Rückgang Baukonjunktur: Krise ändert Prioritäten am Bau

Foto: Roland Riethmüller

Eine Besserung der Baukonjunktur ist auch für das Jahr 2024 nicht in Sicht. Die gestiegenen Zinsen sind ein Grund für die Flaute. Hinzu kommen Lieferschwierigkeiten und die ständigen Diskussionen über Energievorhaben. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor. Es wundert deshalb nicht, dass eher die Liquiditätssicherung in den Fokus der Bauunternehmen rückt. Zusätzlich wird die Nachhaltigkeit immer wichtiger, während die Bedeutung der Digitalisierung eher schwindet.

Die Aussichten für die Bauwirtschaft sind getrübt. Das bestätigt auch eine aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Horvath bei großen Bauunternehmen. Das Ergebnis zeigt, dass sich die Entwicklung im Baugewerbe auch im Jahr 2024 nicht erholen wird. Anhaltende Lieferschwierigkeiten, der Anstieg der Zinsen und die ständigen Diskussionen um die Energievorhaben sorgen für Flaute in den Auftragsbüchern. Für das aktuelle Jahr rechnen die Befragten mit einem Wachstum von nur noch vier Prozent. Das ist die Hälfte vom prognostizierten Wachstum für alle Branchen. Dieser Wert lag zuletzt bei 8,1 Prozent. Denn die gestiegenen Preise beim Material und Personal stellen rund 70 Prozent der Unternehmen vor Probleme. Für das kommende Jahr ist der Blick daher nicht optimistisch. „Selbst bei einer Umsatzsteigerung von prognostizierten 5,5 Prozent im nächsten Jahr kann von einer Aufholjagd keine Rede sein, denn inflationsbereinigt gibt es kein reales Wachstum mehr“, sagt Ralf Sauter, Partner bei Horvath. Schließlich würde die Geschäftsentwicklung im Baugewerbe vom Investitionsklima abhängen. Dieses wird allerdings nicht nur von den Zinsen und den Preisen beeinflusst, sondern auch von psychologischen Faktoren. Da geht es um die fallenden Immobilienpreise und um die Verschärfung der Energiepläne, betont Sauter weiter. Das alles wirke sich negativ auf die Baukonjunktur aus.

Bauunternehmen achten stärker als bisher auf ihre Liquidität

Viele Bauherren warten ab und verschieben ihre Investitionen. Manche streichen sie sogar komplett. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Bauunternehmen auf Liquiditätssicherung bedacht sind. 70 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass dies an erster Stelle stehen würde. Bezieht man in die Diskussion auch andere Industriezweige mit ein, so rangiert das Thema Liquiditätssicherung nur auf Platz sechs. Entsprechend wichtig ist am Bau mit 52 Prozent auch die Optimierung von Kosten- und Profitstrukturen. Das wirkt sich ebenfalls auf die Baukonjunktur aus.

Baukonjunktur ändert die Wichtigkeit der Digitalisierung

Der Rückgang der Baukonjunktur hält die Baubranche auch von der so wichtigen Transformation ab. Strategien und Innovationen sind in den Hintergrund gerückt. An Wichtigkeit verloren haben auch die Digitalisierungsprojekte. Dafür ist ein anderer Nachhaltigkeitsaspekt in den Vordergrund gerückt. Es handelt sich um die Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz. Wenn in diesen Bereichen nachgebessert werden würde, dann wären spürbare Einsparungen die Folge. Im Moment reicht es den Unternehmen, auf Ressourceneinsparung zu setzen. Doch die Studie über die wirtschaftliche Entwicklung hat auch gezeigt, dass nicht nur die Baukonjunktur ein wichtiges Thema ist. Jedes fünfte Bauunternehmen war schon Opfer von Cyberkriminalität. Hier sind Investitionen dringend erforderlich. Nicht überraschend ist, dass 82 Prozent der Befragten angaben, dass sie trotz schlechter Baukonjunktur den Fachkräftemangel spüren würden.

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