In der hitzigen Atmosphäre der aktuellen Tarifverhandlung im Bauhauptgewerbe konnte keine Einigung erzielt werden. Nach drei Verhandlungsrunden wurden die Gespräche als gescheitert erklärt. Während die Arbeitnehmer eine signifikante Lohnerhöhung fordern, verweisen die Arbeitgeber auf die angespannte Baukonjunktur und bieten einen entsprechenden Vorschlag. Begleitet wurde die Tarifverhandlung von kämpferischen Mittagspausen, die einen Vorgeschmack auf den drohenden Streik geben sollen. Im nächsten Schritt soll nun die Schlichtung zu einer Einigung führen.
Anfang der Woche fand in Wiesbaden die dritte Verhandlungsrunde im Bauhauptgewerbe statt. Doch die Positionen liegen immer noch zu weit auseinander, als dass man sich auf einen Kompromiss hätte einigen können. Die Arbeitgebervertreter vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) hatten eine Lohnerhöhung von 3,3 Prozent für das Jahr 2024 und weitere 3,2 Prozent für das kommende Jahr angeboten. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) ist allerdings als Arbeitnehmervertretung von ihrer Forderung nach einer monatlichen Lohnerhöhung von 500 Euro pro Fachkraft nicht abgewichen. Dies würde einer Steigung von 22,5 Prozent entsprechen.
Enttäuschung im Bauhauptgewerbe
Aufgrund der zu weit auseinander liegenden Positionen konnte kein Abschluss erzielt werden. Die Tarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe sind damit als gescheitert erklärt. Jetzt wird die Schlichtung angerufen. „Die Arbeitgeber waren nicht bereit, uns ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch zu legen“, kritisiert Carsten Burckhardt, Bundesvorstandsmitglied der IG Bau und Verhandlungsführer der Arbeitnehmer. „Zweimal etwas über drei Prozent mehr Einkommen auf 24 Monate gleichen die immens gestiegenen Lebenshaltungskosten in den vergangenen Jahren und Monaten einfach nicht aus. Da muss noch deutlich etwas draufgelegt werden.“ Auch die Arbeitgebervertreter äußerten ihre Enttäuschung und hoffen auf eine schnelle Einigung. „Ausgehend von zwei gut begründeten Angeboten setzen wir nun in der Schlichtung auf eine branchengerechte Lösung für unsere Unternehmen“, erklärt HDB-Vizepräsidentin Jutta Beeke, alternierende Vorsitzende der Verhandlungskommission der Arbeitgeber,
Deutschlandweite Proteste haben die Tarifverhandlung begleitet
Begleitet wurde die Tarifverhandlung von deutschlandweiten Protesten. Vor dem Verhandlungshotel in Wiesbaden hatten sich rund 500 Fachkräfte mit Warnwesten und Trillerpfeifen versammelt, um ihrem Unmut lautstark Luft zu machen und auf die Bereitschaft zum Streik hinzuweisen. Burckhardt betont, dass es dem Bauhauptgewerbe nicht schlecht gehen würde. Im Aufwind befänden sich der Tiefbau, der Infrastrukturausbau und der öffentliche Bau. Eingebrochen sei lediglich der Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern. Das solle sich aber auch im Laufe des Jahres zum Positiven wenden. Dem widerspricht Uwe Nostiz, Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und verweist auf die aktuelle Baukrise. „Viele Bauunternehmen im Wohnungsbau, dem größten Bausektor, haben mit massiven Auftragsrückgängen zu kämpfen“, so Nostiz. „Die Gewerkschaft ignoriert diese baukonjunkturelle Realität komplett und hält weiter an ihrer Hauptforderung fest.“
Burckhardt betont weiter, dass die Baubranche attraktiv bleiben müsse. Ansonsten würden sich die Beschäftigten abwenden und in andere Bereiche gehen. Alle Hoffnungen liegen nach der gescheiterten Tarifverhandlung im Bauhauptgewerbe nun auf der Schlichtung.

















