Die Arbeitsunfälle am Bau gehen zwar immer noch kontinuierlich zurück, doch hat sich deren Rückgang deutlich verlangsamt. Im Vergleich zu den Vorjahren wurden nur noch unter einem Prozent weniger Arbeitsunfälle registriert. Experten gehen davon, dass die Organisation des Arbeitsschutzes und die Verbesserung der Technik alleine nicht ausreicht und nur durch ein Umdenken noch weitere Arbeitsunfälle vermieden werden können.
Auch im Jahr 2015 ging die Anzahl der Arbeitsunfälle am Bau erneut um 1.396 Vorfälle auf 102.333 zurück. Damit setzte sich der Rückgang der letzten Jahre fort, verlangsamte sich jedoch ständig. So lag die Unfallquote je 1.000 Beschäftigte im vergangenen Jahr bei 55,49 Fällen. Das entspricht einem Rückgang von lediglich 0,68 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Denn die Jahre zuvor war diese Quote teilweise um fünf bis acht Prozent zurückgegangen.
Weniger Arbeitsunfälle, aber mehr Todesfälle am Bau
Leider stieg jedoch im vergangenen Jahr die Anzahl der tödlichen Unfälle am Bau um fünf auf 86. “Dabei ist jeder einzelne Todesfall entsetzlich für Betroffene und Angehörige und hätte vermieden werden müssen”, erklärt Klaus-Richard Bergmann, Hauptgeschäftsführer der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU). Denn die häufigsten Todesursachen waren Abstürze, beispielsweise von Dächern oder Baugerüsten. Aber auch herabfallende oder kippende Teile, wie umstürzende Schalungselemente, Paletten oder Ladungen von LKWs verursachten viele Todesfälle. Zudem verunglückten auch viele Beschäftigte am Bau durch oder mit Maschinen.
Arbeitsunfälle sich schmerzhaft und kosten viel Geld
Arbeitsunfälle verursachen neben den Schmerzen und dem menschlichen Leid jedoch auch erhebliche Kosten. So leistete die BG BAU im vergangenen Jahr Zahlungen für medizinische Behandlungen, sowie anschließende Reha-Maßnahmen und Renten in Höhe von einer Milliarde Euro. Daher legt die BG BAU großen Wert auf eine systematische Unfallanalyse, um den Risiken am Bau mit geeigneten Maßnahmen präventiv zu begegnen. “Intensive Beratungsgespräche der Aufsichtspersonen der BG BAU in den Unternehmen und auf den Baustellen tragen dazu bei, den Unfallschutz zu verbessern”, so Bergmann. Immerhin gab es im Jahr 2015 über 220.000 Betriebsbesichtigungen.
So trugen vor allem Schulungen und Präventionskampagnen nachhaltig dazu bei, die Arbeitssicherheit auf Baustellen zu verbessern. Doch auch die Arbeitsschutzprämien der BG BAU mit finanziellen Anreizen in Höhe zu bis zu 2.000 Euro für die Aus- und Nachrüstung von Arbeitsmitteln, Maschinen und Geräten konnten neue Arbeitsunfälle vermeiden.
Prävention alleine reicht nicht aus
Zusammenfassend sich sich Experten jedoch einig, dass die Einhaltung der formalen Regelwerke zum Arbeitsschutz nicht ausreichen, um Arbeitsunfälle weiter zu senken. “Nur durch eine noch bewusstere Wahrnehmung der eigenen Verantwortung aller Beteiligten für sich selbst und für andere kann der Rückgang der Unfallzahlen weiter verstetigt werden. Arbeitsschutz muss als wichtiger Bestandteil des alltäglichen Handelns etabliert werden”, fordert Bergmann im Kampf gegen Arbeitsunfälle. Zusammen mit den Mitgliedsunternehmen und Sozialpartnern will er weitere nach Lösungen suchen, den Arbeitsschutz kontinuierlich zu verbessern.

















