Renteneintrittsalter mit 70? Bauwirtschaft sagt nein

Renteneintrittsalter mit 70 Bauwirtschaft sagt nein
Foto: Roland Riethmüller

Während die Franzosen das Alter für den Renteneintritt erhöhen, werden auch in Deutschland Stimmen laut, bei Männern das Alter von 67 auf 70 Jahre zu erhöhen. Sinn und Zweck ist die Finanzierung der Rente. Die Bauwirtschaft distanziert sich von diesen Überlegungen und lehnt die Forderung kategorisch ab. Würde das Renteneintrittsalter erhöht werden, so wäre das für die Arbeitnehmer unzumutbar.

In Frankreich wurde kürzlich das Alter für den Renteneintritt von 62 auf 64 Jahre erhöht. In Deutschland wird daher über Ähnliches nachgedacht. Die Männer sollen demnach erst mit 70 statt wie bisher mit 67 Jahren in Rente gehen. Das stößt bei der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) auf heftige Kritik. Für die gewerblichen Arbeitnehmer am Bau wäre die Erhöhung vom Renteneintrittsalter eine Zumutung. „Das wäre eine enorme Belastung für ältere Arbeitnehmer, die zu einer Verschlechterung der Gesundheit und der Lebensqualität und damit auch zu einer Erhöhung der Gesundheitskosten führen würde“, erklärt BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka. Das hätte für die Familienplanung auch negative Folgen. Stattdessen werden Alternativen gefordert, um damit auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken.

Erhöhung Renteneintrittsalter ist eine unzumutbare Forderung

„Dass beispielsweise ein Maurer, Betonbauer oder Zimmerer mit knapp 70 Jahren noch irgendwo bei Wind und Regen hoch oben auf einem Gerüst herumturnen soll, kann sich nur jemand ausdenken, der Zeit seines Lebens an einem Schreibtisch gearbeitet hat und noch nie eine solche Tätigkeit selbst ausgeführt hat“, entgegnet Gilka aktuellen Forderungen, das Renteneintrittsalter noch weiter zu erhöhen. Er gibt auch zu bedenken, dass dadurch das Unfallrisiko steigern würde. Schließlich sei ein 70-Jähriger nicht mehr so trittsicher, wie ein jüngerer Kollege mit rund 40 Jahren. Außerdem sei es nicht in allen Berufen möglich, dass das Renteneintrittsalter erhöht werde. Dazu zählt nicht nur die Bauwirtschaft, sondern auch in anderen Berufen, in denen körperlich schwere Arbeit geleistet wird. Ebenso würden Menschen mit niedrigem Einkommen unter dem Renteneintrittsalter mit 70 leiden. Das würde zur sozialen Ungerechtigkeit führen und die Kluft zwischen den gesellschaftlichen Schichten weiter vergrößern.

Bauwirtschaft fordert Alternativen

Das Renteneintrittsalter zu erhöhen, ist daher keine geeignete Lösung. Für Menschen, die nicht körperlich arbeiten müssten, sei das zwar denkbar, aber am Bau nicht zu vertreten. Zudem sollten alle Berufsgruppen in die Rentenkassen einzahlen. Was spreche also dagegen, dass beispielsweise auch Beamte in die Rentenkassen einzahlen müssten. In Zeiten des demografischen Wandels wäre das sehr sinnvoll, anstatt nur stumpf das Renteneintrittsalter zu erhöhen.

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Erhöhung des Renteneintrittsalters

Die Franzosen sprechen über eine Erhöhung auf 64 Endalter. Wir arbeiten jetzt schon länger zusammen mit den Portugiesen und den Irländern.

Das ein Handwerker oder Bauarbeiten mit 70 noch den gleichen körperlichen und geistigen Einsatz bringen kann, halte ich für sehr vermessen. 

Eine Regierung, die mit den Einnahmen = Steuergeldern vernünftig umgeht, braucht kein erhöhtes Renteneintrittsalter. Die Rentenkassen könnten gefüllt sein, wenn die ganzen Versorgungswerke, Beamte, Selbstständige einzahlen würden. Gerade Versorgungswerke wie für z. B. Apotheker, Ärzte, Architekten usw. sind überflüssig und bieten nicht gerade eine so viel  bessere Veersorgung.

Renteneitrittsalter mit 70

neben den bereits richtig genannten Argumenten von Herrn Gilka, wäre dies sicher auch ein Todesstoß für die Nachwuchsarbeit! Wer entscheidet sich dann noch für einen Knochenjob, wenn er weiß, dass er zwar in jungen Jahren gutes Geld verdien kann, dann aber bis 70 und drüber noch am Bau seine/n Frau/Mann stehen muss (oder abgeschafft und arbeitsunfähig in die Armut gleitet)?

Da ist doch ein „Sesselpfurzer-Job“ viel angenehmer!
Leider haben derzeit die selbst und real körperlich Arbeitenden in den Regierungen ein krasses Minderheitsvorkommen. Anders lassen sich solche schwachsinnigen Überlegungen nicht erklären.

Hoffentlich bleibt die Verbands-Lobby-Arbeit erfolgreicher als die der Geldgeier einiger Politiker und Aktionäre!

Mit 70 in Rente heißt real nicht, dass man so lange arbeiten kann, aber dass man zuvor kein Geld für seine Lebensarbeitskraft und Einzahlungen zurück bekommt und sich der Armutsgrenze nähert. Das ist klare Enteignung der kleinen Leute! – während die politischen Entscheider satte Ruhestandsgelder und Nebeneikünfte kassieren.

Renteneintrittsalter mit 70?

Eine super tolle Idee, Politiker und Beamte und alle anderen die nicht einzahlen profitieren davon, denn ich kenne so viele Menschen die kurz nach ihrem Renteneintritt den Löffel abgeben. Cool für die, die dann absahnen. Aber man sollte ja auch an die anderen denken, die müssen ja von irgendwas leben. 

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