Ressourcenschonende Baustoffe und zirkuläres Bauen können nicht nur Klima und Umwelt schützen, sondern auch die regionale Bauwirtschaft stärken. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie zur „Baustoffwende“. Doch trotz hoher Recyclingquoten bleibt viel Potenzial bisher ungenutzt, vor allem bei hochwertigen Sekundärbaustoffen. Das 500-Milliarden-Sondervermögen der Bundesregierung eröffnet jetzt die Chance, nachhaltige Standards verbindlich im Bauwesen zu verankern und neue Marktchancen für Unternehmen zu schaffen.
Die Transformation der deutschen Bauwirtschaft ist unverzichtbar, um zentrale Klima- und Umweltziele zu erreichen. Eine aktuelle Studie des Wuppertal Instituts und Butterfly Effect Consulting im Auftrag von Holcim Deutschland beleuchtet die Potenziale ressourcenschonender Baustoffe und macht deutlich: Ohne eine strategisch gelenkte Baustoffwende bleibt die ökologische Modernisierung der Branche ein Wunschgedanke. Dabei zeigt die Analyse nicht nur ökologischen Handlungsbedarf, sondern auch wirtschaftliche Chancen. Diese liegen vor allem im Bereich der regionalen Wertschöpfung, Innovation und der Stärkung von Zukunftstechnologien. Zentraler Hebel ist dabei die konsequente Umsetzung der Kreislaufwirtschaft. Zwar werden mineralische Baustoffe bereits zu etwa 90 Prozent recycelt, doch häufig nur in minderwertiger Form. Damit bleibt viel Potenzial ungenutzt, vor allem für hochwertige Sekundärbaustoffe und zirkuläre Bauweisen. „In unserer Studie zeigen wir auf, wie die Politik die Rahmenbedingungen verbessern kann, so dass insbesondere die öffentliche Hand mit ihrer großen Nachfrage die Potenziale ressourcenschonender Baustoffe fördern kann“, erklärt Monika Dittrich vom Wuppertal Institut.
Öffentliche Infrastruktur als Katalysator für nachhaltiges Bauen
Die kürzlich bereitgestellten Investitionsmittel der neuen Bundesregierung zur Infrastrukturmodernisierung könnte zum Katalysator der Wende werden. „Das 500 Milliarden Euro umfassende Sondervermögen der Bundesregierung zur Sanierung der Infrastruktur bietet dafür eine historisch einmalige Chance“, bestätigt Holcim-Geschäftsführer Thorsten Hahn. Die Studie fordert, dass die öffentliche Hand durch nachhaltige Ausschreibungen, konsequente Rezyklatquoten und klare Nachhaltigkeitsvorgaben eine Vorreiterrolle übernimmt.
Defizite bei Digitalisierung und Normung bremsen Umsetzung
Doch trotz bestehender rechtlicher Rahmenbedingungen wie der EU-Taxonomie und der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie hakt es in der Praxis. Fehlende digitale Werkzeuge wie Materialpässe, unklare Standards und komplexe Zulassungsverfahren verhindern eine flächendeckende Umsetzung. Auch die mangelnde Berücksichtigung externer Umweltkosten sowie zu geringe Förderanreize hemmen den Fortschritt.
Acht Handlungsfelder für Baustoffwende mit zirkulärem Neustart
Die Studie benennt acht konkrete Handlungsfelder, die von politischen Entscheidungsträgern und der Bauwirtschaft gemeinsam angegangen werden müssen. Dazu zählen unter anderem verbindliche Rezyklatquoten, lebenszyklusbasierte Ökobilanzierung, nachhaltige Ausschreibungen mit finanziellen Investitionsanreizen, Wissensvermittlung, digitale Transparenzinstrumente und eine Urban-Mining-Strategie. Martin Bethke von Butterfly Effect Consulting bringt es auf den Punkt: „Die Bauwirtschaft kann entscheidend zum Erreichen der deutschen Klima- und Umweltschutzziele beitragen.“


















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