Die Bau- und Handwerksbranche steht vor gewaltigen Herausforderungen, denn die Baukonjunktur ist von einer Erholung immer noch weit entfernt. So habe die Geschäftsstimmung im Handwerk den tiefsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Über ein Viertel der Betriebe melden Umsatzrückgänge, während die Insolvenzen um fast ein Fünftel steigen. Besonders betroffen ist das baunahe Handwerk. Gleichzeitig setzt sich der Personalabbau fort. Hoffnung geben saisonale Effekte und steigende Investitionsbereitschaft – doch eine echte Erholung bleibt vorerst aus.
Die Baukonjunktur schwächelt laut einer aktuellen Einschätzung des Wirtschaftsinformationsdienstes Creditreform auch weiterhin. Die anhaltende Rezession drückt die Geschäftsstimmung auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Der aktuelle Creditreform-Geschäftslageindex fällt auf 45,8 Punkte, und fast 27 Prozent der Betriebe berichten von Umsatzrückgängen. Zwar zeigen sich im gewerblichen Handwerk und im privaten Reparatursektor leichte Erholungstendenzen, doch die große Wende bleibt bisher aus. Von Optimismus kann also noch lange keine Rede sein, obwohl die Umsatzprognosen der Betriebe etwas weniger pessimistisch als im Vorjahr sind. Nur rund 24,3 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem leichten Plus, während 22,8 Prozent weiterhin von Rückgängen ausgehen. Dabei stehen vor allem das Ausbaugewerbe und das Handwerk für den gewerblichen Bedarf unter Druck. „Umsatz, Personal, Eigenkapital, Insolvenzen – die Rezession trifft das Handwerk mit großer Wucht“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. „Das liegt vor allem an der Entwicklung in der Bauwirtschaft.“
Stellenabbau hält an – Hoffnung durch saisonale Effekte
Die wirtschaftliche Unsicherheit führt zu anhaltendem Stellenabbau. Fast 23 Prozent der Handwerksbetriebe reduzieren ihren Personalbestand, während lediglich 19,3 Prozent neue Arbeitskräfte einstellen. Ein Lichtblick: Saisonale Effekte könnten in den kommenden Monaten zu einer vorübergehenden Belebung des Arbeitsmarktes führen. Trotzdem dürfte der Fachkräftemangel langfristig weiter zunehmen, da viele erfahrene Handwerker altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden.
Insolvenzen auf Rekordhoch – besonders baunahes Handwerk betroffen
Gleichzeitig steigt die Zahl der Insolvenzen auf das höchste Niveau seit 2016. Demnach sind im Jahr 2024 4.350 Betriebe zahlungsunfähig geworden. Das ist ein Anstieg um 18,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Davon besonders betroffen ist das baunahe Handwerk. Die Hauptgründe sind die hohe Kreditzinsen, die steigenden Personalkosten und die sinkenden Auftragsvolumen.
Finanzielle Engpässe und Bürokratie belasten das Handwerk
Zudem leidet die Branche unter einer angespannten Finanzsituation. Mehr als ein Drittel der Betriebe verfügt über weniger als zehn Prozent Eigenkapital, was die Abhängigkeit von Banken und Kreditgebern erhöht. Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat zwar etwas Entlastung gebracht, doch die Ertragskraft vieler Betriebe bleibt schwach. Hinzu kommt die zunehmende Bürokratielast: Fast 80 Prozent der Handwerker berichten von steigendem Verwaltungsaufwand.
Handwerk weiter unter Druck – Erholung bleibt unsicher
Damit bleibt die Lage im Handwerk trotz erster Stabilisierungssignale kritisch. Der Investitionswille nimmt zwar wieder zu und erreicht damit den höchsten Wert seit Jahren. Doch eine schnelle wirtschaftliche Erholung ist nicht in Sicht. Die Bauwirtschaft bleibt damit ein zentraler Faktor für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, und ohne gezielte Maßnahmen drohen weitere Insolvenzen und Arbeitsplatzverluste.

















