreundete Maler anwerben. Pfennig pflegt eine von Vertrauen und Zuneigung geprägte Atmosphäre, die seine Mitarbeiter in ihren Familien kaum erlebt haben. „Nur einer unserer Mitarbeiter kommt aus einem Elternhaus, in dem Vater und Mutter noch zusammen unter einem Dach wohnen,“ erläutert Pfennig seine soziale Verantwortung. Übrigens ist er selbst ebenfalls ein Scheidungskind, das die alte Vertrauens-Institution Familie nicht so erlebte, wie es über Generationen üblich war.

Zur Fachkräftesicherung spielt Vertrauen eine zentrale Rolle. Doch nicht nur die Suche nach Lösungen bei Problemen in der Familie der Mitarbeiter und das Angebot für Fragen und persönliche Anliegen offen zu sein, tragen zu einer Vertrauenskultur bei. Auch attraktive Entwicklungsmaßnahmen, transparente Belohnungen und die Möglichkeit, auch mal Fehler machen zu können, stützen sich auf das Vertrauen im Malerbetrieb. „Menschen sind dann kreativ, mutig und bereit aus sich selbst herauszugehen, wenn sie sich in einer sicheren Umgebung wohl und verstanden fühlen,“ betont Pfennig. „Gerade im Handwerk lässt sich mit bürokratisch organisierter Arbeit kein Mehrwert erzielen. Vielmehr müssen wir täglich mit Ungewissheit umgehen, Neues schaffen und manchmal auch das Unsteuerbare steuern. Eine Voraussetzung dafür sind vertrauensvolle Beziehungen.“

Das Gütesiegel „Familienfreundliches Unternehmen“ ist ein würdiger Beitrag, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken und aktiv zur Mitarbeiterbindung beizutragen.

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