Sorge am Bau: Energiewende bremst Elektrohandwerk aus

Foto: puhimec / envatoelements

Zwar zeigen sich die E-Handwerke trotz schwacher Konjunktur stabil, doch die Zukunftssorgen nehmen zu. Laut aktueller Herbstumfrage steigt der Geschäftsklimaindex im Elektrohandwerk auf 68,8 Punkte, während Auftragsvorläufe und offene Stellen zurückgehen. Besonders der Rückgang bei erneuerbaren Energien und Smart Home bereitet Sorgen. Experten warnen: Ohne klare Wirtschafts- und Energiepolitik droht ein Abwürgen wichtiger Wachstumsfelder – mit nicht unerheblichen Folgen für Bauwirtschaft und Handwerk.

Die konjunkturelle Lage im Elektrohandwerk bleibt trotz gesamtwirtschaftlicher Unsicherheiten stabil. Zwar steigt der Geschäftsklimaindex leicht an, doch andere Indikatoren wie Auftragsvorlauf und Beschäftigungsdynamik zeigen nach unten. Damit verfestigt sich ein Bild, das einerseits von Resilienz, andererseits von zunehmenden Zukunftssorgen geprägt ist. Besonders die unklare Wirtschafts- und Energiepolitik lastet auf der Branche. Denn die Herbstumfrage des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) weist für das Jahr 2025 im Detail aus, dass 47,5 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“ bezeichnen, während nur noch 10,0 Prozent von einer „schlechten“ Lage sprechen. Damit hat sich die Stimmung gegenüber dem Frühjahr verbessert. Auch der Geschäftsklimaindex ist auf 68,8 Punkte gestiegen. Trotzdem sind gleichzeitig die durchschnittlichen Auftragsvorläufe von 13,0 auf 12,3 Wochen zurückgegangen. Auch der Anteil der Betriebe mit offenen Stellen sinkt weiter und liegt aktuell bei 46,5 Prozent.

Zukunftssorgen der E-Handwerke dominieren die Erwartungen

Ein großer Teil der Unternehmen blickt skeptisch nach vorn: 21,9 Prozent erwarten in den kommenden sechs Monaten eine Verschlechterung der Geschäftslage, nur 14,4 Prozent rechnen mit Besserung. „Ein halbes Jahr nach den vorgezogenen Bundestagswahlen treten wir wirtschaftlich nicht nur in den E-Handwerken weiter auf der Stelle“, erklärt ZVEH-Hauptgeschäftsführer Alexander Neuhäuser. Zwar sei die Nachfrage nach Dienstleistungen in den Bereichen Elektrifizierung, Wartung und Energieeffizienz stabil, doch die anhaltende Unsicherheit gefährde die Zukunftsmärkte.

Rückgänge bei Erneuerbaren Energien und Smart Home

Besonders problematisch ist die Entwicklung im Segment der erneuerbaren Energien. Hier schrumpfte der Umsatzanteil erneut und liegt nun bei 7,3 Prozent. Photovoltaik und Speicher gaben leicht nach, ebenso das Geschäftsfeld Smart Home. Dagegen konnten E-Mobilität sowie Wärmepumpen und Lüftungssysteme zulegen. „Die Rückgänge im Bereich der Erneuerbaren Energien zeigen, dass sich die durch die Politik verursachte Verunsicherung der Verbraucher bezüglich der Energiewende mittlerweile auf unsere Betriebe auswirkt“, warnt Neuhäuser. Sollte die Politik nicht entschlossen gegensteuern, drohe ein Abwürgen wichtiger Wachstumsimpulse.

Fachkräftemangel: Arbeitsmarkt bleibt angespannt

Auch beim Fachkräftemangel ist keine Entspannung in Sicht. Trotz nachlassender Dynamik bei Neueinstellungen bleibt der Bedarf hoch. „Ungeachtet immer noch vieler offener Stellen, zeigen die Ergebnisse, dass die e-handwerklichen Betriebe zurückhaltender werden, was die Einstellung neuer Mitarbeiter angeht“, so Neuhäuser. Er verweist zudem auf die demografische Entwicklung und fordert eine stärkere Qualifizierungsoffensive: Nur durch Digitalisierung und die Konzentration auf Schlüsselbereiche lasse sich langfristig Wachstum sichern.

Stabilität mit Risiko für die Energiewende

Die Ergebnisse der ZVEH-Umfrage verdeutlichen: Die E-Handwerke bleiben ein zentraler Stabilitätsfaktor der Bau- und Ausbaubranche. Doch die aktuelle Wirtschafts- und Energiepolitik bremst ausgerechnet jene Bereiche, die für die Energiewende unverzichtbar sind. Ohne klare politische Signale droht die Robustheit der Branche auf Dauer Schaden zu nehmen – mit Folgen für den gesamten Bau- und Handwerkssektor.

Bremst die Politik das Elektrohandwerk aus?

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