Schadstoffarmes Bauen verbessert Raumluftqualität

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Foto: Manfred Jahreis / pixelio.de

Beim Neubau und Renovierung von Schulen kann es leicht zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Schadstoffe kommen. In einem einzigartigen Modellprojekt „Gesunder Lebensraum Schule“ wurden nun zwei identische Klassenzimmer aufgebaut. Der eine Raum wurde konventionell gebaut und der andere durch schadstoffarmes Bauen errichtet. Die Messwerte belegen eine deutlich belastete Raumluftqualität aufgrund von Schadstoffbelastungen durch konventionelle Baustoffe.

Wenn Schulen oder Kindertagesstätten gebaut oder renoviert werden, muss es meist schnell gehen. Oft bleibt dabei die Raumluftqualität auf der Strecke, wenn mit konventionellen Baustoffen gebaut und nicht ausreichend durchgelüftet wird. Dies kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Schülern und Lehrern führen, ergab das Modellprojekt „Gesunder Lebensraum Schule“ von TÜV Rheinland und Sentinel Haus Institut. „Die Qualität und Kombination der verwendeten Baustoffe, Möbel und Reinigungsmittel haben einen wesentlichen Einfluss auf die Luftqualität in Klassenräumen“, bestätigt Dr. Walter Dormagen, Geschäftsfeldleiter für Gefahrstoffe, Mikrobiologie und Hygiene bei TÜV Rheinland. Gleichzeitig beeinträchtige auch ein Fehlverhalten durch Unwissenheit von Handwerkern und Reinigungspersonal die Raumluftqualität durch Schadstoffe negativ.

Der Versuchsaufbau bei TÜV Rheinland zeigt deutlich, dass das mit schadstoffgeprüften Produkten ausgestattete und gebaute Klassenzimmer eine deutlich geringere Schadstoffbelastung aufwies und innerhalb kurzer Zeit unter den vorgeschriebenen Grenzwerten vom Bundesumweltamt lag. Im konventionell gebauten Klassenzimmer dagegen wurden noch lange nach der Fertigstellung aus den Farben, Lacken und Klebern ausgasende organische Verbindungen (VOC) nachgewiesen, die den empfohlenen Grenzwert deutlich überstiegen. Somit wird deutlich, dass nach den Grundsätzen des schadstoffarmen Bauens gebaute Klassenzimmer bereits nach kurzer Zeit ohne gesundheitliche Beeinträchtigung einsatzfähig sind. Peter Bachmann, Geschäftsführer des Sentinel Haus Instituts, weist darauf hin, dass schadstoffarmes Bauen zwar nur geringfügig teurer sei, jedoch bei vielen Ausführungen das fachliche Know-How fehle.

Besonders kritisch stellt sich die Situation auch bei Renovierungen von Bestandsbauten dar. Denn oftmals stecken bereits in der Bausubstanz Altlasten, die erst durch Bauarbeiten freigesetzt und damit aktiviert werden. Auch führt oft der geringere Luftaustausch durch Wärmedämmung und dichte Fenster zu einer höheren Belastung von bestehenden oder durch die Ausführungen freigesetzter Schadstoffe. So können ebenfalls alte Klebern und Farben in Verbindung mit neuen bauchemischen Bauprodukten zu ungewollten Schadstoffbelastungen führen. Die durch die Bauarbeiten ausgelösten Kopfschmerzen, Unwohlsein oder Allergien werden oft nicht darauf zurückgeführt, mahnt Dormagen die fehlende Verbindlichkeit für Luftraumqualität in Schulgebäuden an. „Im Zusammenspiel neuer Baustoffe untereinander und dann zusätzlich mit den in Altbauten vorhandenen Substanzen gibt es unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten. Wer hier nicht vorher prüft und testet, spielt mit dem Zufall, und damit mit der Gesundheit von Kindern und Lehrpersonal.“

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